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Klimagipfel:Wege finden, die überzeugen

Die Bilanz des Gipfeltreffens hat viele Menschen enttäuscht. Ein Leser wirbt dafür, sich politisch zu engagieren, um Klimaprojekte voranzutreiben. Ein anderer regt eine Volksbefragung an.

Zu "Ernüchterung nach Weltklimagipfel" und "Ein Abgrund" vom 16. Dezember:

Panik ist nicht die Lösung

Michael Bauchmüller ist schier verzweifelt. Das Klima ist mit sehr großer Sicherheit gefährdet, aber niemanden kümmert es. Alle leben weiter wie bisher, obwohl wir am Abgrund stehen. Alle wollen immer mehr Wohlstand, speziell jene, die nie im Wohlstand gelebt haben. Dazu braucht es Energie. Keiner will mehr zurück ins Mittelalter. Wenn das andere wollen, dann sollen die es doch. Genau das denken meines Erachtens viele der meist begüterten Grünen. Der Mensch ist nämlich auch ein asoziales Wesen, und jeder will auch etwas dafür, wenn er etwas gibt. Die alten Ägypter haben zu diesem Zweck das Jenseits erfunden, in dem die Guten belohnt und die Bösen bestraft werden. Aber was versprechen uns die grünen Panikmacher? Grüne Hausnummern etwa. Wahr ist: Wir stehen nicht am Abgrund, sondern vor einem bislang ungelösten Problem. Die Frage ist, ob man das Treibhausgas CO₂ wieder aus der Atmosphäre entfernen kann. Hierbei ist Panikmache durch eine Göre und ihre Beschimpfung von Politikern und Altvorderen ("How dare you!") fehl am Platz. Hier braucht es kluge Köpfe. Mögliche Mittel zur Säuberung unserer Luft sind: Aufforstung, Aufzucht von Algen, Aufhäufung von Mist, Wiederbewässerung von Mooren oder die Methode der von Professorin Kögel-Knabner, welche dafür sorgt, dass das CO₂ länger im Boden bleibt. Die Frage an unsere Erfinder lautet: Was hilft hier noch?

Dipl. Ing. Johann Wagner, München

Greta und die Deutsche Bahn

"Peinlichkeit erster Klasse", 17. Dezember und "Klimakrise im ICE", 16. Dezember: Greta konnte also die Vorzüge der Deutschen Bahn "genießen". Warum sollte es ihr besser ergehen als Millionen anderen Fahrgästen. Und was passiert? Die Nachricht wird von der Bahn zum Event gehypt - und entgleist. Weil sich die Bahn mittels der prominenten Umweltikone erstklassig verkaufen will. Das aber ist sie nicht, weder auf der Schiene noch in ihrer PR.

Ira Bartsch, Lichtenau-Herbram

Der Bloßstellungsversuch der Deutschen Bahn ist mächtig nach hinten gegangen. Mit dem Versuch, Greta Thunbergs Foto aus einem überfüllten ICE zu relativieren, vergisst die Bahn völlig, was Greta Thunberg für den Konzern ist. Zum einen ist sie Kundin, und da ist es äußerst verwunderlich, dass die Bahn anscheinend nun veröffentlicht, welche Kunden in der ersten Klasse sitzen. Zum anderen ist Greta Thunberg die Vorkämpferin für den ÖPNV weltweit schlechthin. Es ist irrwitzig, dass die Bahn nun die größte Koryphäe der eigenen Sache bei Twitter bloßzustellen versucht. Das Social-Media-Verhalten der Bahn erinnert dabei an das Agieren der CDU nach dem Video "Die Zerstörung der CDU" von Rezo: völlige Überforderung, auf Kritik in der digitalen Welt zu reagieren.

Malte Krüger, Kiel

Selber Politik mitgestalten

Michael Bauchmüller ist enttäuscht vom Madrider Klimagipfel und unterstützt weiteren Kampf - "auch auf der Straße" - für die Pariser Klimaziele. Richtig so, aber bei der extremen Realitätsverweigerung der politischen Akteure reicht das nicht: FDP-Chef Lindner kritisierte allen Ernstes in einem Interview die Verwendung des Wortes "Klimakrise" durch Journalisten, Wirtschaftsminister Altmaier findet bekanntlich bereits drei Cent Spritpreiserhöhung schwer vermittelbar. Nein, der Kampf muss vor allem in die Politik selber getragen werden, in die Parteien, in die Stadträte, Kreistage, Landtage und in den Bundestag. Ohne die Freitagsdemonstrationen hätten wir den European Green Deal nicht, da hat der Autor recht. Ich überlege mir derzeit, in eine Partei einzutreten, und es wäre sehr sinnvoll, wenn die Freitagsdemonstranten das auch täten, in großer Zahl. Direkte politische Teilhabe ist die beste Option, Entscheidungen zu beeinflussen.

