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Müll:Trennungsrätsel

Für viele Menschen ist Mülltrennung eine wichtige Aufgabe, aber oft ein Ärgernis. Leser erläutern, warum die Entsorgung von Resten des letzten Grillabends sie genauso vor Probleme stellt wie die der Milchpackung. Das umweltgerechte Beseitigen von Plastikabfall sollte garantiert werden, so eine Forderung.

Mülltrennung

SZ-Zeichnung: Denis Metz

(Foto: Denis Metz)

Zu "Deutsche trennen ihren Abfall falsch" sowie zu "Was Deutschland wegwirft" und "Chaos in Tonnen", alle vom 29. Juli:

Zwei Wochen stinkender Bioabfall

Ich finde es etwas ärgerlich, wie über mangelhafte Mülltrennung in deutschen Haushalten Nase gerümpft wird - und wie die Süddeutsche den Vorwurf einfach weiterreicht. Vielleicht sollte man mal an die praktischen Probleme erinnern. Wo, zum Beispiel, sollen an älteren städtischen Mietshäusern denn all die diversen Tonnen stehen? Vor allem: Wie soll man, zumal im Sommer, mit einer Biotonne im Haus koexistieren, die nur alle zwei Wochen geleert wird und in der Küchenabfälle nur ohne Plastiktüten deponiert werden sollen? Bitte mal olfaktorisch vorstellen - dann darf gerümpft werden.

Martin Kuhna, Essen

Vermüllte Wertstoffinseln

Was Sie in den Artikeln zum Thema aus meiner Sicht völlig ignorieren, ist, dass ein Teil des Problems auch die permanente und teilweise ekelerregende Vermüllung der Wertstoffinseln ist. Wenn man über angebissene Pizzareste, abgewrackte Elektrogeräte, versiffte Matratzen und dergleichen steigen muss, um an die Container zu kommen, entwickelt man mit Sicherheit keine steigende Akzeptanz dieses Systems. Sie wird auch nicht größer, wen man bei Anrufen beim Abfallwirtschaftsbetrieb mit dem Hinweis "Nicht zuständig" abgewimmelt wird. Meiner Meinung nach würde eine bessere Ausleuchtung der Wertstoffinseln und eventuell eine Kamera(-Attrappe) mit dem entsprechenden Hinweis die Situation deutlich verbessern. So wie es jetzt läuft, ist es jedenfalls für viele unzumutbar, dieses System zu nutzen.

Volkmar Seiler, München

Lieber nicht als falsch trennen

Ich wünsche mir, dass auf jeder Verpackung draufsteht, wie sie zu entsorgen ist! So wie es jetzt läuft, wird dem Verbraucher das Mülltrennen unnötig schwer gemacht: Dieser Getränkekarton, ist das jetzt Papier oder Plastik? Oder der beschichtete Eiscremebecher? Oder diese Frischhalte-Brottüte vom Bäcker? Und diese silbern glänzende Folie, in der Schokoriegel verpackt sind: Plastik oder Metall? Völlig unnötige, ärgerliche Rätsel sind das. Bevor ich falsch trenne, werfe ich entsprechende Verpackungen in den Restmüll.

Gottfried Silberhorn, München

Geburtsfehler beheben

Mülltrennung ist für viele Bundesbürger, wenn auch nicht für alle, zu einer Art Religion geworden. Man bemüht sich, die Gebote zu befolgen, aber man scheitert an der Unmöglichkeit, ihnen wirklich zu genügen. Das hat Methode. Wer sich als Sünder fühlt, wagt nicht, grundsätzliche Fragen zu stellen: Ist vielleicht die reine Lehre des Stoffkreislaufs ein Schwindel? Wer profitiert eigentlich von dem Glauben, man könne hemmungslos produzieren, ohne Ressourcen zu verbrauchen?

Was hilft es, wenn die Konsumenten ihren Müll noch sorgfältiger sortieren, wenn vieles am Ende gar nicht recycelt wird? Weil selbst vorschriftsmäßig sortierte Altstoffe nicht für echte Wiederverwertung geeignet sind oder weil es einfach billiger ist, Verpackungsmaterialien aus neuen Rohstoffen herzustellen?

Ich bestreite nicht, dass man die Mülltrennung verbessern kann. Aber weit mehr brächte es wahrscheinlich, sich einige Geburtsfehler unseres Systems genauer anzuschauen.

