bedeckt München

Davos:Trump und andere Enttäuschungen

Der Weltwirtschaftsgipfel brachte viele Themen - und einen unvergleichlichen Auftritt: Der US-Präsident drohte Europa mit Zöllen und machte Marketing für sein Land. Klimaschutz? Nicht ohne Deal - SZ-Leser finden das sehr befremdlich.

2020 World Economic Forum in Davos

Er kam, sprach und hob den Daumen: US-Präsident Donald Trump, dessen Auftritt in Davos manche ganz anders beurteilten als er selbst.

(Foto: Jonathan Ernst/Reuters)

Zu "Handelsstreit auf offener Bühne" und "Habeck darf das" vom 23. Januar sowie zu "Trump: Wachstum vor Klimaschutz" vom 22. Januar:

Europa geht den USA auf den Leim

In Davos fand Frau von der Leyen starke Worte. Welche Taten diesen folgen, wird man sehen. Über die Androhung von Strafabgaben auf Importe von Klimasündern dürften sich die US-Amerikaner jedoch ins Fäustchen lachen. Hier sind die Europäer Donald Trump als notorischem Leugner des Klimawandels auf den Leim gegangen. In den nun anstehenden Verhandlungen um ein Handelsabkommen wird es nicht mehr um Zölle auf Autos oder Sojabohnen gehen. Die Amerikaner werden Maßnahmen zum Klimaschutz gegen Handelserleichterungen für ihre Exporte verhandeln. Das heißt, die USA, der größte Umweltverschmutzer auf diesem Globus, werden Europa und den Rest der Welt dafür bezahlen lassen, dass sie ihre Emissionen reduzieren. Und wenn wir das Klima stabilisieren wollen, haben wir gar keine andere Wahl, als die Bedingungen der Amerikaner zu akzeptieren.

Dr. Rainer Götz, Moers

Die große Alibi-Rede

Wenn das deutsche Sprichwort "Eigenlob stinkt" richtig ist, bedurfte es bei der Eröffnungsrede des US-Präsidenten zur Jahrestagung des Weltwirtschaftsforums in Davos einer sehr potenten Klimaanlage im Saal, um die Anwesenden vor Schäden zu schützen. Was Herr Trump da von sich gab, war nichts anderes als der Versuch eines Alibis für die "Sachbeschädigungen", die seine zerstörerische Regentschaft seit seinem Amtsantritt der Umwelt und der Weltwirtschaft zugefügt hat. Eine Steuerreform, die nur den Superreichen und der Industrie dient; ein Einwanderungsgesetz, das man getrost als "Lebensraum und Arbeit in den USA nur für Weiße" bezeichnen darf; die Aufkündigung internationaler multilateraler Abkommen über Klima- und Naturschutz; die Missachtung der Rechte der First Nations und Zerstörung von deren Lebensräumen und heiliger Erde zugunsten skrupelloser Ausbeutung durch gewissenlose Konzerne; sowie eine Außenwirtschaftspolitik, die man als den Versuch eines totalen Handelskrieges bezeichnen kann. In der Summe ist dies eine grausame politische Blutspur, die dieser Mann hinter sich her zieht.

Die Wahrheit aber, vor der er und fast die Hälfte der wahlberechtigten Amerikaner die Augen verschließen, sieht anders aus. Der Job-Motor sprang schon unter Präsident Obama an, Kohle und Stahl werden nur kurzfristig einen Höhenflug erleben. Zechen und Produktionsstätten werden schließen, sobald sie trotz massiver staatlicher Subventionen unrentabel werden, das wird wieder als erstes die Einwohner des Rust belt treffen.

Und ein Umsteuern hin zu einer verantwortlichen Umwelt- und Wirtschaftspolitik ist nicht in Sicht, solange Herr Trump Präsident ist und die republikanischen Kongressmitglieder sich in ihrer Vasallentreue so verhalten wie die Delegierten der russischen Föderationsversammlung gegenüber dem Präsidenten Russlands, Wladimir Putin.

Wilhelm A. Plösser, Bordelum

Habecks klare Ansage war richtig

Habeck darf das, und andere müssten es auch tun. Bei Trump, Erdoğan oder Orbán muss Tacheles geredet werden. Da hilft kein vorsichtiges diplomatisches Geschwurbel, sondern eine klare Sprache, die Dinge beim Namen nennt. Vieles wird um des "lieben Friedens willen" so verklausuliert, dass berechtigte Kritik beim politischen Gegner nicht ankommt oder gar nicht erst wahrgenommen wird. Gemäß dem Sprichwort "auf einen groben Klotz gehört ein grober Keil" ist gerade beim amerikanischen Präsidenten eine klare Ansage nötig. Leider gibt es heute kaum mehr politisch Verantwortliche, die sich klar und deutlich äußern. Und wenn es einer tut - wie Habeck, der die Rede Trumps in Davos "ein einziges Desaster" nannte - wird er sofort an den Pranger gestellt.

Manfred von Kölln, Dortmund

Der Kaiser ist nackt!

Schon mal was gehört vom Märchen "Des Kaisers neue Kleider"? Endlich traut sich jemand zu sagen: "Aber er hat ja nichts an!" Ich bin froh über den Mut von Habeck, klar zu sagen, was definitiv Sache ist. Trump ist ein Desaster und alle weltweit wissen es.

Dr. Renate Vollertsen, Olching

Aufs Wesentliche konzentrieren

Ich halte nichts davon, alles zu personalisieren. Es geht nicht um Donald oder Greta. Es geht um ein Sachproblem. Da hilft auch nicht die gern geübte Kosten-Risiken-Abschätzung. Unser Risiko in manchem Fall ist gleich null, trotzdem schließen wir Versicherungen dazu ab. Vor 75 Jahren war alles kaputt, es gab die Stunde null, man konnte mit dem Wiederaufbau beginnen. Aber was ist in 75 Jahren? Angenommen, Deutschland würde binnen fünf Jahren Erfolge beim CO₂-Ausstoß vorweisen, damit übrige Staaten sich das fünf Jahre lang ansehen und in weiteren fünf unserem Beispiel folgen, wobei sich endlich nach 20 Jahren die erwünschten Ergebnisse einstellen. Das ist doch extrem unwahrscheinlich.

Wir sollten vom Ergebnis her denken. Die Stunde null, ab der man mit dem Wiederaufbau beginnen könnte, wird es diesmal nicht geben. Was wird am Ende des Krieges gegen die Natur übrig sein? Wie unwichtig ist da die Diskussion, ob das Wort Hysterie angebracht ist? Wie viel Zeit zur Reaktion man wohl noch hat? Ob der Klimawandel menschengemacht ist und wer Schuld hat? Wer das tut, schreibt (falls er könnte) auch auf seinen Grabstein "Ich hatte Vorfahrt".

Otto Große-Mühl, Bramsche

© SZ vom 06.02.2020
Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema