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Weitere Briefe:Ökostrom, brennende Wälder im Amazonas

Ein Leser kritisiert die Neufassung des Ökostrom-Gesetzes. Ein anderer geißelt die Zerstörung der Regenwälder, weil viele Farmer Fleisch und Agrarprodukte exportieren wollen, oft nach Europa, um Geld zu verdienen.

Bürgerenergie zurückgedrängt

Zu "Hart am Wind" vom 24. September: Der Bericht will einen Überblick geben über die Neufassung des Ökostrom-Gesetzes, mit dem die Bundesregierung den Ausbau erneuerbarer Energien beschleunigen will. Er ist mir jedoch zu unkritisch. Nach Ansicht des Bundesverbandes Neue Energiewirtschaft und einiger Umweltverbände dient das Gesetz nicht der Beschleunigung, sondern der Bremsung des Ausbaus des Ökostroms. Die Belastung des solaren Eigenverbrauchs ist für Unternehmen ein Albtraum. Dass alle Photovolatik-Dachanlagen ab 500 Kilowatt Leistung bei Verbot des Eigenverbrauchs in die Ausschreibung gehen müssen, führt zum Rückgang des Ausbaus der PV-Dachanlagen. Die Bürgerenergie und dadurch die dezentrale erneuerbare Energieversorgung wird weiter zurückgedrängt. Doch genau daran haben die Energiekonzerne kein Interesse, weil es ihre Pfründe schmälern würde.

Die Politik folgt einmal mehr der Lobby der Energiekonzerne. Die Agro-Photovoltaik wird nicht einmal erwähnt. Mit ihr könnten Strom und landwirtschaftliche Erzeugnisse geerntet werden. Versuche der Universität Hohenheim haben dies längst belegt.

Artur Borst, Tübingen

Verbrechen an der Bevölkerung

Zu "Feuchtgebiet in Flammen" vom 16. September: Das ungeheure Ausmaß der raubtierhaft-tollwütigen Zerstörung der Amazonas-Regenwälder ist ohne Beispiel in der Menschheitsgeschichte. Brasiliens Agrar- und Rohstoff-Industrie begeht ein schweres Verbrechen an der eigenen Bevölkerung und mittelfristig auch an der gesamten Menschheit. Und für was? Für noch mehr billiges Rindfleisch, Soja, Palmöl und andere Agrarprodukte für Europa. Aber Europa braucht ob der eigenen Überproduktion gar kein noch billigeres Rindfleisch oder anderes aus Brasilien und Argentinien.

Zudem ist bei der derzeitigen Wirtschaftskrise auch mittelfristig nicht damit zu rechnen, dass Südamerika mit dem Mercosur-Abkommen mehr Industriegüter aus Europa importieren wird. Es wäre absurd, sich über billiges Rindfleisch zu freuen, wenn dafür die grünen Lungen der Erde vernichtet werden. Hier helfen weder gutes Zureden noch zahnlose Handelsverträge, sondern harte wirtschaftliche Sanktionen und das Aussetzen des Mercosur-Abkommens - auch wenn Interessengruppen Letzteres unermüdlich schön reden, und sie für den Fall einer Nicht-Ratifizierung einen drohenden Machtverlust der EU prophezeien.

Dr. Dipl.chem. Alexander Konstantinow, München

© SZ vom 29.09.2020
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