Fernsehen Gegen das Blutvergießen

Frank Zeller hat in "Der tägliche Tod" die Krimiflut in den öffentlich-rechtlichen TV-Sendern beklagt. Leser und Leserinnen danken ihm für diese klaren Worte und erinnern an den Bildungsauftrag der Sender.

"Der tägliche Tod" vom 5./6. Januar:

Wenn, dann Qualitätskrimis

Wie lange habe ich auf einen Artikel wie "Der tägliche Tod" von Frank Zeller warten müssen! Er prangert völlig zu Recht an, dass Programmmacher im öffentlich-rechtlichen Fernsehen offensichtlich nur unzureichende Vorstellungen über die gesellschaftspolitischen Auswirkungen ihres Handelns haben. Undifferenziert wurde auf den Hype der Skandinavien-Krimis in der Literatur aufgesprungen; zu oft sind bei Fernsehkrimis Themen der tagespolitischen Agenda entnommen und damit Unsicherheit und Zukunftsängste verstärkend. Dazu gehört auch, dass Darstellungsweisen immer kryptischer werden (häufig Szenen im Halbdunkel, Texte werden abgewandt vom Mikro gesprochen oder von "Hintergrund"-Musik überlagert, Schusswechsel, psychisch auffällige "Aufklärer" und der Pathologie verwandte Detailaufnahmen). Damit lässt sich auch der wachsende Widerwille gegen diese Art schlechter Unterhaltung erklären. In den Hintergrund tritt der Auftrag der öffentlich-rechtlichen Anstalten, der mit dem ständigen Schielen auf "die Quote" unvereinbar ist.

Damit votiere ich nicht für eine Dauerberieselung mit Herzschmerz-Filmen und Quizsendungen oder Vorabendserien im Doppelpack im Hauptabendprogramm, sondern für Qualitätskrimis wie "Friesland", "Nord bei Nordwest", "Spreewald-krimi" und den Münsteraner "Tatort" oder "Inspector Barnaby", "Lewis" und "Commissario Montalbano". Bei ihnen sind schon beim Drehbuch Ausgefeiltheit der Rollen, Sorgfalt bei der Handlungsführung sowie Liebe zum Detail und treffsichere Auswahl der Drehorte zu erkennen. Und dabei üben die genannten Serien auch noch zum Teil beinharte Gesellschaftskritik, wie sie die Öffentlich-Rechtlichen doch unters Volk bringen möchten.

Horst-Dieter Topp, München

Mehr Mut zu Info-Sendungen

Frank Zeller hat gut herausgearbeitet, was diese Vielzahl von Krimis vielleicht mit uns als Gesellschaft macht. Ich würde gerne noch einen Aspekt einbringen: Die tägliche Vielzahl von Krimis auf allen öffentlichrechtlichen Kanälen passt nicht in deren Auftrag. Der Rundfunkstaatsvertrag regelt, dass das Programmangebot einen Beitrag zur Information, Bildung, Beratung, Kultur und Unterhaltung und damit auch zur Sicherung der Meinungsvielfalt leisten soll. Kriminalfilme fallen, wenn man es denn so sehen will, in die Kategorie "Unterhaltung".

Haben die Programmmacher überhaupt eine Vorstellung davon, wie wir als Zuschauer unterhalten werden wollen? Sicher nicht zuvorderst mit Gewaltverbrechen. Mir scheint, Krimis, ähnlich wie Talkshows und Ratespiele, sind eine preiswerte Form, Sendezeiten zu füllen. Information und Bildung kommen oft erst spät oder sehr spät am Abend, wo viele, die früh zur Arbeit müssen, längst abgeschaltet haben. Als von unseren Gebühren finanzierte Anstalten dürfen sich ARD und ZDF nicht nur an Einschaltquoten orientieren. Der ZDF-Zweiteiler "Chinas neue Seidenstrasse", um 20.15 statt um 23 Uhr gesendet, hätte gut dazu beitragen können, unser deutsches Bild von China zu verändern. Die Erkenntnisse der ARD-Dokumentation "Das Diesel-Desaster" haben vermutlich viele Dieselfahrer erstaunt, sofern sie bis 21.45 Uhr ausgeharrt haben. Ich wünsche mir von den Öffentlich-Rechtlichen mehr Mut, Wissenswertes und Interessantes statt Krimis zur Hauptsendezeit zu bringen.

Dr. Herbert Lippmann, Starnberg

Buch statt Film

Blutige Ostern (Weihnachten, Pfingsten) wünscht die den Feiertagskrimi ankündigende nette Dame. Ich kann mich nur noch ärgern über die Unverschämtheit, mit der ARD und ZDF mich als süchtig nach Mord und Totschlag einschätzen. Früher konnte ich zu den Kultursendern oder den dritten Programmen umschalten, aber bei denen wird auch fest gemordet. Lachhaft die Behauptung, man könne gesellschaftliche Probleme nur in einen Krimi - oder gleich mehrere Krimis an einem Abend - verpackt vermitteln. Diese Verbrechensflut sagt mehr über Medien und Medienmacher als über die Zuschauer, die das angeblich unbedingt sehen wollen. Nein, das wollen sie nicht! Und auch wenn ich Krimifan wäre, würde mir das offenbar gewollte, angeblich authentische unverständliche Genuschel der Schauspieler den Mordsspaß verderben.

Deutschland, so wird dem Zuschauer vermittelt, ist ein Land, in dem man ständig um Leib und Leben fürchten muss. Wozu zahle ich eigentlich Gebühren? Da war doch mal was mit 'Bildungsauftrag'. Noch nie hab ich so viel gelesen!

Eva Berberich, Höchenschwand