Deutschlandhaus Gelebte Stadtidentität

Was das Deutschlandhaus in Hamburg für die Hansestadt bedeutet, lassen diese Leserzuschriften erkennen.

Deutschlandhaus Hamburg, hier ein Bild von 2001: Das 1929 gebaute Gebäude soll abgerissen werden.

(Foto: Wolfgang Meinhart, Hamburg/CC BY-SA 3.0)

"Stadtplanung mit dem Taschenrechner" vom 16. Februar:

"Freie und Abrissstadt Hamburg". Dieses dem Museumsdirektor Alfred Lichtwark zugeschriebene Bonmot fiel schon vor über einem Jahrhundert. Zwischen damals und heute stehen, so möchte man vermuten, ein geschärftes Bewusstsein für die historische Identitätsstiftung von geglückter Architektur und ein moderner Denkmalschutz, wenn auch mit gebremster Durchsetzungskraft. Till Brieglebs erfreulich pointierte Abrechnung mit den Nutznießern des geplanten Abrisses von Fritz Blocks und Ernst Hochfelds Deutschlandhaus (1929) am Gänsemarkt belehrt freilich eines Schlechteren. Sie richtet sich gegen eine unheilige Trias aus Denkmalamt, das nach Bombardierung und dilettantischer Nachkriegsrestaurierung des Bauwerks die beiden Architekten ein zweites Mal - zuerst ins Exil, nun mit ihrem künstlerischen Erbe - aus der Stadt verjagt, aus einer Immobiliengruppe, die mit ihren Nutzungsinteressen das Wort von einer Investoren-Architektur machtvoll demonstriert, und einem in jeder Hinsicht gut etablierten Architekten, der sich anscheinend ohne schlechtes Gewissen auf das noch abzuräumende Grundstück setzt.

Das Schlimmste freilich ist, dass für den Betrachter der in seiner Breitenwirkung beeindruckende "Dialog" zwischen Fritz Schumachers Pfeilerfassade der Finanzbehörde und den konvex geschwungenen Fensterbändern des gegenüber liegenden Deutschlandhauses verloren geht. Es ist ein Bild, das sich wohl den meisten Passanten des belebten Platzes tief eingeprägt hat und dessen Verlust ein Stück gelebter Stadtidentität zerstören würde. Prof. Johann N. Schmidt, Bad Oldesloe

Sirenengesänge der Investoren

Ich bin in Hamburg geboren, und der Anblick der geschwungenen Fassade des zeitlos modernen Deutschlandhauses war schon in Kindertagen ein bleibender Eindruck. Dass den Sozialdemokraten in der Hamburger Regierung dieses Gebäude anscheinend egal ist, mag betrüblich sein. Es ist verständlich, wenn man das leider immer noch gestörte Verhältnis weiter Teile dieser Partei zu den verschiedenen Manifestationen moderner und traditioneller Kultur bedenkt. Dass aber eine solche, wenn man Till Briegleb folgt, an sämtlichen Instanzen der Öffentlichkeit vorbei dirigierte Verschandelung der ohnehin gebeutelten Hamburger Innenstadt gerade an dieser Stelle (siehe die Bebauung der Nordseite des Gänsemarkts) mithilfe der Grünen zustande kommt, ist eine Schande. Es gereicht der moralischen Autorität dieser Partei nicht zur Ehre, wenn ein nicht wieder gut zu machender Eingriff in das Stadtbild der Hansestadt mit Methoden durchgesetzt wird, die von einer tiefen Verachtung gegenüber der bürgerlichen Öffentlichkeit und einer schändlichen Hörigkeit gegenüber den Sirenengesängen moderner Investoren inspiriert sind. Heinrich von Berenberg, Berlin

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