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Weitere Briefe:Tierversuche, Steuern, Wissenschaft

Eine Leserin empört sich über Versuche mit Mäusen zur Gewinnung lapidarer Erkenntnisse, beispielsweise zum Ergrauen von Haaren. Ein Steuerexperte moniert eine Gerichtsentscheidung zum Ansatz von Studienkosten.

Tierversuche für Lapidares

Zu "Vor Stress ergraut" vom 23. Januar: Da werden also Mäuse mit intensiven Schmerzen gequält, fixiert, isoliert und Psychostress ausgesetzt. Und das alles nur, weil der Prozess des Grauwerdens menschlicher Haare untersucht werden soll! Sind Tierversuche schon generell fragwürdig, so sollten sie, wenn überhaupt, der Erforschung und Bekämpfung schwerwiegender Krankheiten dienen und nicht der Befriedigung eines x-beliebigen Forscherdrangs. Was also rechtfertigt derartig grauenvolle Versuche in diesem Fall? Im Text heißt es lakonisch, dass "eine Ethikkommission" diese mittelalterlich anmutenden Experimente genehmigt habe. Wo bleibt hier der humane Kern, der Bestandteil jeder ethischen Entscheidung sein sollte?

Christine Voit, Herrsching

Studium ist kein Privatvergnügen

Zu "Studieren bleibt Privatsache" vom 11./12. Januar: Es gehört schon Chuzpe dazu, den BFH, bestätigt durch den Verfassungsrechtsausschuss der Bundesrechtsanwaltskammer, so abzuwatschen, wie es das BVerfG mit dem Beschluss zur Verfassungsmäßigkeit der Werbungskostenverweigerung für Erstausbildungskosten getan hat. Einem jungen Arzt zu unterstellen, sein siebenjähriges Medizinstudium würde seiner "Persönlichkeitsbildung" dienen und deshalb "typischerweise" seinem Privatbereich zuzuordnen sein, erscheint mehr als steuerrechtlich fragwürdig, insbesondere, weil der Teamkollege mit Erstausbildung mit dem kumulierten Verlustvortrag die ersten Berufsjahre steuerfrei arbeiten kann. Es ist Zeit, dass der Gesetzgeber den BFH-Urteilen folgt.

Raymond Kudraß, Steuerberater, München

Verquere Schlüsse

Zu "Augsteins Welt: Marmelade eimerweise" vom 3. Januar: Augstein mokiert sich über "ungare oder halbgare Theorien" die in den "vergangenen Jahrzehnten zu Prominenz kamen, obwohl sie bescheuert waren". Sie führt Beispiele an: Die Chaostheorie, den Foucaultschen Gouvernementalitätsansatz sowie den Neoliberalismus. Selbst wenn man Augsteins Setzung - "bescheuert" - und auch die unterstellte Vergleichbarkeit der Ansätze außer Acht lässt, muss sich die geneigte SZ-Leserin fragen, welchem verkürzten Psychologismus Frau Augstein aufsitzt, wenn sie schreibt, dass Foucault - da er seine Homosexualität nicht offen hätte leben können, dies "sublimierte (...), indem er die Herausbildung des ,modernen' Staates zu seinem Thema machte".

Dr. Charlotte Ullrich, Heidelberg

© SZ vom 07.02.2020
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