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SZ Werkstatt:So viele Männerköpfe!

Bastian Brinkmann erklärt, warum in vielen Berichten im Wirtschaftsressort nur wenige Frauen vorkommen.

Bastian Brinkmann

Bastian Brinkmann hat schon Chefinnen gehabt und jetzt auch zwei Kolleginnen in der Ressortleitung der Wirtschaftsredaktion. Gemeinsam versuchen sie, immer wieder auch den weiblichen Blick in Debatten einzubringen.

(Foto: Sonja Marzoner)

Warum gibt es in den Beiträgen und Fotos auf SZ.de einen so hohen Männerüberschuss? Sind es wirklich nur die Männer, die ständig was zu sagen haben?

Andrea Bscheid, Regensburg

Manchmal zählen wir im Wirtschaftsressort. Wie viele Frauen kommen eigentlich in unseren Artikeln zu Wort? Wie viele sind zu sehen, wenn man die Seite durchscrollt oder die Zeitung aufschlägt? Das Ergebnis gefällt uns nicht immer.

Journalismus spiegelt die Gesellschaft. In den Vorständen großer deutscher Aktiengesellschaften beispielsweise sitzen fast 90 Prozent Männer und nur rund zehn Prozent Frauen, hat der Verein "Frauen in die Aufsichtsräte" letztens vorgerechnet. Aus dieser Zahl heraus ergibt sich zwangsläufig ein Männerüberhang in diesen Artikeln, wenn wir darüber berichten, welche (männlichen) Chefs den neuen Dax-Konzern lenken, welche (männlichen) Chefs gegeneinander intrigieren, welche (männlichen) Chefs in Wirtschaftskriminalität verwickelt sein könnten. Aber unser Berichterstattungsinteresse richtet sich natürlich nicht nur auf Vorstände, sondern auf die gesamte Gesellschaft. Und die ist zur Hälfte weiblich. Daher sind wir nicht zufrieden, wenn in einer Stichprobe unserer Texte nur ein kleiner Teil Akteurinnen und Expertinnen enthält.

Wir müssen uns in der Redaktion bemühen, mehr weibliche Stimmen in den Diskurs zu bringen, und das machen wir auch. Die gesellschaftliche und wirtschaftspolitische Debatte darf nicht ausschließlich Männern überlassen werden. Eine weibliche Expertin zu einem Thema zu finden, kann aufwendiger sein. Wenn eine mögliche Interviewpartnerin in Teilzeit arbeitet, was statistisch gesehen häufiger als bei Männern passiert, hat sie mitunter schlicht keine Zeit, sich auch noch eine Stunde interviewen zu lassen. Manche Männer dagegen drängen sich als Gesprächspartner auf, obwohl sie vielleicht gar nichts Schlaues zum Thema zu sagen haben - die klugen Männer, die jetzt mitlesen, sind natürlich ausgenommen. Am Ende muss die Mischung stimmen, müssen Frauen und Männer in den Artikeln zu Wort kommen. Wir sollten mal wieder zählen. BBR

© SZ vom 05.08.2020

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