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Ein Jahr Trump:Zwitschern und Fakten schaffen

Der US-Historiker Timothy Snyder hat jüngst in einem Interview über das erste Jahr unter US-Präsident Donald Trump behauptet, dieser wolle die Politik zerstören. Die Reaktionen der Leser fallen unterschiedlich aus.

Davos 2018. Illustration: Chappatte in The New York Times

"Ohne Zukunft" vom 16. Januar, Interview mit dem amerikanischen Historiker Timothy Snyder:

Willkommen in Europa

Timothy Snyder hat es auf den Punkt gebracht: Der 45. US-Präsident versucht sich als Zauberer, als Magier. Zauberer lenken ab, Zauberer täuschen, um ihre Kunststücke glaubhaft zu machen. Donald Trump lenkt uns ab mit seinen Tweets (wörtlich: Vogelgezwitscher). Er täuscht uns mit seiner Behauptung (als Beispiel), er sei kein Rassist. Und währenddessen schafft er Tatsachen. Er besetzt die Leitungen unliebsamer Behörden gar nicht oder er besetzt sie mit Saboteuren. Er kürzt die Mittel solcher Behörden. Über die Steuerreform kürzt er dem Staat insgesamt die Mittel. So wird er ihn nahezu abschaffen. Er wird wiedergewählt werden. Da wird den Republikanern schon etwas einfallen. Derzeit schneidet die "Grand Old Party" Wahlkreise nach ihren parteilichen Bedürfnissen zu ("Gerrymandering"). Laden wir also schon jetzt und ganz offen wissenschaftlich, unternehmerisch, künstlerisch und politisch begabte und ehrgeizige Menschen auch aus den USA ein nach Europa. Sie werden ab November 2020 eine neue Heimat brauchen. Und Europa wird daraus neue Kraft ziehen. Michael Odenthal, Kiel

Gespalten - seit Jahren

Timothy Snyder führt die "Spaltung" der amerikanischen Gesellschaft auf Trump zurück. Dies ist falsch. "Divisiveness" bis in den privaten Bereich (viele Demokraten lehnen Republikaner als Freunde ab) nimmt seit Jahren zu und hat Trump erst ermöglicht. Statt inhaltlicher Auseinandersetzung wird auch von Demokraten dem Gegner moralisches Versagen vorgeworfen. Wer Clinton, Obama oder Globalisierung ablehnte, wurde und wird als Sexist, Rassist oder Nationalist bezeichnet, obwohl es auch Argumente gegen deren Politik und die Globalisierung gibt.

Timothy Snyders Satz "Was die Juden 1930 waren, sind heute die Muslime" sollte nicht unkommentiert stehen bleiben. Dr. Holger Schmidt-Endres, Gröbenzell

Tägliche Qual

Für an Politik interessierte Menschen ist es ja leider unumgänglich, die wohlinformierten Artikel der SZ über die derzeitige Regierung in Washington zu lesen. Insbesondere Hubert Wetzels Berichterstattung empfinde ich als sehr wertvoll, da sie mir als Leserin englischsprachiger Zeitungen doch immer wieder eigenständige Sichtweisen eröffnet. Als quälend empfinde ich jedoch, dass fast jeder Artikel, in dem Donald Trump vorkommt, mit seinem Gesicht bebildert ist. Über seine gefährliche Ignoranz, Boshaftigkeit und seinen Hang zum Autoritären zu lesen, ist erschreckend, aber notwendig; diese schlechten Eigenschaften in seinem Gesicht gespiegelt zu sehen, ist jedoch eine tägliche Qual ohne jeglichen Erkenntnisgewinn. Sie sollten einmal sehen, mit wie viel Mühe bei uns am Frühstückstisch Zeitungen gefaltet und Tablets abgedeckt werden, nur um diesen Anblick zu vermeiden! Da außerdem bekannt ist, dass Trump Zeitungen vor allem daraufhin absucht, ob sein Konterfei darin zu finden ist, könnten Redaktionen weltweit zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen, wenn sie auf Abbildung seines Gesichts verzichten würden: Der Blutdruck der Leserinnen und Leser würde merklich sinken, seine Enttäuschung hingegen steigen. Sabine Hagenauer, München

Erfolgsstory für die USA

Trotz der in Deutschland zum größten Teilen negativen einseitigen Berichterstattung über die bisherige Amtszeit des US-Präsidenten Donald Trump bringen es weltweit immer mehr Berichterstatter auf den Punkt: Ein Jahr Trump ist eine Erfolgsstory für die USA. Wirtschaftswachstum auf über drei Prozent, die Börsen plus 30 Prozent, eine Steuerreform mit drei Steuersätzen, zwölf - 25 - 35 Prozent, Steuerfreibetrag für Ehepaare: 24 000 US-Dollar, Körperschaftsteuer auf 21 Prozent gesenkt. Dadurch bedingt, ist unter anderem der Mindestlohn von neun auf elf US-Dollar gestiegen. Und die US-Firmen investieren kräftig - ins eigene Land. Das überteuerte Obamacare wurde gestoppt und ist in Überarbeitung.

Außerdem wurde aus nachteiligen Handelsabkommen wie TPP und Nafta ausgestiegen. Es gibt verbesserte Grenzkontrollen. Die illegale Einwanderung wurde reduziert und die Abschiebung Illegaler verbessert. Mögen sich Angela Merkel und Martin Schulz an dieser Dynamik zum Wohle der eigenen Bevölkerung ein Beispiel nehmen! Markus Kraemer, Riegelsberg

© SZ vom 25.01.2018
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