bedeckt München 20°

Gesichtserkennung:Trau, schau, wem?

Apples neues iPhone hat eine Diskussion über die Gefahren der automatischen Gesichtserkennung ausgelöst. Manche Leser sehen diese Gefahren allerdings nicht als gegeben an und verteidigen den Konzern.

Cartoon iPhone

SZ-Zeichnung: Denis Metz

"Immer auf dem Schirm" vom 16./17. September und "Um Kopf und Kragen" vom 14. September:

Positives Potenzial

Beunruhigend ist doch nicht die Entwicklung von Technologie, sondern alleine deren Nutzung. Ich kann an einer Technologie, die zweifelsfrei mindestens genauso viel positives Potenzial hat wie negatives, prinzipiell nichts falsch finden. Apple Zynismus vorzuwerfen, mag eine Meinung sein. Die Begründung erscheint mir aber nicht logisch und stichhaltig. Gerade Apple kann man nur sehr bedingt vorwerfen, Daten seiner Nutzer im eigenen Interesse zu verwenden. Ich hätte mir von der Süddeutschen einen Kommentar gewünscht, der in eine ganz andere Richtung zielt: Der immense Aufwand, den Apple betrieben hat, um einen vergleichsweise kleinen Sprung in der Benutzerfreundlichkeit (Fingerprint vs. Gesichtserkennung) zu bewirken, zeigt überdeutlich, dass Smartphones bereits nach nur zehn Jahren den Zenit ihrer Entwicklung überschritten haben. Stephan Neuner, Geiselbullach

Andere gehören an den Pranger

Es ist lobenswert, ja, höchste Zeit, wenn Journalisten vor der Bedrohung der Privatsphäre durch neue Technologien - Cloud, Smartphones - warnen. Wenn sie von allen Großkonzernen jedoch ausgerechnet die Firma Apple als Beispiel vorführen, ist das zynisch oder ein Missverständnis.

Google monopolisiert weltweit mehr als 80 Prozent aller Suchanfragen, die nicht nur intimste Gedanken (sozusagen das, was hinter dem Gesicht vorgeht), sondern auch ernste Krankheiten erkennen lassen (Studie von MS Research). Das von derselben Firma entwickelte Betriebssystem Android befindet sich angeblich in mehr als 80 Prozent aller Taschen von Smartphone-Usern - Location-Tracking und Speicherung der kleinsten Bewegungen in der Konzern-Cloud inbegriffen, für die Ewigkeit. Facebook weiß die Details der sozialen Beziehungen von Milliarden Menschen, und das System übt via Whatsapp auch gehörig sozialen Druck aus, ihm beizutreten. Apple ist der einzige dieser Großkonzerne, der deutliche, erkennbare Anstrengungen macht, die Daten-Sammelei zu beschränken. Das ist weder technisch einfach noch kommerziell opportun - wie viele Analysten bemerken. Peter Resele, Gilching

Unschuld verloren

Der Bericht "Immer auf dem Schirm" suggeriert, dass die Gesichtserkennung von Apple "gut" ist, da dezentral gespeichert und nicht für Werbung genutzt, die von Facebook aber "böse", da für Werbung missbraucht. Eine - mit Verlaub - erschreckend naive Bewertung der Missbrauchsgefahren, die sich insbesondere durch die Vernetzung von persönlichen Daten auftun. Was vor 15 Jahren Science-Fiction war (zum Beispiel "Minority Report"), ist heute Stand der Technik und die Verharmlosung dessen leider Stand der Diskussion. Dabei wissen wir ja seit der Diskussion um die gesellschaftlichen Folgen technischer Innovationen, dass Technik auch isoliert betrachtet ihre Unschuld verloren hat.Manfred Bühring, Flensburg

Steueroasen sinnlos machen

"Die Apple-Steuer" vom 12. September: Das Verhalten der Internetkonzerne, unter Nutzung der Infrastruktur von Ländern wie Deutschland Milliarden zu verdienen und gleichzeitig alles zu tun, um Zahlungen an den hiesigen Fiskus zu vermeiden, ist verwerflich. Richtig ist ebenso, dass auch global tätige Industriekonzerne und Banken ihre Steuerlast durch Firmenkonstruktionen mit einem erheblichen Anteil von Briefkastenfirmen minimieren und dass diese Art der Steuerflucht Sozialstaat und Demokratie untergräbt. Der Artikel stellt auch die richtige Frage, nämlich ob nicht auch diese Industriekonzerne und Banken der Besteuerung der Umsätze am Ort ihrer Erzielung unterliegen müssten, die nach dem Willen der Finanzminister von Deutschland, Frankreich, Italien und Spanien die Gewinnbesteuerung der globalen Internetkonzerne ersetzen soll.

Im Idealfall bestünde sogar die Chance, dass durch eine konsequente Anwendung der Umsatzbesteuerung bisher erfolgreich angewandte steuerliche Konstruktionen von der Bildfläche verschwinden, weil sie sinnlos geworden sind, und somit auf lange Sicht möglicherweise die Bedeutung von Steueroasen an sich abnimmt. Zumindest jedoch sollte man die Idee einer Besteuerung der Umsätze anstatt der oder zumindest in Ergänzung zur bekanntermaßen manipulationsanfälligen Gewinnbesteuerung nicht, wie in Ihrem Artikel geschehen, von vornherein wegen nur vordergründig relevanter Abgrenzungsprobleme zum Scheitern verurteilen. Andreas Hofbauer, München

© SZ vom 23.09.2017

Lesen Sie mehr zum Thema

Zur SZ-Startseite