Hungersnot:Wo bleibt der Aufschrei?

In Teilen Afrikas stehen Millionen Menschen vor dem Hungertod - und kaum einer reagiert. Eine Leserin fragt, wo all die jungen Menschen mit ihren sozialen Netzwerken sind, die sich heutzutage angeblich so schnell vernetzen könnten?

Der Leitartikel "Unterlassene Hilfeleistung" vom 23. März von Isabel Pfaff zur Hungersnot in Afrika ist hervorragend. Wo sind der Aufschrei und die Aktivitäten in der Bevölkerung? Wo sind die jungen Leute, die mit ihren sogenannten sozialen Medien schnellstens reagieren könnten? Tatsächlich sind die Zahlungseingänge nach Aufruf von Hilfsorganisationen geradezu lächerlich.

Karin Schmidl, München

Gegen Raubfischerei vorgehen

Isabel Pfaff weist zutreffend auf die mangelnde Hilfsbereitschaft angesichts einer Hungerkatastrophe in Teilen Afrikas hin. Während derzeit für Länder, die Europa mit Flüchtlingen "bedrohen", Milliardensummen gesammelt werden, ist für jene, deren Menschen zu schwach für Migration sind, nichts da.

Auch aus der Ferne sollte jedoch differenziert werden: Nigeria ist ein reiches Land, das schlecht regiert - oder gut korrumpiert - wird. Der Südsudan ist seit Gründung eine Fehlgeburt, in sich zusammenfallend durch Stammeskriege. Schon seit spätestens 1991 beweist Somalia, dass Afrika kein Kontinent der Nationen, sondern der rivalisierenden Clans und Stämme ist. Am Horn von Afrika hat allein Äthiopien die Kraft gezeigt, im Rahmen seiner dünnen Möglichkeiten Vorsorge gegen die regelmäßigen El-Niño-Dürreperioden zu treffen, ist im trockenen Landesnorden jetzt aber an seine Grenzen gestoßen.

Die UN sind ihrer Aufgabe als Mahnerin gerecht geworden, ihre wohlhabenden Mitglieder hat es jedoch bisher wenig beeindruckt. Vielleicht auch deshalb, weil man inzwischen um die in teuren Hotels nächtigenden "Helfer aus dem Westen" weiß. Nur wenige private Hilfsorganisationen setzen sich von dieser teuren Helferschar ab. Nützlich im Sinne mittel- und langfristiger Hilfe zur Selbsthilfe wäre, wenn die vom Bundestag jüngst verlängerte Atalanta-Mission vor dem Horn von Afrika endlich gegen die Raubfischerei von Flotten aus reichen Nationen vorgehen würde, die der Region eine wesentliche und von Trockenzeiten unabhängige Nahrungsquelle raubt.

Dr.-Ing. Reinhold Gütter, Hamburg

Leserbriefe sind in keinem Fall Meinungsäußerungen der Redaktion. Wir behalten uns vor, die Texte zu kürzen.

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