bedeckt München 19°
vgwortpixel

Bruno Jonas:Kein Witz, schlechtes Thema

Der Kabarettist hat abgerechnet mit allen, die den "Weltuntergang" herbeireden, sei es ob des Klimawandels oder anderer Schlechtigkeiten. Manche SZ-Leser fanden die Satire unpassend.

Zum Kommentar "Hilfe, mir fehlt das Panik-Gen!" vom 30./31. März:

Bravo, Bruno Jonas! Endlich schriftlich ein Vorschlag, wie man trotz der freitäglichen Versäumnisse der ungeliebten Mint-Fächer das Klima rettet. Es gibt Bereiche im gesellschaftlichen Zusammenleben, die mit dem schönen Wort "Pflicht" belegt sind: Schulpflicht, Steuerpflicht, Meldepflicht. Und es gibt immer "coole" Menschen, die diesen Pflichten nicht nachkommen. Sehr bewundernswert. Als coole Frau möchte ich vorschlagen, für Equal Pay - also die finanzielle Gleichbehandlung von Frauen und Männern im Job - zu demonstrieren; und zwar mit einem monatlichen zwanzigprozentigen Steuerstreik. Wenn Schüler zwanzig Prozent Schulzeit bestreiken dürfen und dafür gelobt werden, will ich das auch und zwanzig Prozent Steuern einbehalten - wäre ja keine Steuerhinterziehung, sondern ein von der Politik beklatschtes bürgerliches Engagement. Schade, dass es keine Arbeitspflicht gibt, sonst hätten die Schüler in der Schule sicher was fürs Leben gelernt und könnten zwanzig Prozent ihrer späteren Arbeitszeit für Demos gegen all die Versäumnisse der Weltpolitik verwenden. Was gäbe es da für Beifall seitens der sonst so uncoolen Arbeitgeber für so viel politisches Engagement.

Gabi Baderschneider, Sinzing

Ist das modernes Kabarett? Überhebliche Zynismen über Menschen, die Angst um die Zukunft der Menschheit haben? Autor Bruno Jonas "fasziniert", dass "adoleszente Intellektuelle ... Angst vor dem Weltuntergang" haben. Und er "bedauert" völlig unglaubwürdig, dass ihm das "grüne Panik-Gen" fehlt. Es soll wohl lustig sein, dass er klagt, seine Empathie-Fähigkeit mit dem Zustand von Menschheit und Erde verloren zu haben.

Georg Gerwing, Bielefeld

Bruno Jonas gehört zu jener Riege furioser Passauer Kabarettisten, die über Jahrzehnte hin dem Spießer jeder Couleur die unverdiente Ruhe raubten. Es enttäuscht mich daher nicht wenig, dass Jonas mit seiner dreispaltigen Glosse zur Klimakatastrophe einen egozentrischen Text vorlegt. Jonas' Expektoration läuft darauf hinaus: Die Klimakatastrophe, so sie denn kommen will, ist mir wurscht. Der gut situierte Glossenautor befindet sich deutlich jenseits der Lebensmitte und hat keine Lust mehr, sich auf den Faktenkonsens der ernst zu nehmenden Wissenschaft einzulassen. Jonas spart sich auch die Empathie für die vom Klimawandel bereits jetzt fatal Getroffenen und für die heranwachsende Generation. Stattdessen planscht er kokett in eigener Befindlichkeit herum. Die jungen Protestierer werden als Schulschwänzer und "Thunberg-Truppen" abgetan. Die Glosse endet mit Witzeleien über unterstützende Streikmöglichkeiten für Kabarettisten, Journalisten, Chirurgen, Richter. Schade, dass die SZ dafür Zeitungspapier verschwendet!

Alfons Kitzinger, Bogen