Axel Lehmann, München

Nachweis für Plastikverwertung

Aus der Berichterstattung wissen wir, dass verschiedene Verpackungsmaterialien derzeit nicht wirtschaftlich recycelbar sind. Das betrifft unter anderem Kleinteile und Verbundmaterialien. Hoffentlich gibt es dafür bald eine Lösung. Bis dahin ist wohl die geordnete Verbrennung dieses Anteils sinnvoll.

Wie wir weiter aus der SZ erfahren haben, lösen (viele?) Verwerter ihr Problem mit diesem Anteil durch Export in die Dritte Welt. Dort suchen dann Unternehmer weiter nach noch Verkäuflichem und verklappen in vielen Fällen den Rest im Meer oder verbrennen ihn unter ungenügenden Bedingungen. Nach Presseberichten stammt ein Großteil des Plastiks im Meer aus Industrieländern, auch aus Deutschland, wohl auch auf diesem Weg.

Als einerseits gesetzestreuer und andererseits umweltbewusster Bürger frage ich mich: Kann man es verantworten, darauf zu vertrauen, dass nicht recycelbare Verpackungen aus dem gelben Sack ordnungsgemäß in einer guten Anlage verbrannt werden, oder sorge ich vorsichtshalber selbst dafür, dass das geschieht, indem ich sie in den Restmüll entsorge?

Was könnte hier helfen? Ein glaubwürdiger Nachweis einer sachgemäßen Verwertung oder Entsorgung. "Export zur Verwertung" ohne glaubwürdigen Nachweis reicht da nicht! Noch besser: Verbot des Exports und kontrolliertes Recycling oder notfalls "Verbrennung in Deutschland". Und kritische Berichterstattung darüber.

Peter Lemmen, Oberschleißheim

Wohin mit den Steakknochen?

Mülltrennung simpel: Glas zu Glas, Pappe zu Pappe, Plastik zu Plastik. Eine sehr schematische Darstellung. Aber was tut man mit dem halb vollen Becher Sahne, dessen Inhalt verschimmelt ist? In den gelben Sack damit? Die Belastbarkeit dieser Säcke dürfte bekannt sein, die Gefahr, dass sich die verschimmelte Sahne über den Fußboden ausbreitet, als durchaus realistisch betrachtet werden. Die Knochen von Spareribs und T-Bone- Steak? Da treffen Weltanschauungen aufeinander, ob die in den Biomüll dürfen. Und wenn man Berichte über deutsche Plastikmüll-Exporte liest, fragt man sich ohnehin, ob man Plastik nicht besser in den Restmüll gibt, um bei der Verbrennung Öl einzusparen.

Josef Feuerstein, Markt Schwaben

Für eine zentrale Sortierung

Da es unwahrscheinlich ist, dass der Müll jemals zu 100 Prozent richtig getrennt beim Entsorgungsbetrieb ankommt, muss er nachsortiert werden. Selbst eine "Müllpolizei" könnte dieses nicht gewährleisten, ganz abgesehen vom Aufwand für amtliches "Schnüffeln". Weitere Entwicklungen führen dabei auch noch zum Denunziantentum. Also warum nicht gleich den angegliederten Abfall zentral sortieren.

Burckhard Schirmer, Petershausen

Begriff der Verpackung ersetzen

Die Bürger können nicht verstehen, wie sie "Verpackungen" erkennen sollen: Es ist die Rede von "Kunststoffen", von "Plastik", von "Leichtverpackungen" und von "Materialverbunden". Wer kann wissen, was davon in die "Gelbe Tonne" gehört? Der Gesetzgeber hat vor Jahren die Abfallbeseitigung durch das "Grüner-Punkt-System" festgeschrieben und damit ein Problem geschaffen, indem er dafür "Verpackungen" und die "Gelbe Tonne" eingeführt hat, ohne zu definieren, was "Verpackungen" sind. Hier liegt das Grundübel schlecht sortierten Abfalls. Es wird längst vorgeschlagen, den Begriff Verpackungen aus der Abfallwirtschaft fallen zu lassen und dafür "Kunststoffabfälle" zu setzen, die in die "Gelbe Tonne" gehören. Damit wäre Bürgern ein verständliches Kriterium gegeben.

Peter Kayser, Sereetz

© SZ vom 08.08.2020

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