bedeckt München
vgwortpixel

Kurden:Lösung mit der Türkei

Ein Leser äußert sich kritisch über das relative Stillhalten deutscher Politiker nach dem Vorstoß Erdoğans in Nordsyrien. Ein anderer wünscht sich eine Lösung im Einvernehmen mit der Türkei, um Kritiker vor Ort vor Repressalien zu schützen.

Turkish President Erdogan addresses lawmakers from his ruling AK Party during a meeting in Ankara

Starker Mann Erdoğan: Soll die westliche Politik mit ihm oder gegen ihn vorgehen, um für die Kurden in Nordsyrien eine tragbare Lösung zu finden?

(Foto: via REUTERS)

Zu "Und keiner steht auf", 8. November:

Vielen Dank für den Abdruck dieser wütenden Anklage von Mario Fortunato! Mit Schulterzucken nehmen wir die Vertreibung der Kurden aus Nordsyrien hin. Schon bei dem Plan des türkischen Präsidenten, auf fremdem Territorium, außerhalb der türkischen Grenzen, eine "Schutzzone" einzurichten, war kein Aufschrei der deutschen Politik zu vernehmen. Wofür soll diese "Schutzzone" dienen? Zur Abwehr der fortgesetzten Angriffe auf türkisches Gebiet, durch die kurdischen Freiheitskämpfer?

Rolf Baumann, Taglaching

In vielen Dimensionen hat Herr Fortunato die Notlage des kurdischen Volkes, verteilt auf mehrere "Nationalstaaten" mit ihren Willkürherrschaften, eindringlich dargestellt. Die Kurden sind eine Verfügungsmasse in verschiedenen Deals geworden, ein Hinweis darauf, wie gering die Rolle von "Menschlichkeit" im politischen Handeln der Regierenden ist. Aber bringen Massendemonstrationen eine Änderung der Lage der Kurden? Schnell wird dann durch den derzeitigen Staatspräsidenten der Türkei lautstark darauf hingewiesen, dass ausländische Kräfte die terroristischen Kräfte im eigenen Land unterstützen, um die Türkei zu einem einflusslosen Staat zu machen. Immer noch mehr Menschen werden dann als Terroristen etikettiert, der Zusammenarbeit mit terroristischen Kräften beschuldigt und mit oder ohne Gerichtsverfahren eingesperrt und womöglich gefoltert.

Einflussreiche Staaten und Kräfte in Europa, den USA und anderswo sollten eher auf geheimdiplomatischen Kanälen mit dem derzeitigen türkischen Staatspräsidenten, aber auch mit leitenden Kräften der Kurden menschliche Lösungen für das kurdische Volk erarbeiten, die Herrn Recep Tayyip Erdoğan helfen, das Gesicht zu wahren und gleichzeitig den Kurden in der Türkei ein Leben in freier Entfaltung ihrer kulturellen Identität ermöglichen, ohne sich als "Bergtürken" fühlen zu müssen.

Es sollte deutlich werden, dass dieses Volk mit seinen positiven Kräften eine Bereicherung der Türkei darstellen kann. Frühere Sultane im Osmanischen Reich haben immer wieder verstanden, aus den besiegten Völkern Gewinn fürs ganze Reich zu ziehen, ohne diese Völker so zu unterdrücken, wie es derzeit den Kurden (früher waren es die Armenier) in der Türkei (auch im Irak, in Syrien und, wohl abgeschwächt, im Iran) geschieht.

Hans Michael Miller, Freising