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Fernsehen:Musik zu laut, Dialoge genuschelt

Wieso hat man neuerdings Probleme, dem akustischen Geschehen auf dem Bildschirm ohne Anstrengung zu folgen? Kathrin Hollmer hat im Artikel "Nicht in diesem Ton" ein Thema aufgegriffen, das viele bewegt, wie diese Leserzuschriften zeigen.

Fernsehen früher, Fernsehen heute: Nicht nur das Design der Apparate hat sich verändert, auch der Ton. Und das regt viele auf.

(Foto: Westend61/mauritius images)

"Nicht in diesem Ton" vom 25. Juni:

Da hört der Spaß auf

Wir sind dankbar, dass das Thema der Unverständlichkeit von Dialogen im Fernsehen medienwirksam aufgegriffen wurde. Man kann den Befragten nur voll zustimmen und feststellen, dass es leider nur noch sehr, sehr wenige Sendungen gibt, die man mit Genuss anschauen kann. Krimis sind bei uns schon seit längerer Zeit gestrichen, da auch hier die Musik wahnsinnig laut, die Dialoge meist nur genuschelt und die Bildfrequenzen meist viel zu schnell sind. Bei den zum Teil wunderschönen Naturfilmen und Dokus übertönt die Musik und macht damit das Anschauen auch solch grundsätzlich wertvoller Sendungen bzw. Filme zur Qual! Das dauernde Laut- und Leisestellen nervt erheblich.

Auch wir haben schon oft diskutiert und gesagt: "Man" müsste sich da mal beschweren. Da wir aber von der Aussichtslosigkeit solchen Unterfangens überzeugt waren, haben wir es nie getan. Und so denken wir, dass es sehr, sehr vielen Zuschauern ergeht. Somit gibt es mit Sicherheit eine schweigende Mehrheit, die dieses Dilemma ertragen muss. Wenn hier eine wirklich weit gestreute zielgerichtete Umfrage gemacht würde, sind wir uns sicher, dass die Antworten nahezu alle in diese Richtung gehen würden: Musik zu laut, Dialoge genuschelt, kein Spaß mehr beim Fernsehen.

Familie Teine, Forstinning

Am Hörer liegt es nicht

Um die ganze Diskussion, woher die schlechte Verständlichkeit denn kommen könnte, abzukürzen, nur so viel: Vor Kurzem ein neuer Tatort mit der üblichen Unverständlichkeit von einem Drittel, unmittelbar darauf eine Tatortwiederholung von 1980 mit Bayrhammer/Fischer mit annähernd voller Verständlichkeit. Fazit: Es kann also nur an der zur Verfügung gestellten Tonqualität liegen (Stichwort: Nachsynchronisation) und nicht am Gerät oder am Hörer.

Ferdinand Maier, Passau

Dümmlich bis arrogant

Es freut mich, dass die Süddeutsche Zeitung (endlich) dieses leidige Thema aufgreift. Ich habe schon des Öfteren an TV-Redaktionen diesbezüglich geschrieben, aber entweder keine Antwort erhalten oder ähnlich wie die, die in besagtem Artikel genannt werden. Ich habe ein geübtes und erfahrenes Gehör sowie Wiedergabegeräte der neuesten Generation, deren Einstellung ich beherrsche, und muss mir, wenn sie überhaupt antworten, von Redaktionen, Verzeihung, dümmliche bis arrogante Antworten gefallen lassen.

Aber die Grundsatzfrage wird so gut wie nie gestellt: Müssen Wortbeiträge mit einem Lärm (ich weigere mich, so etwas Filmmusik zu nennen) übertüncht werden bis zur Unhörbarkeit? Neuerdings wird mit digitalen Mitteln der "Nebengeräuschlärm" derart gestaltet, dass er oft nicht zu orten ist und es sich anhört, als ob der Nachbar werkelt, tickt oder klopft. Der Rest redaktionell professionell gemachter Sendungen im hauptsächlich öffentlich-rechtlichen Bereich wird einem so verleidet. Auch ich habe schon des Öfteren Sendungen, die mich vom Thema durchaus interessiert hätten, genervt abgeschaltet.

Wolfgang Markus, Schongau

Da wollen wir nicht stören

Immer wieder werden die angeblichen Probleme diskutiert, die ältere Menschen mit dem Ton der Fernsehspiele haben. In der Tat ist die Sprach- und Sprechqualität des Fernsehspiels, speziell des "Tatorts" (mit Ausnahmen), ein ärgerliches Problem, das aber weniger bei den älteren Menschen, die vielfach ohne Mühe und Hörgerät jeder Talkshow, jedem Dokumentarfilm und jeder Kochsendung folgen können, zu suchen ist, sondern aus dem Medium selbst erwächst.

Das akustische Phänomen begann vor langer Zeit, als die Sparte Fernsehspiel sich vorgenommen hatte, den sogenannten Theaterton und seine künstlich ausgestellten Sprache abzuschaffen, um einer authentischen, beiläufigen Sprechweise Platz zu machen - dem Medium durchaus angemessen; auch im Theater selbst hat das "uneigentliche" Sprechen seinen Platz gefunden. Inzwischen jedoch hat man diese Sprechweise gnadenlos überkultiviert - die DarstellerInnen unterbieten sich geradezu darin, ihren Ton aufs Allerbeiläufigste herunterzudimmen und jeden noch so kleinen Spannungsbogen flachzunuscheln, wobei häufig die nicht stattgehabte Sprechausbildung leider als Qualität behauptet wird. Die forcierte, künstlich hergestellte, Kaumvernehmbarkeit ist auch selten in der Lage, den normalen Abstand zwischen Fernsehgerät und FernsehzuschauerIn zu überwinden, und erzeugt so das vermeintliche Hörproblem.

