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Grünes Gewölbe:Ausgerechnet  Dresden

Der Kunstraub in Sachsen berührt SZ-Leser. Andere Länder schützen ihre Schatzkammern besser, moniert ein Schreiber.

Grünes Gewölbe Dresden - Schmucksaal

Schmucksaal - noch unversehrt: Diese von der Staatlichen Kunstsammlung Dresden herausgegebene Aufnahme zeigt links die Vitrinen, die den Teil der Sammlung zeigen, der bei dem Kunstraub am 25. November gestohlen wurde.

(Foto: dpa)

Zu "Vom Glitzern der Geschichte" und "Das verlorene Herz" vom 27. November sowie zu "Schwarzer Montag", 26. November:

Die wertvollsten Stücke sind noch da! Die Einbrecher haben mehrere Garnituren, bestehend aus Epauletten, Prunksäbeln und Uniformknöpfen geraubt, die wertvollsten Stücke aber im wahrsten Sinne des Wortes links liegen lassen. Wären sie gescheiter gewesen, hätten sie die von dem Fenster, durch welches sie eingestiegen sind, links liegende Vitrine ausgeraubt, in welcher das Brillantcollier mit 38 großen Brillanten, die unersetzliche Perlenkette mit Flussperlen aus der Weißen Elster und die Epaulette mit dem 50 Karat Dresdner Diamanten ausgestellt sind.

Gott sei Dank, diese Prunkstücke sind noch da. Doch ein Sachverhalt bleibt unklar. Das Fenster zu dem Preziosensaal führt auf einen Innenhof. Dort muss man erst mal hineingelangen, denn das schwere Eingangsportal dürfte kaum offen gewesen sein. Da wird wohl die Wachmannschaft kritische Fragen zu beantworten haben.

Prof. Dr. Rolf Snethlage, Bamberg

Der Autor von "Das verlorene Herz" legt den Finger auf einen wunden Punkt: Dass König August von Sachsen und (nicht zu vergessen!) Polen mehr Geld in die Kunst statt ins Militär gesteckt hat, ist allemal lobenswert. Doch woher kam die Unmenge Geld für das Prachtgeschmeide? Es war zusammengerafft auf Kriegszügen und den blutarmen bäuerlichen Untertanen abgepresst. Wenn darin die beschworene "sächsische Identität" besteht - bemitleidenswert!

Hermann Engster, Göttingen

Zu dem Titel über den Kunstraub in Dresden: Mein Leistungskurs Deutsch auf dem Gymnasium Kronshagen fuhr 1988 in die DDR nach Dresden; sämtliche Eintrittskarten und Fotos habe ich aufbewahrt. Sachsen ist das Herz deutscher Geschichte, pflegte unser Geschichtslehrer zu sagen. Im identitätsstiftenden Grünen Gewölbe verdichtet sich für jeden Besucher die sächsische, ostdeutsche, gesamtdeutsche, ja europäische Frage: "Was macht Deutschland aus?" und führt zu Antworten mit historisch-kulturellem Tiefgang, während in den Straßen falsche Propheten billige Scheinantworten geben. Gerade im so oft verwundeten Dresden Geschichte zu rauben, ist an Tragik schwer zu überbieten.

Felix Evers, Hamburg

Es ist ja schon ein bisschen provinziell, das Grüne Gewölbe in Dresden als "die aufregendste Schatzkammer der Welt" zu bezeichnen. Woher weiß der Autor das? War er schon einmal in den großen historischen Museen Chinas, kennt er die Schätze der japanischen Kaiser oder der indischen Maharadschas? Oder war er mal in Moskau? Dort findet sich zum Beispiel in der Rüstkammer des Kreml tatsächlich der größte Diamantenfond der Welt mit Vitrinen, viele Meter lang, wo hinter Panzerglas Zehntausende Diamanten liegen, zu Bergen aufgehäuft, fast alle geschliffen und hochkarätig. Allein diese Steine haben meines Wissens einen Wert von weit mehr als einer Milliarde Euro und veranlassten den früheren US-Präsidenten Bill Clinton während einer Besichtigung zu der Bemerkung, dass Russland wohl niemals "pleitegehen" könne. Hinzu kommen ebenso viele "Berge" mit geschliffenen Rubinen, Smaragden, Saphiren und anderen wertvollen Edelsteinen.

Die Moskauer Rüstkammer beherbergt Gold- und Silberarbeiten und Juwelierskunst aus acht Jahrhunderten und zwar aus dem Gebiet des früheren Russischen Reiches bis in die Mongolei, über Persien, Byzanz, Georgien, Serbien bis nach Westeuropa. Dort finden sich Dutzende von Zarenkronen und Kronen anderer Herrscher, ebenso viele Throne, darunter der berühmte Diamantenthron aus Persien mit fast tausend Diamanten und kostbaren Goldornamenten. Hinzu kommen zahllose Zepter, Schwerter, Mitren, Gefäße, Gehänge, Fabergé-Eier, Ikonen und Evangeliarien, alles kostbarste Juwelierskunst und zum großen Teil übrigens angefertigt von Juwelieren aus Sachsen, Polen oder Österreich. Die Russen passen auf ihre Schätze gut auf. Die Rüstkammer ist ein palastartiges Gewölbe, Mitte des 19. Jahrhunderts eigens für das Museum erbaut. Schon ein einfacher Blick von außen zeigt, dass es hier niemals möglich ist, "durch ein Fenster" ins Innere zu steigen, so wie es die Einbrecher in Dresden getan haben.

Eliz Simon, Vellberg

© SZ vom 03.12.2019

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