Leserbriefe: Corona-Impfung:Aufklären statt spalten

Die Werbespots der Politik für die Corona-Impfung nehmen zu, die Umstände für Ungeimpfte auch - einige Leser empfinden dies als Pflicht durch die Hintertür. Andere sehen die Impfung als soziale Verantwortung. Wer sie verneint, müsse bereit sein, die Konsequenzen zu tragen.

Ministerpräsident Kretschmann besucht Mannheim

Impfwerbung mit Ministerpräsident: Winfried Kretschmann tritt bei einer Corona-Impfaktion in Mannheim auf.

(Foto: Marijan Murat/dpa)

Leserbriefe zu "Sind Sie geimpft? Eine äußerst heikle Frage" vom 2. September, "Söders falsches Signal" vom 1. September sowie zu "Der Druck steigt" und "Die Pandemie der Ungeimpften", beide vom 30. August und "Gerechtigkeit für Geimpfte" vom 9. August:

Soziale Verantwortung

Vorteile im Alltag für "3 G"-Bürger? Aber sicher doch! Ich habe mich aus rein egoistischen Beweggründen ohne zu zögern impfen lassen, nicht um andere zu schützen, sondern um mir selbst nach Möglichkeit einen schweren Krankheitsverlauf zu ersparen, sollte ich mich irgendwie oder irgendwo mit dem Virus infizieren. Allerdings ist das nur die eine Seite der Medaille. Der andere Beweggrund war, dass ich dadurch versuche, der Allgemeinheit, also auch den Impfskeptikern und -gegnerinnen Kosten zu ersparen, die entstünden, wenn ich in einer Klinik intensiv behandelt werden müsste. Alleine das ist Grund genug, als Geimpfter zur Belohnung etwas mehr Freiheiten genießen zu dürfen.

Es ist blauäugig zu glauben, dass die Krankenversicherungen sich die erhöhten Kosten nicht wieder durch Beitragserhöhungen von den Versicherten zurückholen. Und drittens: Wenn für mich und andere Geimpfte mit erhöhter Wahrscheinlichkeit kein Intensivbett vorgehalten werden muss, steht dieses Bett einem anderen, nicht mit Corona infizierten Patienten zur Verfügung. Mein Fazit: Sich impfen zu lassen, sofern nicht gravierende medizinische Gründe dagegen sprechen, ist eine soziale Verantwortung des Einzelnen gegenüber der Gesellschaft!

Wilhelm A. Plösser, Bordelum

3G, 2G, 1G?

Die mittelalterliche Schwarz-Weiß-Rhetorik mancher Zeitungsartikel und Politiker untergräbt allzu gern, dass es sehr aufgeklärte Bürgerinnen und Bürger gibt, die sich differenziert mit dem aktuellen Geschehen auseinandersetzen.

Tatsache ist: Die Langzeitwirkungen der Vakzine sind ungewiss. In den USA hatten die Impfstoffe bis vor kurzem nur eine Notfallzulassung. Aber anscheinend fehlt es den noch großen Parteien hierzulande an kreativen und effizient-nachhaltigen Konzepten, mit dem Virus umzugehen, deswegen wird vor den Wahlen als Ultima Ratio, das Durchimpfen der gesamten Bevölkerung, mit der Brechstange so lange durchgedrückt, bis hoffentlich der Letzte überzeugt oder verunsichert ist.

Nach der Bundestagswahl soll es nach Ankündigung von Herrn Hardliner Söder auf 2G hinauslaufen. Was kommt eigentlich, nachdem das "Sechs-Monats-Visum" der Genesenen ausläuft? Ist das aktualisierte Ziel 1G - also nur Geimpfte? Sollen die 1Gs zu dreifach, vierfach oder x-fach Geimpften werden, weil es immer wieder zu Impfdurchbrüchen kommt und weiterhin kommen wird?

Die Dunkelziffer der Genesenen könnte um ein Vielfaches höher sein, als die veröffentlichten Zahlen bekannt geben. Das Virus hat sich nach mindestens 1,5 Jahren seinen Weg gesucht. Diesen Bürgerinnen und Bürgern wird leider kein kostenloser oder günstiger Antikörpertest angeboten, der einen mindestens ebenbürtigen Beitrag zur Pandemiebekämpfung leistet. Denn auch die Vakzine werden schließlich über Steuergelder finanziert.

