bedeckt München 25°

Urlaubsreisen:Gefährliche Freiheit

Erst Kontaktverbote und schulfrei - aber jetzt bald schon wieder herumreisen, weil Ferien sind? Einige Leser haben Sorge, dass die Lockerungen zu früh kommen. Manche halten das Thema zurzeit ohnehin für ein Luxusproblem.

SZ-Zeichnung: Karin Mihm

Zu "Urlaubsreisen in Europa sollen wieder möglich sein" und "Ein Recht, kein Luxus", 19. Mai, "Deutschland will Grenzen öffnen", 14. Mai sowie "Wer jetzt kein Ferienhaus hat, findet keines mehr", 7. Mai:

Ärgerliche Profilierungssucht

Die einheitlichen Vorgaben und Regelungen in der Vorgehensweise zwischen Bund und Ländern waren von Anfang an der richtige Weg in dieser Pandemie - ein Weg, der sich aber jetzt leider mit großer Unsicherheit spaltet. Was sind da teilweise für Ideologen unterwegs, oder herrscht da jetzt eine große Profilierungssucht der Verantwortlichen in den Ländern, Städten und Kommunen sowie einiger Politiker, die jetzt meinen, ihre eigenen Wege gehen zu müssen? Darüber schüttelt doch die allgemeine Bevölkerung nur den Kopf.

Es zeigt sich doch in vielen Fällen, wie dieses Coronavirus - zwar mehr oder weniger, aber doch noch überall - teils noch sehr gefährlich kursiert, und wie schnell sich trotz aller Schutzmaßnahmen immer wieder eine Infektionswelle bilden kann. Wir haben deshalb zum jetzigen Zeitpunkt kein Verständnis dafür, dass neben vielen anderen Lockerungen auch wieder Urlaubsreisen in andere EU-Staaten und womöglich auch ins weitere Ausland zugelassen werden sollen. Dass jetzt sogar Reisewarnungen ins Ausland aufgehoben werden sollen, halten wir für gefährlich.

Mit diesen uneinheitlichen Meinungen und dem entsprechenden Vorgehen in Bund, Ländern und Kommunen wird die Bevölkerung total verunsichert. Viele ohnehin schon leichtfertige Mitbürger glauben fälschlicherweise, dass dann ja alles nicht mehr so schlimm sein kann mit dem Virus.

Rudolf und Irene Knapp, Nideggen

Urlaub als Luxusproblem

Urlaubsreisen in Europa sind anscheinend das Salz in der Suppe, und Mensch kann darauf nicht verzichten. Als wenn Fernreisen das Lebenselixier jedes Einzelnen wären! Auch wenn eventuell der Urlaub möglicherweise wieder in Europa erlaubt ist, darf man nicht vergessen, dass kein Mensch weiß, ob es eine erneute Covid-19-Welle gibt!

Und bei all dem Jubel über die Reisefreiheit, die es wieder Stück für Stück geben soll, ist auch wichtig zu sagen, dass es nicht wenige Menschen gibt, die sich einen Urlaub außerhalb Deutschlands gar nicht leisten können, und für die es selbst für den Urlaub hierzulande nicht besser aussieht! Aber wen interessiert schon die Lage vieler Bürger, wenn es darum geht, den Durst der Reisefreiheit für die willigen Urlauber zu stillen, die es sich leisten können!

René Osselmann, Magdeburg

Kein Menschenrecht auf Reisen

Autor Brössler hat die allgemeinen Menschenrechte erweitert, indem er das "Recht auf Auslandsreisen" erfand. Auslandsreisen sind demnach, auch zum Zwecke des Urlaubs, ein Recht, das "nur in absoluten Ausnahmesituationen eingeschränkt werden darf". Wenn dem so ist, empfehle ich allen Staatsbürgern, die sich keine Auslandsreisen leisten können, sich die Nutzung dieses Rechts vor den zuständigen Gerichten zu erstreiten. Ich habe mich über den Kommentar sehr geärgert.

Hans van Treeck, Hamburg

Realitätsferne Austausch-Ideen

In dem Artikel "Deutschland will Grenzen öffnen" wird von Überlegungen aus dem Bundesinnenministerium berichtet, welche Ausnahmen für Grenzgänger in den nächsten Wochen denkbar sind. Einer der Vorschläge lautet, "Schülergruppen Tagesausflüge ins Nachbarland zu genehmigen". Dieser Vorschlag zeigt in der aktuellen Krisensituation wieder einmal deutlich, wie weit entfernt von der Realität der vom Lockdown besonders betroffenen Familien, Kinder und auch Schulen manche ministeriellen Entscheidungsträger sein müssen.

