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Radfahren:Ohne Spaß

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Leserbriefe sind in keinem Fall Meinungsäußerungen der Redaktion. Wir behalten uns vor, die Texte zu kürzen.

Außerdem behalten wir uns vor, Leserbriefe auch hier in der Digitalen Ausgabe der Süddeutschen Zeitung und bei Süddeutsche.de zu veröffentlichen.

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Wenn sich Städte wie München zur Radlhauptstadt erklären, ist das nach Meinung von Lesern nur großmäulig. Eine Leserin blickt voller Neid auf Wien, wo der Nahverkehr sehr billig ist. Ein anderer meint, Deutschland sei Opfer der Motorlobby.

"Schöner treten" vom 23. April und "Voll Panne" vom 21./22. April:

Schaut mal nach Wien!

Das Problem ist doch: zu viele Autos, zu viele Radfahrer und die Missachtung jeglicher Verkehrsregeln. Eine kurzfristige Lösung für das Fahrradproblem wäre zum Beispiel in München, den MVV um die Hälfte billiger zu machen und eine saftige Erhöhung der Parkgebühr. Fährt man zu zweit in die Stadt, zahlt man bei zwei Streifen hin und zurück 11,20 Euro. Fährt man mit dem Auto, bezahlt man pro Stunde an der Parkuhr ein bis zwei Euro. Also fährt man mit dem Auto oder noch günstiger mit dem Fahrrad. Ich möchte nicht wissen, wie viele Radler nicht aus Spaß radeln, sondern aus wirtschaftlichen Gründen.

Mir macht das Radeln in München jedenfalls keinen Spaß. Rücksichtslos wird überholt, links oder rechts über den Fußweg - es gibt ja schon lange keine Disziplin mehr. Selbstverständlich kommen auf meiner Seite Radler entgegen (auch hier schaut die Polizei weg!), wer bei Rot anhält, ist der Depp - nur der Stärkste (Schnellste) gewinnt! Bei der Geschwindigkeit muss man leider in Kauf nehmen, dass man von einem Rechtsabbieger zu spät gesehen wird ... vielleicht könnte man als Radler zumindest vor Ampeln das Tempo reduzieren. Mit mehr Hirn und Rücksichtnahme wären viele Unfälle zu vermeiden!

Liebe Verkehrsplaner: Schaut mal nach Wien! Das Verkehrsnetz mit Innen- und Außenkreisen ist exzellent, man wartet nie länger als vier Minuten auf eine Bahn (auch nachts!). Der Preis für eine Fahrt innerhalb Wiens beträgt 2,40 Euro, für Senioren 1,50 Euro. Tages- und Dauerfahrkarten sind nochmals preisreduziert. Außer für Anlieger ist dafür das Parken in der Innenstadt extrem teuer.

Würden in München mehr Menschen auf die "Öffentlichen" umsteigen, wäre damit auch ganz nebenbei das durch Staus verursachte Feinstaubproblem geringer. Aber dazu müsste Raum für weitere P+R-Parkplätze geschaffen werden ... Karin Wende-Fuchs, München

Opfer der Motorlobby

Als Münchner wird man bei der Lektüre des glänzend geschriebenen Artikels "Schöner treten" immer trauriger und immer wütender über unsere unfähigen und gewissenlosen Kommunalpolitiker, die ohne Visionen und an Lösungen orientiertes Denken ausschließlich rückwärts schauend großmäulige Parolen als vorausschauende Politik verkaufen: "Radlhauptstadt München", dieser inzwischen aus dem Repertoire der Politikerlügen gestrichene Slogan, zeigt, wie dreist wir jahrelang hinters Licht geführt und hingehalten wurden.

Luftverschmutzung und Feinstaubbelastung mit konsekutiv verkürzter Lebenserwartung, die drohende Klimakatastrophe, mangels sicherer Radwege getötete und verletzte Fahrradfahrer, mit Stadtautobahnen zubetonierte Städte, die Mensch und Tier keinen Lebensraum mehr lassen, Gestank und Lärm, all das darf keine Rolle spielen, sobald das Primat des motorisierten Verkehrs auch nur im mindesten angetastet wird. Ihr Artikel zeigt auf erschütternde Weise, in welchem Ausmaß hierzulande Mensch und Natur von gewissenlosen Politikern der Geldgier der Motorlobby geopfert werden. Dietrich Loos, München

© SZ vom 04.05.2018
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