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Künstler:Starker Tobak

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Was ist die Rolle von Dichterinnen und Denkern in der Demokratie?, fragte Norbert Frei in einem Gastbeitrag an Ostern. Ein Leser aus Ravensburg war anderer Ansicht als Frei und bekam beim Lesen einen roten Kopf.

Man bekommt beim Lesen dieses Meinungsbeitrags in der Osterausgabe einen roten Kopf. Für Norbert Frei gibt es Intellektuelle, die in der alten BRD unbequeme Begleiter waren, und Intellektuelle, die heute in ein "Horn der Hartherzigkeit" stoßen, die heute über "Gesinnungsdiktatur" lamentieren, die heute beim Friseur "schwadronieren", die sich heute zu Opfern stilisieren und sich vom nach rechts gerückten Zeitgeist Aufhilfen für ihren "gekränkten Narzissmus" versprechen. Alles starker Tobak. Im Appell der Bundeskanzlerin "Deutschland, das sind wir alle." hört Frei eine Antwort auf das von rechts gebrüllte "Wir sind das Volk." und unterschlägt, dass sich der Ruf einst gegen den Machtapparat der DDR richtete. Auch damals protestierten nicht alle. Ist es Populismus, wenn heute mit diesem Ruf gegen das Auftreten der Kanzlerin beim letzten EU-Gipfel protestiert wird oder gegen ihre Autopolitik? Frei verweist auf eine junge Stimme in der Dresdner Debatte mit Uwe Tellkamp und Durs Grünbein, die sagte: "Sie (Tellkamp) haben einfach kein Recht darauf, dass Menschen Ihre Meinung teilen." Hat Tellkamp das gefordert? Äußerungen von Intellektuellen und Künstlern wie Tellkamp, Maron, Safranski, Baselitz können im Gegensatz zu Äußerungen unbekannter Bürger im alltäglichen Ringen mit der "Repressionsmühle" schwerlich übergangen werden. Unabhängig vom Zeitgeist ihre Meinung zu sagen, egal ob bequem oder unbequem, das ist die Rolle dieser Leute in einer Demokratie. Art. 16a(1) GG heißt: "Politisch Verfolgte genießen Asylrecht." Man beachte den Ausdruck "genießen"! Leicht zu verstehen, dass Flüchtlinge wegen unseres Sozialsystems zuwandern. Über die von Tellkamp erwähnte Prozentzahl kann man streiten. Aber warum sollte ein Streit darüber ein Tabu sein? Albert Hagn, Ravensburg

© SZ vom 07.04.2018
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