Das ist aber noch nicht alles. Das Ärgernis wird dadurch verstärkt, dass die flachgelegte Lautstärke immer gleichbleibend vor sich hindümpelt, so als arbeite sie mit einem eingebautem Pegelassistenten - den Fuß permanent auf der Bremse, ohne zwischendurch Gas zu geben. Sie nimmt - innerhalb der Szene - keine Rücksicht auf räumliche Nähe oder Entfernungen zwischen Personen, sie reflektiert keine Situationen, passt sich den Umgebungsgeräuschen nicht an, vernachlässigt Persönlichkeitsmerkmale und emotionale Zustände, lässt Hierarchien außer acht: Der Verhörende flüstert ähnlich gedämpft wie der Verhörte; Kollegen, die einen Schreibtisch teilen, sprechen im gleichen Plauderton wie solche, die durch Flurlängen voneinander getrennt sind; Gruppen treten in leiser Unterhaltung aus der Stille eines Museums nach draußen, wo sich der Lärmpegel erhöht, die Dialoglautstärke aber nicht - natürlich entsteht dann bei der Zuschauerin der Eindruck, sie könne der Unterhaltung wegen der zu lauten Hintergrundgeräusche nicht folgen, und natürlich wäre es realistisch, die Lautstärke des Dialogs dem Verkehrslärm anzupassen, und nicht umgekehrt. Stattdessen sitzen wir entnervt vor einem privat anmutenden Spiel des gegenseitigen Anmurmelns, Zuraunens und Flüsterns unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Da wollen wir nicht stören und schalten ab.

Birgitta Linde, Frankfurt am Main

Sprachgemisch in Talkshows

Als Angehöriger der "älteren" Generation kann ich die Angaben im Artikel bestätigen. Akustische Probleme scheiden bei mir aus, da ich schon alle Wortsendungen und Filme mit Kopfhörer verfolge. Die Hintergrundmusik ist oftmals viel zu laut, und nuschelnden SprecherInnen würde ich gerne mal den Besuch einer Sprech-Schule empfehlen. Es kommt für mich noch ein gravierendes Problem dazu: Die Talk-Shows, insbesondere die politischen. Es ist unerträglich, wenn mehr als eine Person gleichzeitig reden. Die Mitwirkenden der Talk-Runden haben dabei wohl kein so großes Problem, da sie ja den echten "Raumton" hören und die Sprecher optimal zuordnen können. Der Zuhörer am TV-Gerät bekommt aber über die beiden Stereokanäle nur ein Sprachgemisch zu hören. Ich schalte bei solchen Vorkommnissen die Sendung sofort ab. Die DiskussionsleiterInnen sollten sich um mehr Disziplin bemühen!

Dr.-Ing. Heinz Barthelmes, Kirchheim

Aufpassen wie ein Schießhund

Uns ist besonders in der allerjüngsten Vergangenheit das entsetzlich störende Ungleichgewicht zwischen sprachlichen Erläuterungen und Begleitmusik - insbesondere bei Fernsehsendungen mit breiten "epischen" Bildfolgen aufgefallen. Inzwischen sitzt derjenige von uns beiden, meiner Frau und mir, der die Fernbedienung in der Hand hat, wie ein Schießhund da, um die auf Sprechverständlichkeit eingestellte Lautstärke auf etwa ein Viertel zu reduzieren, sobald Begleitmusik ertönt. Andernfalls tötet der Lärm dieser Musik nicht nur den Sehgenuss, sondern auch jede Erinnerung an die letzten Textpassagen, deren Inhalt man sich gerne noch mal in Ruhe zu Gemüte führen würde, was wir gerne tun, zumal die Texte meist recht schnell gesprochen werden. Dass diese Notwendigkeit ständiger Lautstärkerunter- und natürlich auch wieder -hochschaltungen kein Vergnügen macht und Gesamtverständlichkeit und -genuss erheblich beeinträchtigt, muss wohl nicht gesagt werden. Öfter sind wir bereits so weit, auf die Erläuterungen zum Bild völlig zu verzichten, um wenigstens die oft sehr eindrucksvollen Bilder in Ruhe in uns aufnehmen zu können.

Dieter Maus, Weßling

Beleidigt und diffamiert

Es ist unglaublich arrogant, dass die öffentlichen Fernsehanstalten die skandalös miserable Tonqualität bei den zahlreichen TV-Filmen mit dem fortgeschrittenen Alter der Zuschauer versuchen zu rechtfertigen. Diese Personen werden pauschal als "Hör- und Sehbeeinträchtige" beleidigt und diffamiert.

Jerzy Jurczyk, München

Hinweis

Leserbriefe sind in keinem Fall Meinungsäußerungen der Redaktion. Wir behalten uns vor, die Texte zu kürzen.

Außerdem behalten wir uns vor, Leserbriefe auch hier in der Digitalen Ausgabe der Süddeutschen Zeitung und bei Süddeutsche.de zu veröffentlichen.

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© SZ vom 09.07.2018

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