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Weitere Briefe:Lernen von Asterix

Wie wird man mit einer Alkoholvergiftung, vulgo Kater, nach ausgiebigem Feiern fertig? Was auf einer Seite Drei ausführlich beschrieben wird, kürzt ein Leser mit einem Rezept der unbeugsamen Gallier ab: Marmelade, Pfeffer, Salz ...

Lernen von Asterix

Zu "Suff und Sühne", Seite Drei vom 24. Februar: Die Reportage ist durch die Geschichte schon lange überholt. Denn schon seit mehr als 2000 Jahren, genauer gesagt, seit dem Jahre 50 vor Christus ist ein probates Mittel gegen den Alkoholkater bekannt, wie uns Goscinny und Uderzo durch ihre historischen Protagonisten Asterix und Obelix in den "Lorbeeren des Cäsar" mitteilen lassen: "Da! Marmelade, Pfeffer, Salz, Nieren, Feigen, Kernseife, ein Huhn, Honig, Pfefferschoten, Blutwurst, Eier und Granatapfelkerne!" Nach meinen vorliegenden historischen Quellen wurde dies alles zusammen gekocht und zeitweise umgerührt, wobei folgender Dialog sicherlich von größter Wichtigkeit ist: "Wird das Huhn gerupft?" (Obelix) - "Wozu denn das?" (Asterix). Der Erfolg war verblüffend, wie uns der leider missratene Sohn des Haushofmeisters Julius Cäsars, "Blödel" Gracchus, überliefert hat: "Dank euch beiden kann ich jetzt unbeschwert die ganze Nacht mit meinen Kumpels saufen ..." und "Dieses sagenhafte Gericht hat mich mit einem Schlag kuriert".

Also, es gibt ein Mittel - die rosenmontägliche Seite Drei der Süddeutschen kann von daher nur als Ergänzung der Zeitläufte dienen, und die dort angepriesenen Mittel fallen allenfalls unter "gut gemeint". Nicht verschwiegen werden darf allerdings, dass auch jenes oben geschilderte Gericht gegen den Alkoholkater einige nicht ganz unerhebliche Nebenwirkungen erzeugt hatte. Dazu die fabelhaften Uderzo und Goscinny: "Die Römer, die jetzt ein Mittel gegen die üblen Nachwirkungen übermäßigen Alkoholgenusses haben, ergeben sich nun erst recht dem Trunk, Ursache ihrer Dekadenz und des Zusammenbruchs ihres Reiches ..." Dennoch hat das Mittel immerhin Cäsars Triumphzug nach dem Feldzug gegen die Piraten gerettet.

Volker Mistereck, Göttingen

© SZ vom 26.02.2020
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