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SZ Werkstatt:Viel Text, weniger Fotos?

Stefan Dimitrov, Artdirector bei der SZ, über die Bedeutung des ersten Eindrucks und die Prinzipien der Gestaltung bei Zeitung und Digitalausgabe.

Stefan Dimitrov, stlv. Art Director SZ

Stefan Dimitrov ist stellvertretender Art Director bei der SZ. Er gestaltet und illustriert leidenschaftlich für die Print- und Digitalausgabe.

(Foto: privat)

Können die Fotos nicht etwas kleiner werden und dafür mehr Text?

Peter Harms, München

Wenn man ein Restaurant betritt, wird man vom Ambiente dort eingestimmt. Es gibt einen ersten Eindruck, was einen erwartet, bevor man was gegessen hat. So ähnlich funktioniert die Lektüre einer Zeitung. Bilder schaffen Atmosphäre. Sie wirken schnell, liefern einen ersten Eindruck und bereiten den Leser auf den Text vor. Sie vermitteln Einblicke und Stimmung. Ein Text hingegen muss erst gelesen werden. Wenn man die SZ durchblättert, fällt auf, dass auf nahezu jeder Seite ein längerer Text mit größerem optischen Element steht. Dieser Komplex behandelt meist das wichtigste Thema auf einer Seite und bekommt auch das größte Bild, eine Illustration oder Grafik. Was auf einer Seite wie groß wird, entscheiden eine Menge Leute gemeinschaftlich. In der redaktionellen Konferenz werden die Themen besprochen und zugleich deren Wichtigkeit festgelegt.

Dabei kann es vorkommen, dass wichtige Geschichten nicht bebilderbar sind, weil es keine Fotos dazu gibt oder sie äußerst sensibel oder abstrakt sind. In diesen Fällen werden die Texte mit eigens dafür erstellten Illustrationen geschmückt. Es gibt aber auch diese Texte, die eine faktische Unterlegung brauchen und dazu Daten in Zahlen anbieten, da kommt die Infografik ins Spiel. Inhaltliche Relevanz und gestalterisches Gespür ergeben am Ende, wie groß Bilder, Illustrationen oder Info-Grafiken in der SZ gezeigt werden.

Ganz anders ist die optische Umsetzung in der digitalen Ausgabe der SZ. Hier sind es keine große Seiten, die man sofort in Gänze wahrnimmt. Es wird eher päckchenweise Inhalt angeboten, begrenzt auf die Bildschirmgröße. So kann man beispielsweise in einem Smartphone kein Foto in 30 Zentimeter zeigen, dafür aber zoomen, wischen und verlinken. Man kann Video, Audio und weiteres Material dazustellen, und damit einen Mehrwert bieten. Denn im digitalen Raum, sind Platz und Möglichkeiten dafür schier unerschöpflich. Was nicht bedeutet, dass man nicht immer noch genau gewichten muss, was wo wie groß stehen sollte. sted

© SZ vom 24.10.2020

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