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SZ Werkstatt:Wie läuft die Auswahl von Karikaturen?

Josef Kelnberger, Redakteur im Meinungsressort, über die Zusammenarbeit mit den verschiedenen Zeichnern der SZ.

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Josef Kelnberger ist Redakteur im Meinungsressort der SZ. Als Schüler hat er einen erheblichenTeil seines Taschengelds für die Karikaturen von Luis Murschetz ausgegeben.

(Foto: Buschmann )

Die SZ-Zeichnungen auf Seite 4 sind oft großartig und sehr aussagekräftig. Wer sucht sie aus? Wird darüber abgestimmt? Gibt es aus der Leserschaft manchmal Proteste?

Josef Hanauer, Karlsruhe

Die Zuständigkeit für die Karikaturen und Zeichnungen im Meinungsteil der SZ liegt bei der Redaktion, die auch die dortigen Texte verantwortet, beim Meinungsressort. Der morgendliche Austausch mit dem Zeichner über das Thema der Karikatur - gedruckte Zeitung: auf Seite 4 - ist für die Redaktion ein Element schöner Regelmäßigkeit. Es zeichnen, von Sonntag bis Freitag, in dieser Reihenfolge: Oliver Schopf, Sinisa Pismestrovic, Pepsch Gottscheber, Wolfgang Horsch, Burkhard Mohr und Luis Murschetz. Hinzu kommt, in unregelmäßigen Abständen, Kittyhawk. Sie ist die bislang einzige Frau im Team, neben Ulrike Steinke, deren Bilder freitags das Umfeld der Kolumnen und Gastkommentare - gedruckte Zeitung: Seite 5 - schmücken.

Selbstverständlich ist das Verhältnis zwischen Karikaturist und Redaktion nicht ganz frei von Reibungen. Die Oberhoheit über das Werk liegt beim Zeichner. Er lässt sich, aus seiner Sicht nachvollziehbar, ungern ein Thema, ein Motiv oder gar eine Haltung einreden. Er reagiert, verständlicherweise, allergisch, wenn man an Details seiner Zeichnung herummäkelt. Und noch weniger mag er, natürlich, die Bemerkung: Man verstehe die Botschaft seines Werks leider Gottes diesmal nicht. Das kommt zum Glück sehr selten vor.

Mit höchstem Respekt vor den Zeichnern trägt die Redaktion die Verantwortung für das Ergebnis. In der Regel wird man sich schnell einig, manchmal schickt der Zeichner mehrere Entwürfe, unter denen die Redaktion auswählt. Und, ja: Die Auswahl kann auch schiefgehen, wie im Jahr 2018 der Streit um eine von der Redaktion abgenommene, aber von vielen Leserinnen und Lesern als antisemitisch empfundene Karikatur von Dieter Hanitzsch zeigte.

Versteht man die Karikatur als bildliche Form der Satire, so liegt es in ihrem Wesen, manchmal heftige Reaktionen hervorzurufen und auch mal missverstanden zu werden. Immer wieder melden sich Leserinnen und Leser, die Karikaturen für geschmacklos halten, und andere, denen sie zu erwartbar sind. Manche halten das Genre der politischen Karikatur generell für aus der Zeit gefallen - wieder andere für absolut zeitlos.

"Großartig und sehr aussagekräftig": Das Urteil unseres Lesers Josef Hanauer nehmen wir, auch im Namen unserer Zeichnerinnen und Zeichner, sehr gern entgegen. jok

© SZ vom 10.12.2020
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