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Dackel:Last uns auf dem Land!

Der Artikel "Lange nicht gesehen" hat Dackelfreunde zu ungewöhnlichen Einsendungen inspiriert. Zum Beispiel zu obiger Zeichnung.

Der Artikel "Lange nicht gesehen" vom 3./4. September von Hilmar Klute über die Wiederkehr der Dackel hat uns einen besonderen Leserbrief beschert:

Lieber Herr Klute,

gestatten Sie, dass ich mich zunächst vorstelle. Mein Name ist Janus von der Ilkahöhe, ich wurde am 16. November 2007 in Bertikow in Mecklenburg-Vorpommern geboren und lebe heute in Niedersachsen, wo ich zusammen mit meinem weit verwandten Freund Ruben von der Ilkahöhe in der Ganztagsbetreuung von zwei netten, aber artspezifisch minderbegabten Menschen meine Vollzeitaufgabe gefunden habe.

Dass Sie sich die Mühe gemacht haben, uns auf eine ganze Seite dieser renommierten Zeitung zu bringen erfreut mich zum einen, zum zweiten ärgert es mich ein bisschen und zum dritten macht es mir Sorgen. Es erfreut mich, dass wir, nachdem Kollegen von Ihnen uns zum Spießerhund degradiert hatten, wieder positiv wahrgenommen werden. Wobei es auch sein Gutes hatte, dass wenige meiner Kollegen unglücklicherweise an Menschen gerieten, die für sie keine Aufgabe hatten, außer sie spätabends unbeschadet nach Hause zu bringen. Was taten sie? Sie passten sich an, lagen auf dem Sofa, aßen ungesunde Dinge und wurden fett.

Ich kann auch Ihrer Darstellung unserer Charakterfestigkeit durchaus Positives abgewinnen, aber dann verlieren Sie meine Zustimmung auch schon. Wie Sie richtig schreiben, werden wir auch als Dachshunde bezeichnet, das heißt, eine unserer originären Aufgaben ist die Jagd im Dunkeln unter Tage, auf Wesen, die zirka zwei bis dreimal so schwer sind wie wir und sich zu wehren wissen. In dieser Situation muss ich selbstständige Entscheidungen treffen, sonst bin ich schnell in Lebensgefahr, da ist es doch natürlich, dass ich Aufforderungen - Befehle will ich es nicht nennen - von einem Wesen, das nahezu nichts riecht, nichts hört und nichts sieht, kritisch hinterfrage.

Hätten Sie einmal in den sogenannten Rassestandard geschaut, wäre Ihnen auch die Sache mit den vier Kilogramm Körpergewicht nicht unterlaufen. Als Teckel vom Normalschlag darf ich etwa neun Kilogramm wiegen, athletisch, wie ich bin, fand der Ausstellungsrichter auch 9,8 Kilogramm okay. Sorgen macht mir, dass zu befürchten ist, dass wir demnächst das Schicksal dieser Handtaschenpinkler auf Festivals und Vernissagen teilen sollen. Dazu sind wir ungeeignet. Wir werden, nicht artgerecht gehalten, schnell neurotisch, aggressiv und wer uns einmal lächeln gesehen hat, ahnt, dass dann rasch Arbeit für die plastische Chirurgie entstehen kann.

Also lasst uns auf dem Land, gebt uns ausreichend Aufgaben entsprechend unserer Fähigkeiten, sorgt dafür, dass wir jeden Tagen mindestens acht bis zehn Kilometer laufen können und tragt uns die Treppen rauf, sonst ruinieren wir uns die Bandscheiben. In diesem Sinne

Ihr Janus von der Ilkahöhe

(Nebenbei: Mein Mensch heißt Dr. Wolfgang Hahm aus Duderstadt)

Leserbriefe sind in keinem Fall Meinungsäußerungen der Redaktion. Wir behalten uns vor, die Texte zu kürzen.

Außerdem behalten wir uns vor, Leserbriefe auch hier in der Digitalen Ausgabe der Süddeutschen Zeitung und bei Süddeutsche.de zu veröffentlichen.

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