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SZ-Werkstatt:Das Fotoalbum

Harald Hordych erzählt, wie man sich prominenten Menschen über ihre persönlichen Familienfotos nähern kann.

Das Fotoalbum ist eine relativ junge Erfindung des Gesellschaftsressorts. Viele Bilder und kleine Texte: Das Fotoalbum wirkt verglichen mit den traditionellen Interviewformen ein wenig wie das Blumenkind unter strebsamen Geschwistern.

Gerade das Verspielte hat sich als nicht zu unterschätzender Vorteil für die Gesprächssituation herausgestellt. Die prominenten Gesprächspartner, die wir für diese Interviewform gewinnen können - egal ob sie nun aus Film, Kunst, Literatur Politik oder Sport kommen - haben gemeinsam, dass sie schon sehr viele Interviews gegeben haben. Ermüdung bleibt da bisweilen nicht aus, auch wenn sich der Interviewer im Vorfeld noch so gute Fragen ausgedacht haben mag.

Die Idee, aus dem Leben eines bekannten Menschen über persönliche Bilder zu erzählen, ist also nicht nur für den Leser eine Abwechslung. Auch für den berühmten Menschen entwickelt sich das Gespräch auf eine lässige Weise, der Rheinländer nennt das "vom Hölzschen aufs Stöckschen kommen". Die meisten Bilder wählen wir gemeinsam mit der Fotoredaktion aus. Im Idealfall bringen die Befragten noch ein paar bis dahin unveröffentlichte Fotos aus ihrer Privatschatulle mit. All diese Bilder nehmen dem Frage- und Antwort-Ritual seine Strenge. Ein Foto erzählt mehr als tausend Worte? Kann sein, aber manchmal kann ein Foto auch 1000 Worte auslösen. Dass das bisweilen so ist, heißt aber nicht, dass man in diese Art Interview unvorbereitet gehen darf. Oft genug muss man mit gezielten Fragen nachhelfen. Das haben auch schon Angela Merkel, Andie MacDowell, Umberto Eco, Ben Stiller und Sahra Wagenknecht erlebt, mitunter mit großer Emotionalität. Richard Ford war über ein ihm unbekanntes Foto so beglückt, dass ihm Tränen in die Augen schossen. Es zeigte ihn in einer wunderbaren Lebensphase.

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