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Stadtmuseum München:Sanierung verträgt keinen Aufschub

Eine Vertagung bis 2026, wie erwogen, wäre ein Fiasko für das Kommunalmuseum.

Stadtmuseum jetzt sanieren

Wir sind über die Entscheidung, die Weiterführung der Sanierung des Münchner Stadtmuseums auf 2026 zu verschieben, sehr enttäuscht ("Katastrophe und öffentliche Degradierung", 22. Juli). Das Münchner Stadtmuseum ist nicht nur das größte kommunale Museum Deutschlands, sondern seine Sammlungen sind zweifellos auch international bekannt und wertvoll. Als Kunsthändler in München und in London konnten wir seit 55 Jahren eine stets enge, freundschaftliche und erfolgreiche Zusammenarbeit mit dem Stadtmuseum genießen, was uns bewog, im vergangenen Jahr unsere umfangreiche Jugendstil-Sammlung der Stadt München, sprich dem Münchner Stadtmuseum zu schenken. Die Entscheidung lag nicht allein an der jahrzehntelangen guten Beziehung zum Stadtmuseum, sondern zielte auch auf die Aussicht, dass der für München so bedeutenden Zeit um 1900 in einem umgebauten und unserer Zeit angemessen sanierten Haus ein neuer Schwerpunkt gewidmet werden kann. Als kunst- und kulturhistorisches Museum von hervorragender Bedeutung erschien uns das Haus als der geeignete Ort für unsere oft unter Schwierigkeiten zusammengetragene Sammlung. Hier können unsere geschenkten Objekte und Bilder nicht nur aus rein kunsthistorischer Perspektive betrachtet werden, sondern auch wichtige, bis heute relevante gesellschaftliche Fragestellungen können hier beleuchtet werden. Ein Ort, an dem ein Diskurs über aktuelle gesellschaftliche Entwicklungen geführt wird, ist gerade heute von essenzieller Bedeutung. Welches Haus bietet hierfür mehr Möglichkeiten und Anknüpfungspunkte als das Münchner Stadtmuseum?

Nach unserem Empfinden würde eine Verzögerung der Sanierung des Stadtmuseums, eines Juwels der Stadt, auch dem Sinn einer Einsparung nicht gerecht, sondern wirft für die Zukunft des Museums zusätzliche, heute noch nicht übersehbare Schwierigkeiten auf. Wir hoffen, dass diese Verschiebung doch noch neu überdacht werden kann.

Kenneth Barlow & Albrecht Widmann, Geretsried und Poole/Großbritannien

© SZ vom 01.08.2020
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