Kultur:Zu strenge Corona-Regeln

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Negativtest, Impfnachweis und Maske trüben den Kulturgenuss.

Kultur: In der vergangenen Woche fielen zwei Vorstellungen im Gärtnerplatztheater Omikron zum Opfer.

In der vergangenen Woche fielen zwei Vorstellungen im Gärtnerplatztheater Omikron zum Opfer.

(Foto: Matthias Balk/dpa)

Zum Kommentar "Kein öder Land" vom 4. Januar:

Lacher erstickt, Applaus schal

Ja, Theater- und andere Kulturerlebnisse sind wichtig für das Immunsystem. Aber in einem halb leeren Auditorium spürt man nicht die emotionale Resonanz, die "Funken, die im Raum sprühen", die das Miteinander im Raum und mit den Akteuren ausmachen. Hinter der FFP2-Maske ist jeder Lacher erstickt, und der bei 25-prozentiger Saalbesetzung spärliche Applaus, meinetwegen auch das Buh, beides zentrale Resonanzerlebnisse, bleiben schal.

Es steht zu befürchten, dass 20 Prozent des Stammpublikums dauerhaft auf Theaterbesuche verzichten, wie eine Umfrage bei Theaterintendanten in Deutschland ergab, schlicht, weil sie sich Theaterbesuche in der Pandemie abgewöhnt haben und sehen, dass es auch ohne geht. Diese Existenzbedrohung benennt Christine Dössel richtig. Die großen Theater haben längst durch Studien nachgewiesen, dass sie keine Infektionsherde sind. Die bayerische Politik hat das mehr oder weniger ignoriert. Protestiert haben diese Theater nur zaghaft: Sie bekommen Subventionen vom Staat, die sie nicht gefährden wollen.

Prof. Dr. Felizitas Romeiß-Stracke, München

Wo ist das kulturelle Rückgrat?

Ich gehe am späten Nachmittag auf einen Schluck in meine Stammkneipe. Am Einlass wird selbstverständlich geprüft (2 G, Personalausweis). Ich gehe maskiert zum Platz, nehme die Maske herunter, setze sie erst wieder beim Verlassen auf. In der Zwischenzeit könnte ich, wenn ich wollte, in der sehr gut besetzten Kneipe laut herumschreien, husten wie ein Weltmeister usw. Mache ich natürlich nicht.

Etwas später gehe ich ein Konzert, hier gilt 2 G plus. Schon in der Frühe bin ich zum Testen gegangen und kann am Einlass etwas Negatives vorweisen (inklusive 2 G, Personalausweis). Selbstverständlich mit Maske, die bleibt auch während des Konzerts auf. Es gibt eine Pause, ich kaufe ein Getränk, ich darf die Maske abnehmen. Und da ich nicht weiß, wie lange ich Durst habe, bleibt sie natürlich nicht auf. Dann geht es wieder mit Maske in den Saal. Der Konzertsaal könnte 360 Besucher aufnehmen, gekommen sind nicht einmal die erlaubten 25 Prozent (90 Besucher). Während des Konzerts war es wie immer mucksmäuschenstill, kein einziger Husten-Störenfried war vernehmbar.

Frage: Wo ist das Infektionsrisiko größer? Und wo bleibt das kulturelle Rückgrat und der gesunde Menschenverstand einer bayerischen Staatsregierung beziehungsweise eines Kultusministers? Kulturminister ist er sicher keiner.

Richard Kattan, Regensburg

Leichtfertige Verluste

In diesem Zusammenhang wird oft vergessen, auch die Museen mitaufzulisten.

Diese treffen die Maßnahmen noch weit unverhältnismäßiger. Das Museumspublikum wandert in der Regel sehr gesittet durch meist großzügige und bestens belüftete Räume. Im Museum verströmen nicht einmal die "Darsteller" Aerosole. In Bayern gilt dennoch die 2-G-plus-Regel, obwohl durch die Abstandsregel ohnehin nur ein Bruchteil der Personenkapazität eingelassen werden kann. Manche Maßnahmen erweisen sich als unverhältnismäßig, und dass es dauert, bis sich die Erkenntnis durchsetzt, ist nicht leicht hinzunehmen. Weder die Kulturbetriebe selbst noch der Weg zu ihnen tragen relevant zur Virenverbreitung bei. Doch sie scheinen weniger Recht auf eine wirtschaftliche Daseinsberechtigung zu haben als die Gastronomie. Auch wenn einige wirtschaftliche Unterstützung erhalten, es werden zu leichtfertig Verluste befördert und große Chancen vergeben.

Harald Brunnhuber, München

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