In Deutschlands Schulen beginnt seit Kurzem in homöopathischen Dosen der sonst für so unverzichtbar gehaltene Präsenzunterricht mit einem riesigen organisatorischen Aufwand in Kleingruppen unter peniblen Hygienestandards, beschränkt auf Kern- und Prüfungsfächer. Schon längst haben die Schulen sämtliche Klassenfahrten, Ausflüge, AGs und Zusatzveranstaltungen bis weit ins kommende Schuljahr hinein gestrichen.

Bolzplätze und Sportanlagen waren lange gesperrt und sind nun auch nur unter Auflagen und für Kleingruppen-Trainings zu besuchen. Viele Eltern, die neben dem Home-Schooling auch noch eine halbwegs sinnvolle Freizeitgestaltung ihrer Kinder abseits des Bildschirms stemmen müssen, werden sich daher augenreibend fragen, welche Schülergruppen wohl schon in den nächsten Wochen Tagesausflüge ins grenznahe Ausland unternehmen werden - die eigenen Kinder werden es kaum sein.

Franziska Scheuble, Freiburg

Früher ging es auch ohne

Wie es auch immer in der Welt zugehen mag, die Hauptsorge der Deutschen 2020 gilt ihrem Sommerurlaub. Urlaubsreisen ins Ausland sind ja schließlich, wie der SZ-Kommentator in wohl zu kurz gedachter Formulierung suggeriert, ihr gutes Recht, kein Luxus. Doch bitte wie oft - dreimal oder nur zweimal im Jahr? Und warum waren die älteren Jahrgänge in früheren Jahrzehnten urlaubsmäßig irgendwie rechtlos? Und was sagen Empfänger von Sozialhilfe oder Hartz IV zu diesem Rechtstitel?

Peter Maicher, Zorneding

Sicherheit vor offenen Grenzen

Ich kenne die Statistiken diesbezüglich nicht, aber da es aufgrund der Corona-Pandemie bei uns auch weniger Straftaten (Wohnungseinbrüche, Autodiebstähle usw.) gibt, ist es sehr wahrscheinlich, dass dies auch mit den Grenzschließungen zusammenhängt, da hierdurch auch kriminelle Banden aus dem Ausland nicht einreisen können.

Wenn dem so ist, wäre es meine Erachtens nicht verkehrt, über verschärfte Grenzkontrollen auf Dauer nachzudenken. Für grenznahe Pendler müsste man sich eben etwas einfallen lassen, zum Beispiel eine eigene Fahrspur und eine Plakette an der Windschutzscheibe. Sicherheit ist wichtiger als offene Grenzen.

Hermann Fuchs, München

Oberpfalz und die Malediven

Wir befinden uns im Jahr der Pandemie. Es ist Urlaubszeit, und ganz Deutschland ist ausgebucht. Ganz Deutschland? Nein! Da gibt's doch noch die Oberpfalz, aus Sicht des Autors in dem Artikel "Wer jetzt kein Ferienhaus hat..." die allerletzte Möglichkeit, wenn sonst gar nichts mehr geht.

Hoffentlich denken viele Leser so wie er, dann können wir davon ausgehen, dass wir Oberpfälzer in diesem Sommer weitgehend unter uns sein werden. Wir haben unsere Ruhe, erholen uns bei entspannten Wander- und Radtouren vor der Haustür, genießen unsere traditionellen Spezialitäten in Biergärten und Gasthäusern und holen uns Inspiration in unseren reichlich vorhandenen Kulturdenkmälern.

Und wenn uns doch mal der Hafer sticht, dann fahren wir für einen Tag nach München, um geläutert und gerne abends wieder heimzukehren. Natürlich haben die Urlauber, die unsere Region schon jahrelang als Geheimtipp schätzen, längst eine Bleibe gebucht und sind uns auch herzlich willkommen. Dem Autor Fischer und allen anderen wünschen wir einen schönen Urlaub auf den Malediven.

Willi und Gunda Prechtl, Waldsassen

© SZ vom 30.05.2020
Zur SZ-Startseite