Robert Peters-Gehrke, Aachen

Nutzlose Gipfel

Endlich haben sie sich wieder zum Gipfel getroffen: die "Retter" unseres Klimas. Mit "umweltfreundlichen" Verkehrsmitteln angereist, haben sie nach nächtelangen Diskussionen ein Nichtergebnis eingefahren. Wie viel CO₂-Dreck wurde durch An- und Abreise dieser Möchtegern-Weltverbesserer aus 200 Ländern in die zu schützende Atmosphäre unserer Erdkugel geblasen? Für wie naiv werden wir eingestuft, dass wir die Unfähigkeit und Ernsthaftigkeit der vermeintlich um das Überleben unseres Planeten diskutierenden Entscheider nicht durchschauen? Da hängen sich die Verantwortlichen an die Argumente der Jungschwedin Greta, um von ihrer eigenen Inkompetenz abzulenken? Hat man gesehen, welche Masse an Müll die vermeintlichen Umweltschützer auf ihrem Demonstrationsweg hinterlassen? Hat man berechnet, wie viele Schadstoffe alleine durch Neujahrs-Feuerwerke in die Luft geballert werden? Leider schauen unsere Politiker zu, weil sie wieder auf den nächsten von uns bezahlten Klimagipfel hoffen und sich vertagen - bis zum nächsten Gipfel.

Wieland Mäutner, Rosenheim

Folgen statt Ursachen bekämpfen

Für mich als wissenschaftlicher Laie ist nicht nachvollziehbar, dass ein komplexes Geschehen wie das Klima und der Klimawandel nur von einer einzigen Ursache, dem Anstieg des CO₂, abhängen soll. Deshalb erschließt es sich mir auch nicht, dass allein die Reduzierung des CO₂-Ausstoßes die Rettung des Klimas bewirken soll. Deshalb lässt es mich relativ kühl, wenn die Weltklimakonferenz nichts gebracht hat. Und ich vermute, dass Länder wie die USA oder China ähnlich denken wie ich. Mit allen menschlichen Maßnahmen kann man so etwas wie das Weltklima nicht beeinflussen, und deshalb ist jegliche Mühe vergebens. Man sollte vielmehr Schutzmaßnahmen gegen die Folgen des Klimawandels durchführen.

Peter Fendt, Marktoberdorf

Volksbefragung zum Thema

Die CO₂-Steuer trifft die arbeitende Mitte der Gesellschaft besonders hart. Die diesbezüglich gemachten Versprechungen von CDU/CSU klangen im letzten Wahlkampf anders. Die zusätzliche CO₂-Steuer auf Sprit und Heizöl führt zu drastischen Preissteigerungen an der Zapfsäule und bei der Wärmeenergie. Darüber hinaus müssen die Bundesbürger ob der Energiewende mit deutlich steigenden Strompreisen rechnen. Die Kosten steigen, ausgleichende Einkommenszuwächse dürften aufgrund einer sich zunehmend eintrübenden Konjunktur künftig hingegen eher begrenzt ausfallen.

Greta Thunberg wieder in Schweden

Greta Thunberg, zuletzt wieder in Schweden im Einsatz: Die Klimaaktivistin der ,,Friday-for-Future"-Bewegung ist Vorbild und auch manchmal Ziel der Kritik, wenn es um Debatten rund um den Klimaschutz geht.

(Foto: dpa)

Vor allem Länder wie China, Indien oder Brasilien müssten zu höheren Klimazielen verpflichtet werden. Doch wie das Ergebnis der jüngsten Klimakonferenz einmal mehr aufzeigte, weigern sich diese Staaten beharrlich, am deutschen (Klima) -wesen zu genesen. Eine Volksbefragung zur Klimapolitik wäre meines Erachtens der richtige Weg. Die Regierungsparteien sollten den Mut haben, die Menschen direkt zu fragen, ob sie deren Kurs weiter mitgehen wollen.

Alfred Kastner, Weiden

© SZ vom 24.12.2019

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