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Vermögensteuer:Auch die Reichen fair behandeln

Im Grundgesetz steht: ,,Eigentum verpflichtet". Ob man deshalb die Steuer auf Vermögen wieder einführen soll, ist bei SZ-Lesern umstritten. Einige fordern einen differenzierteren Ansatz.

SZ-Zeichnung: Karin Mihm

Zu "Reichenpflicht", 31. August/1. September und "Land in Schieflage", 26. August:

Für ein ehrliches System

Ich bin auch der Meinung, dass ein Gesellschaftssystem wie unseres die Lasten harmonischer und gleichwertiger verteilen muss. Passives Vermögen und Eigentum, das sich durch Wertzuwächse aus sich heraus so stark vermehrt, ohne großes Zutun, muss durch eine angemessene Steuer ebenfalls zur Finanzierung unseres Systems herangezogen werden. Und es kann nicht sein, dass Einkommen aus Arbeit höher besteuert wird als Einkommen aus Vermögen. Das sollte sich ändern. Gleichzeitig sollte man Reiche schützen, die sich im sozialen und kulturellen Bereich bereits stark engagieren, und deren Engagements bei der Steuer berücksichtigen sowie die anderen angemessen zur Kasse bitten, die auf freiwilliger Basis nichts für das Gemeinwohl tun.

Warum kann man kein als fair empfundenes Steuersystem entwickeln, bei dem auch Wohlhabende wissen, was konkret mit ihren Steuern passiert? Der Staat verhält sich bei der Steuerverwendung falsch und teils schäbig, wenn Mittel zweckentstellt verwendet werden. Würde dies ehrlicher passieren, wäre der Widerstand geringer.

Hans Jürgen Kagerer, Dresden

Komplett reformieren

Die gesamte Besteuerung ist reformbedürftig. Wenn es trotz des tatsächlichen oder vermeintlichen Wohlstandes in unserem Land einem Großteil der Bevölkerung nicht mehr möglich ist, eine angemessene Altersvorsorge zu treffen oder Eigentum zu bilden, um im Alter frei von einer immer rascher steigenden Mietbelastungen zu sein, dann müssen wir an den Stellschrauben unseres Sozialwesens drehen. Zurzeit nähern wir uns mehr einem nahezu unsozialen System, in dem immer mehr Menschen auf der Strecke bleiben.

Der Mittelstand in seiner staatsfestigenden Funktion ist schon längst einer Mischform sozialer Schichten gewichen, deren Konglomerat finanziell immer schwächer wird. Gleichzeitig häuft sich das Vermögen auf Seiten eines geringen Bevölkerungsanteils in utopische Höhen. Eine Tendenz, die Politiker schon längst erkannt haben sollten, aber von Industrie, Wirtschaft und Lobbyismus geleitet, vernachlässigen sie ihre Fürsorgepflichten grob, auch und gerade im Umweltbereich und bei der sozialen Absicherung.

Mit der Neueinführung der "Reichensteuer" hat man nun das angestaubte Feigenblatt steuerlicher Gerechtigkeit aufgebügelt. Damit allein ist unser Sozialstaat aber nicht mehr zu sanieren. Die jahrzehntelangen Versäumnisse auf vielen Feldern hat bei Bürgern zu Politverdrossenheit und Vertrauensverlust geführt. Hoffentlich findet man seitens der "etablierten" Parteien noch rechtzeitig ein Mittel, das unseren Sozial-und Rechtsstaat wiederbelebt.

Klaus Lückerath, Meerbusch

Rhetorik ändern

Ich schätze Herrn Prantl ob seiner journalistischen Meriten sehr, doch die rhetorische Figur "die Reichen" würden "öffentliche Armut" schaffen, ist nicht nur unsinnig, sondern demagogisch. Ich erspare Ihnen nicht den Vorwurf, sich mit dieser Aussage mit extrem Links bis extrem Rechts gemein zu machen, die uns einreden wollen: "Deutschland steht am Abgrund" und "Die Reichen sollen zahlen", etc. Parolen dieser "Güte" vergiften das politische Klima und die Diskussions- und Debattenkultur.

Dr. Thomas Lukowski, München

Mittelstand einseitig bewertet

Viele mittelständische Unternehmen leisten einen überproportionalen Anteil an den Investitionen, sichern Arbeitsplätze und tragen zum Wohlstand im Land bei. Sie bilden damit eine Grundlage zur Finanzierung und Sicherung des Sozialstaates. Dass die Eigentümer der Firmen zu den reichsten Deutschen gehören, ist logische Konsequenz, ihr Reichtum besteht überwiegend aus dem Unternehmenswert.

Mit einer Vermögensteuer meint Herr Prantl diesen Reichtum sozialpflichtig zu machen, indem passive Werte belastet werden. Prosperierende Unternehmen sind aber keine passiven Werte. Welchen Reichtum meint also Herr Prantl, wenn er parasitären Reichtum als verwerflich bezeichnet? Leben erfolgreiche Unternehmer wirklich in erster Linie auf Kosten anderer - was "parasitär" bedeutet? Wenn 10 Prozent der Steuerpflichtigen 60 Prozent des Lohn- und Einkommensteueraufkommens aufbringen, ist das auch die Aussage, dass vornehmlich Arbeiter und Angestellte den Staat finanzieren, erstaunlich.

Die Diffamierung unternehmerischen Reichtums ist ungerecht und schadet auch der mittelständisch geprägten deutschen Wirtschaft und damit indirekt unserem Sozialstaat.

Manfred Peter, Hannover

Börsensteuer nicht vergessen

Alexander Hagelüken zählt in "Land in Schieflage" nahezu erschöpfend und kompetent die Erzübel kapitalistischer Fehlentwicklungen auf: keine - freilich modifizierte - Vermögensteuer, zu niedriger Spitzensteuersatz, zu niedrige Besteuerung der Kapitalerträge. Man sollte hinzufügen: eine Transaktionssteuer für Börsenspekulation fehlt. Alles Umstände, von denen nur Reiche profitieren. Auch darauf weist der Kommentar zutreffend hin: Rechtsextreme beuten, wie immer in der Geschichte, systemimmanente soziale Ungleichheit aus. Höchste Zeit für Veränderung.

Dr. Hans-Günter Melchior, Neuried