Menschen, die sich impfen lassen, weil sie Angst vor dem Virus und seinen Folgen haben oder ihre Freiheit "wiederbekommen" möchten, verfolgen kein solidarisches Motiv, sondern ein gleichsam eigennütziges wie diejenigen Impfunwilligen, die jahrelang einen Superbeitrag für das Gesundheitssystem geleistet haben, indem sie jeden Tag aufs Neue in ihr hocheffizientes Immunsystem investiert haben. Sie haben sich gut ernährt, bewegt und erholt. Sie haben auf kontraproduktive Genussmittel verzichtet. De facto sind viele damit Niedrigrisiko-Kandidaten.

Viren können sowohl von Geimpften als auch Ungeimpften weitergegeben werden. Dennoch soll in Deutschland zumindest Impfen das Allheilmittel sein. Für alle. Gleichermaßen. Biontech und Lobby freuen sich über ein Bruttoinlandsprodukt von 0,5 Prozent in Deutschland. Sie arbeiten unterdessen an der Zulassung ihres mRNA-Impfstoffes für Kinder ab fünf Jahren.

Hören Sie mit der Spaltung von Geimpften und Ungeimpften auf! Setzen Sie auf maximale Aufklärung im Umgang mit dem Coronavirus ohne Angstpolitik, lassen Sie den Bürgerinnen und Bürgern ihre Eigenverantwortung! Die Gesundheit jedes Einzelnen bleibt eine persönliche Angelegenheit. Die Grundrechte gelten für alle Bürgerinnen und Bürger - mit und ohne Impfung.

Fazilet Mendrina, Leiferde

Testpflicht für alle beibehalten

Seit Beginn der Corona-Pandemie achten meine Frau und ich noch konsequenter auf Hygiene- und Abstandsregeln, und wir lassen uns regelmäßig testen. Bisher glücklicherweise immer mit einem negativen Ergebnis. Wir glauben weiterhin daran, dass unser Immunsystem aufgrund gesunder Ernährung intakt ist und uns hilft, gesund zu bleiben. Eine Impfung mit Impfstoffen, bei denen über mögliche Spätfolgen nichts bekannt ist, kommt deshalb derzeit für uns nicht infrage. Und ich zähle uns weder zu den Verschwörungstheoretikern noch zu den Faulpelzen, die sich mit Würstchen oder Burgern locken lassen.

Darüber hinaus ist ja mittlerweile bekannt, dass sich selbst Geimpfte mit dem Coronavirus anstecken können. Es wäre interessant zu erfahren, wie viele geimpfte Personen in Deutschland anschließend an Corona erkrankt sind. Vor diesem Hintergrund finde ich es eher fragwürdig, dass man bei Geimpften und Genesenen auf die Testpflicht verzichtet.

Manfred Aldag, Starnberg

Genesene differenziert behandeln

Man gewinnt zunehmend den Eindruck, als reduziere sich die Diskussion mehr und mehr auf schwarz und weiß, auf geimpft und ungeimpft. Die Frage der Immunität scheint sich nur noch darauf zu beschränken, ob jemand "geimpft = immun = gut" oder "ungeimpft = nicht immun = böse" ist. Das ist zwar politisch einfach zu transportieren, ist aber leider so nur teilweise richtig und auch meines Erachtens völlig inakzeptabel. Es gibt nach Berichten von Ärzten zum einen nachweislich Menschen, die geimpft sind, aber keine oder nur eine geringe Immunantwort beziehungsweise Antikörper aufgebaut haben. Das trifft mitunter auch auf manche Personen zu, welche die Krankheit durchgemacht haben.

Auf der anderen Seite gibt es aber Menschen, die nach überstandener Krankheit hohe Antikörpertiter haben, und zwar deutlich länger als die vom Staat mehr oder weniger willkürlich festgesetzte Frist von einem halben Jahr nach Wiedergenesung. Um weiter als "genesen" zu gelten, zwingt man völlig gesunde und eigentlich geschützte (immune) Menschen zu einer Impfung, die nicht notwendig und in diesem speziellen Fall vielleicht sogar gefährlich ist. Daher die Frage: Wann fängt man auch in Deutschland endlich damit an, die Beschränkungen nicht mehr an der Frage aufzuhängen, ob jemand geimpft ist oder nicht, sondern an der tatsächlichen Immunantwort und den Antikörpertitern?

Oskar Paulicks, München

Entscheiden und Folgen ertragen

Es fällt mir schon schwer, die Klagen über den angeblich durch die Hintertür eingeführten Impfzwang zu lesen und zu hören. Liebe Leute, keiner zwingt euch zur Impfung! Aber wie in sehr vielen Bereichen des Lebens hat Handeln oder Unterlassen Konsequenzen, und die muss ich dann aufgrund meiner eigenen Entscheidung tragen. So einfach ist das.

Robert Neumair, München

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