bedeckt München 30°

SZ-Werkstatt:Rechercheglück

Bastian Obermayer und Frederik Obermaier

Sehen die Recherche an den Panama Papers als Langzeitprojekt: Bastian Obermayer (links), 38, und Frederik Obermaier, 32.

(Foto: Stephanie Füssenich/dpa)

Bastian Obermayer und Frederik Obermaier über ihr weiteres Vorgehen bei den Panama Papers.

Von Frederik Obermaier

Das Projekt Panama Papers begann mit einem Frühstart: Am 3. April, um 19.48 Uhr - zwölf Minuten vor dem eigentlich geplanten Startschuss - twitterte der in Russland festsitzende NSA-Whistleblower Edward Snowden: "Das größte Leak in der Geschichte des Datenjournalismus ging gerade live, und es geht um Korruption." Dazu verlinkte Snowden auf die Homepage der Süddeutschen Zeitung.

Der Whistleblower hat das Leak geleakt. Wie er davon erfahren hatte und vor allem, wie er auf die Seite gestoßen ist, auf der wir kurz vor der Veröffentlichung den Multimedia-Auftritt testeten, ist uns bis heute schleierhaft, irgendwie ist es auch nebensächlich. In jedem Fall war sein Tweet beste Werbung. Mehr als ein Jahr recherchierten 400 Journalisten weltweit unter höchster Geheimhaltung an den Panama Papers. Seit Beginn der Veröffentlichungen sind etliche Politiker - darunter Islands Regierungschef Sigmundur Gunnlaugsson - zurückgetreten, in Dutzenden Ländern gab es Razzien, die OECD hat sich geäußert und die EU will einen Untersuchungsausschuss einsetzen. Vor allem aber hat sich die Steueroase Panama nach jahrelanger Blockade zu Zugeständnissen bereit erklärt. In Panama nämlich hat die Kanzlei Mossack Fonseca ihren Hauptsitz: jener Offshore-Dienstleister, von dem die mehr als elf Millionen Dateien stammen, welche die Panama Papers ausmachen.

Für die Süddeutsche Zeitung ist das Projekt Panama Papers damit aber nicht abgeschlossen. Noch immer verfolgen wir Dutzende Spuren, die in die ganze Welt führen, zu Kriminellen, Prominenten und Politikern. Wir beziehen gerade einige neue Recherchepartner weltweit ein, auch große Namen. Außerdem widmen wir uns Spuren und Hinweisen aus Ländern, die wir bislang vernachlässigt haben - weil uns schlichtweg die Zeit fehlte. Kurzum: Die Arbeit geht weiter.

© SZ vom 23.04.2016
Zur SZ-Startseite