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Weitere Briefe:Zu WMF und Kernkraft

Der schwäbische Haushaltswarenhersteller stehe besser da als ein Artikel vermuten lasse, moniert ein Leser. Ein anderer betont, dass das Uran aus dem Forschungsreaktor FRM II in Garching nicht bombenfähig sei.

Küchengerätehersteller WMF

Jedem Topf seinen Deckel: Produktion beim Haushaltswarenhersteller WMF in Geislingen, Baden-Württemberg.

(Foto: dpa)

Gewinn maximieren

Zu "Fordernder Franzose" vom 12. Juli: Die WMF ist kein Sanierungsfall! Der WMF-Konzern erzielte 2018 ein Ebit-Ergebnis von knapp 100 000 000 Euro! Groupe SEB geht es bei der Übernahme vielmehr um Gewinnmaximierung um jeden Preis. Dass die Lohnkosten in Frankreich um 20 Prozent und mehr niedriger sein sollen, kann so nicht nachvollzogen werden. Hierzu gibt es Statistiken aus dem Jahr 2019, die dies widerlegen. Es geht vielmehr um die weitere gute Auslastung der anderen europäischen Fertigungen.Harald Klein,

Deggingen, Mitglied WMF Betriebsrat

Nicht bombenfähig

Zu "Bombensache" vom 13. Juni: Sehr zutreffend schreibt Michael Bauchmüller, dass die Forschungs-Neutronenquelle FRM II für die Grundlagenforschung zum Beispiel im Bereich der nachhaltigen Energieversorgung oder für die Versorgung der Nuklearmedizin mit Radioisotopen zur Diagnose und Heilung benötigt wird. Der FRM II spielt eine zentrale Rolle zur Bereitstellung von Neutronen in Europa, so ist der FRM II ein zentraler Bestandteil zur Versorgung der Nuklearmedizin Europas.

Es ist in der Tat ein Trauerspiel, wenn die für den Betrieb des FRM II benötigten Brennelemente nicht mehr vom Herstellungsland Frankreich zum FRM II in Garching transportiert werden können. Scheinbar verkomplizieren inkompatible Richtlinien der Länder solche Transporte, obwohl diese in den vergangenen fünf Jahrzehnten problemlos und unter Einhaltung höchster Sicherheitsstandards möglich waren. Der Sache wenig dienlich sind Überschriften wie "Bombensache". Auch ist zum wiederholten Male festzuhalten, dass die Brennelemente des FRM II nicht bombenfähig sind. Das hochangereicherte Uran im Brennelement liegt in einer Form vor, dass es ausschließlich dem äußerst nützlichen Zweck, über 60 Tage intensivstes Neutronenlicht zu liefern, dienen kann.

Der Garchinger Reaktor steht auch nicht quer zu den internationalen Bemühungen die Verwendung von hochangereichertem Uran zu minimieren. Er ist ein Akteur in diesem Bemühen. Auch heute werden immer noch alle Hochleistungsforschungsreaktoren in Europa, den USA und Russland mit hochangereichertem Uran betrieben. Auch arbeiten all diese Forschungsinstitutionen mit Hochdruck an der Qualifizierung eines dichteren Uranbrennstoffes, der die Nutzung niedriger angereicherten Urans ermöglichen soll.

Prof. Dr. Winfried Petry, Baldham, ehem. Wissenschaftlicher Direktor des FRM II

© SZ vom 23.07.2019
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