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Krefelder Zoo:Zweierlei Maß für getötete Tiere

Viele Zehntausend Schweine und andere Nutztiere sterben jedes Jahr in Deutschland. Das interessiere kaum jemanden, moniert ein Leser. Bei den toten Zootieren dagegen gebe es Schweigeminuten!

Zu "Todbringende Wünsche" vom 3. Januar und "Inferno im Affenhaus", 2. Januar:

Unbedarfte Leute haben gefährliches Zeug via Internet gekauft und damit einen furchtbaren Schaden angerichtet. Vermutlich werden sie wegen fahrlässiger Brandstiftung verurteilt, müssen dazu den wirtschaftlichen Schaden schultern. Der Onlinehändler wäscht seine Hände in Unschuld. Möglicherweise kriegt er ein Bußgeld aufgebrummt, weil er die Kennzeichnungspflicht verletzt hat. Die Handelsplattform weiß eh von nichts und hat mit dem Schaden rein gar nix zu tun.

Ich fordere, dass die Verantwortlichkeit von Händlern und Handelsplattformen endlich gesetzlich benannt wird, und für Verstöße empfindliche Strafen festgelegt werden. Mir ist klar, dass man praktisch nicht gegen Händler außerhalb der EU vorgehen kann. Um so wichtiger ist es, dass die Betreiber von Handelsplattformen als Mitverantwortliche benannt und verantwortlich gemacht werden. Wer hier Geld verdienen will, muss auch für Fehler geradestehen.

Dr. Rudolf Dölling, Pohlheim

Brand in der Silvesternacht im Krefelder Zoo. Das Affenhaus brennt nieder: 30 Tiere, darunter Menschenaffen, Flughunde und Vögel sterben in den Flammen. In den Tagen darauf sieht man vor dem Zoo ein Meer aus Kerzen und Blumen, über 1000 Menschen versammeln sich zu einer Schweigeminute, Mitarbeiter des Zoos werden seelsorgerisch betreut, ein Kondolenzbuch liegt aus.

Es rührt mich zutiefst, dass so viele Menschen echte Empathie für unsere Mitgeschöpfe aufbringen, hier besonders für die Gorillas und Orang-Utans. "Sieht man diesen Affen in die Augen, meint man Menschliches erkennen zu können", sagte eine Besucherin. Wie wahr! Die genetische Übereinstimmung mit dem Menschen liegt je nach Affenart bei 96 bis 98 Prozent. Da liegen natürlich die 90 Prozent Übereinstimmung mit unseren Hausschweinen, um nur ein Beispiel herauszugreifen, weit hintenan. Dabei sind Schweine mindestens so intelligent wie Hunde, hoch sensibel und mit uns Menschen so sehr verwandt, dass sie in vielerlei Hinsicht als Organspender herangezogen werden (Herzklappen, Haut, insulinproduzierende Zellen der Bauchspeicheldrüse und mehr).

Am 22. Januar 2019 starben bei einem Stallbrand in Finnentrop 100 Schweine, am 8. April in Hoetmar 1100 Schweine, am 25. Juli in Kolbow 6000 Tiere. Laut Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft starben 2019 (bis Mitte August) alleine in Deutschland bei 44 Bränden in Tierhaltungsbetrieben zirka 110 000 Tiere. Von Mahnwachen und Kerzenmeeren ist mir nichts bekannt. Es stellt sich die große Frage, warum wir so sehr unterscheiden zwischen Menschenaffen, natürlich auch den süßen Hundewelpen, flauschigen Katzenbabys mit großen Augen, geliebten Pferden etc. und unseren "Nutztieren", die nicht weniger mit sogenannten menschlichen Eigenschaften wie Leidensfähigkeit, Angst, Freude ausgestattet sind wie wir.

"Mensch erkenne dich selbst in jedem Sein" (Buddha). Vielleicht haben ein paar Trauernde vom Krefelder Zoo ja noch Kerzen übrig und tragen sie weiter zum nächsten Schlachthof. Die Liebe zu Mitgeschöpfen sollte jeder Spezies gewährt werden und nicht einigen wenigen vorbehalten bleiben, die wir Menschen willkürlich auserkoren haben. Erst dann entsteht wahre Tierliebe.

Klaus Bühler, Senden

Im Juli 2019 brannte es in einer Schweinemast mit 6000 Tieren im Landkreis Ludwigslust-Parchim. Fast die Hälfte der Tiere verendete. Das war kaum eine Meldung wert. Man berichtet dafür gleich mehrfach über die gestorbenen Affen in Krefeld. Bundesweit erheben die Zoos ihre Stimme und werden von der Presse zu Sicherheitsvorkehrungen befragt, die Maschinerie läuft. Liegt das daran, dass man mit Kindern in den Zoo geht, so als überkommenes Ritual? Das zweierlei Maß ist schwer zu ertragen.

Karsten Neumann, Nürnberg

© SZ vom 29.01.2020
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