bedeckt München
vgwortpixel

Tierversuche:Transparenz gegen das Leiden

Je mehr über das Thema berichtet wird, desto höher die Sensibilität der Menschen. Tausende haben jüngst in Hamburg gegen Tierversuche protestiert, Leser fordern mehr Recherchen.

In Bayern wird fast jeder Tierversuch genehmigt
(Foto: Marijan Murat/dpa)

Zu "Ein bisschen Schwein" vom 17. Oktober und "Hinter Gittern" vom 10. Oktober:

Es ist höchst begrüßenswert, dass dem Thema Tierversuche und ganz allgemein dem Tiermissbrauch, sei es in der Forschung, der Landwirtschaft oder im Entertainment, angemessener Platz eingeräumt wird. Was aus der Veröffentlichung des Artikels sowie der TV-Ausstrahlung der Rechercheergebnisse folgen kann, zeigte sich eine Woche nach dem Erscheinen des Artikels, als in Hamburg an die 7000 Menschen für die Schließung des LPT und die Abschaffung jeglicher Tierversuche demonstrierten, nachdem den Veranstaltern bei früheren Demos gegen Tierversuchslabore bisher schon 700 Teilnehmer als Erfolg gegolten hatten.

Mit umso größerer Erschütterung las ich nur wenige Tage später den Artikel von Hanno Charisius über die in der Ludwig-Maximilians-Universität stattfindende Tagung der Internationalen Gesellschaft für Xenotransplantation, der sich wie ein Tableau aus dem Horrorgenre liest und all das widerspiegelt, was Speziesismus nach der Definition Peter Singers darstellt: die diskriminierende Haltung gegenüber einer anderen Art, deren Interessen geringer zu schätzen als die der eigenen Spezies, im konkreten Fall die Bedürfnisse der körperlichen Unversehrtheit der beschriebenen Versuchstiere (Mäusen, Ratten, Schafe, Schweine, Paviane).

Interessanterweise wird nur das Ergebnis, tierischer Organersatz beziehungsweise chimäre Embryonen, kurz aus einem medizinethischen Blickwinkel gestreift, nicht aber das Szenario an sich, die Ausplünderung (und die Inkaufnahme des Todes) einer anderen, demnach weniger lebenswürdigeren Spezies zum Wohle der eigenen.

Nüchtern und wie selbstverständlich werden die schwerwiegenden Eingriffe an Tieren aneinandergereiht, ohne dies ansatzweise moralisch infrage zu stellen. Was ist von Wissenschaftlern und ihrer Forschung zu halten, die auf Qual und Ermordung beruht - und dem Unvermögen, Alternativen zu entwickeln, die ihnen Erkenntnisse gewähren, ohne Lebewesen dafür zu missbrauchen?

Tanja Lüder, Hamburg

Vielen Dank für den Bericht über die grauenvollen Zustände bei der Firma LPT in Hamburg. Vor allem aber möchte ich dem Mann, der in Ihrem Artikel Lucas Kante heißt, für seinen Mut und das Durchhaltevermögen danken. Tiere zu quälen, ihnen Leid anzutun, ist aus ethisch-moralischen Gründen abzulehnen. Tierversuche gehen in der Regel mit großem Tierleid einher.

Vor dem Hintergrund, dass Ergebnisse bei Tierversuchen nicht auf Menschen übertragbar sind ("Neun von zehn Stoffen, die bei Tieren wirken, fallen beim Versuch am Menschen durch") machen diese Versuche zudem gar keinen Sinn. Dass Tierversuche darüber hinaus nicht mehr zeitgemäß sind, zeigen Wissenschaftler, die seit Jahren Alternativen entwickeln; aber dennoch scheint sich das Geschäft mit den Tierversuchen ja zu lohnen.

Offensichtlich hat es wenig Sinn, an die Empathie und Mitleidsfähigkeit der beteiligten Akteure zu appellieren, solange mit solchen Versuchen derart viele Millionen Euro zu machen sind. Trotzdem frage ich mich, was in Menschen vorgeht, die Tieren solches Leid antun. Wie können sie das emotional aushalten, wenn, wie beschrieben, Makaken in engen Käfigen leben, tagein, tagaus, ohne Tageslicht, ohne Bewegung, ohne Abwechslung und wahrscheinlich permanent mit Angst und Schmerzen? Auch wenn, wie im Artikel steht, dies manchen Tierpflegern sehr nahegegangen ist, so scheint es andere Beteiligte, seien es Ärzte, Unternehmensleitung, Mitarbeiter oder die Hersteller solcher Käfige, ja offenbar nicht zu berühren.

Es darf nicht sein, dass Versuche an Lebewesen abgeriegelt passieren. Alles muss transparent sein und, wenn Lebewesen involviert sind, öffentlich zugänglich, damit sich die Menschen so lange empören, bis das aufhört.

Anke Görres, Oldenburg