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Silvester-Feuerwerk:Brot und Böller

Auch wenn die Münchner Innenstadt zum Jahreswechsel erstmals böllerfrei bleiben musste: Viele Leser scheinen sich mit einem gänzlichen Knallerei-Verbot anzufreunden, wenn es der Umwelt nutzt. Einer wettert gegen die Öko-Diktatur.

Zu "Es geht auch ohne" vom 2. Januar und zu "Böse Geister" vom 28./29. Dezember:

Götzendienst und Krach

Man kann Herrn Heidtmann in dem Kommentar nur zustimmen! Der Ursprung der Knallerei stammt aus einer Zeit, als die Menschen Götzen verehrten, und Vernunft ist auch heute noch für viele ein Fremdwort. Dass sich gerade aus der CSU immer wieder Leute melden, die den Umweltschutz für übertrieben halten, lässt mich als ewigen Parteianhänger nachdenken, ob ich nicht künftig mein Kreuz woanders hin machen sollte. Bei der vorzeitigen Böllerei geht es ja auch um den Tierschutz. Man kann ja seine Katze oder den Hund nicht schon vor Silvester in den Keller sperren.

Wolfgang Meyer, Memmingen

Jedem sein Knall

Böllern mit Feinstaub, das muss am Silvester-Neujahrs-Tag einfach sein, wir lassen es am Jahreswechsel wieder einmal so richtig lautstark krachen! Was übers Jahr verboten ist, das ist nur (noch) am Silvester-Neujahrs-Tag erlaubt. Jeder darf hier seinen Knall haben, jeder darf seinen Knall voll ausleben, und jeder darf seine Kracher lautstärker als stark zünden, von wegen Brot statt Böller! Böller statt Brot oder Böller und Brot heißt da die Devise.

Riggi Schwarz, Büchenbach

Immer mehr Öko-Diktatur

Deutschland verkommt immer mehr zur Öko-Diktatur mit nur noch mehr und mehr Verboten und mehr und mehr Steuern, die man den Bürgern aus den Taschen zieht. Feuerwerk in Deutschland ist nur an einem einzigen Tag im Jahr für Privatpersonen erlaubt, und jetzt gibt es da eine Art Hexenjagd auf Geschäfte, die Feuerwerkskörper verkaufen, und auf Leute, die Feuerwerke erwerben und mögen.

Feuerwerksverbot

Zum ersten Mal böllerfreie Zone: Verbotsschild am Marienplatz in München, Silvester 2019.

(Foto: Alessandra Schellnegger)

Warum verbietet man dann nicht Tabakwaren ganz, die auch nicht gut für die Umwelt sind, und durch welche viele Menschen sogar sterben; oder man kann doch auch Alkohol ganz verbieten, durch Alkohol sterben gleichfalls viele Menschen.

Dann wird einem noch vorgehalten, dass es zirka 130 Millionen Euro sind, die Deutsche an Silvester für Feuerwerk ausgeben. Nun, für Christbäume gibt man in Deutschland meines Wissens jedes Jahr sogar rund 700 Millionen Euro aus, da werden Millionen von Bäume gefällt, die in der freien Natur besser für die Umwelt wären, sie stehen stattdessen für zwei bis drei Wochen in Wohnungen rum und werden dann weggeworfen.

Torsten Best, Bad Soden

Übertriebene Zahlen

Ich halte ein Böllerverbot zu Silvester für sinnvoll. Die Rechnung, dass die Böllerei 15 Prozent des Feinstaubs, den der gesamte Straßenverkehr in Deutschland produziert, freisetzt, ist allerdings meines Erachtens nicht haltbar. Wenn 15 Prozent 5000 Tonnen CO₂ entsprechen, würde der Straßenverkehr zirka 33 000 Tonnen CO₂ im Jahr produzieren. Unterstellt man pro gefahrenem Kilometer 120 Gramm CO₂, käme man auf 275 Millionen Kilometer (33 000 000 Kilogramm geteilt durch 0,12 Kilogramm = 275 Millionen). Danach würde statistisch jeder in Deutschland Lebende durchschnittlich gerade mal 3,5 Kilometer pro Jahr mit dem Auto zurücklegen. Es wäre auch zu schön, wenn man per Silvesterböllerverbot ein Sechstel der Straßenverkehrsemissionen einsparen könnte.

Manfred Peter, Hannover

Lobbyisten zeigen den Weg

Egal, ob mehr als sechzig Prozent der Bevölkerung für ein Böllerverbot in Deutschland sind - die Politiker hören selten oder nie auf das, was die Bürger wollen. Die Lobbyisten der Industrie und die Hersteller von Feuerwerksartikeln und der Handel sagen schon, wo es langzugehen hat, nicht aber die Politik. Ich höre schon wieder, wie in der Diskussion über das Tempolimit auf den deutschen Autobahnen, in diesem Falle den Wirtschaftsminister sagen: Ein Verbot von Feuerwerkskörpern, das schade der Industrie. Außerdem ist ja auch nur einmal Silvester - jedes Jahr wieder, das bisschen Feuerwerk, das mache doch nichts!

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Klaus-Peter Haas, Bremen

Schwarzpulver EU-weit verbieten

Nicht, dass mich das Böllern, das Abbrennen von Feuerwerk an sich stört - eigentlich gar nicht, es ist schön anzusehen und auch gelebte Tradition. Aber: der Feinstaub! Und dann die Inkonsequenz der Menschen, im Besonderen der jungen Menschen. Da gehen sie mit dem hehren Ziel des Umweltschutzes bei "Fridays for Future" auf die Straße, wollen unbedingt die Welt verbessern - und wenn es an die Praxis geht, schaffen es viele nicht, ihre Freunde von solch schlimmer Umweltverschmutzung abzuhalten, sie machen sogar gedankenlos oder freudestrahlend dabei mit: "Ist ja bloß einmal im Jahr."

Wenn nicht auch bei unseren sogenannten Silvesterbräuchen eine rasche Kehrtwende eintritt, dann sind für mich alle schönen Reden zum Thema Umweltschutzbemühungen in der Summe letztlich nur hohle Phrasen! Also: Schwarzpulver an Silvester deutschlandweit (und möglichst bald in der ganzen EU) zu 100 Prozent verbieten, bitte verbindlich ab dem Jahr 2020!

Gerhard Fautz, Bühl

© SZ vom 08.01.2020
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