bedeckt München 17°
vgwortpixel

Artenschutz:Wir Menschen haben es in der Hand

Ein wenig Resignation schwingt bei SZ-Lesern mit, die das Artensterben kommentieren. Einige sehen das Wachstumspostulat als Ursache dafür, dass Artenvielfalt und auch Klimaschutz in der Politik zu wenig priorisiert werden.

SZ-Zeichnung: Michael Holtschulte

Zu den Artikeln "Die Zwillingskrisen" vom 8. Mai sowie "Eine Million Arten vor dem Aussterben" und "Vom Menschen verdrängt", beide vom 7. Mai:

Unselige Sachzwänge

Die Politik wird leider von einem Gespinst von Sachzwängen gelähmt. Infolge der Globalisierung befinden sich die Länder in einem harten Wettbewerb um Arbeitsplätze. Man benötigt zum einen Investitionen (Gewerbe- und Industrieansiedlungen) und zum andern Marktanteile für den Absatz der Erzeugnisse. Daher unterstützt die Politik intensiv ihre Champions auf dem Weltmarkt. Der deutsche Rüstungsetat wird meines Erachtens nur deshalb aufgebläht, weil US-Präsident Trump es fordert, und weil er gleichzeitig unserer Automobilindustrie durch Importzölle schaden kann.

Die unseligen Sachzwänge fordern auch niedrige Steuern und Umweltstandards. Denn so ist man auf dem Weltmarkt konkurrenzfähiger und internationale Investoren werden angelockt. Wirtschaftlich schwächere Länder und die Umwelt kommen dabei unter die Räder. Daher muss dem globalen Konkurrenzkampf eine globale Zusammenarbeit übergeordnet werden, bei der die Erhaltung der Lebensgrundlagen höchste Priorität hat.

Hans Oette, Neuenstadt

Interessengeleitete Trägheit

Es ist höchste Zeit, dieses Thema auf die ersten Seiten der Medien zu stellen. Großen Dank dafür an Tina Baier und all die anderen Journalistinnen, die hier schon geraume Zeit klare Aussagen treffen.

Politiker verwenden in Interviews ja gerne die Formulierung des "Nach-vorne-Bringens". Vor dem Artensterben und dem Ungeheuerlichen, das dieses für das gesamte Lebensgefüge auf unserem Planeten bedeutet, warnen lokale, regionale und globale Experten schon seit Jahrzehnten. Vergeblich. Denn unsere Entscheidungsträger scheinen an dieser Stelle von einer erheblichen, interessengeleiteten Begriffsstutzigkeit geschlagen zu sein. Ich fürchte, das wird sich auch durch den nun erschienenen Bericht des Weltbiodiversitätsrates nicht groß ändern. Weiterhin dürften bei ihnen Wirtschaftswachstum und Geschäftsinteressen "vorne" stehen, Artenschutz wird von ihnen wohl weiterhin eher als ein Thema für romantische Tierfreunde, streikende Schüler und handzahme Umweltministerinnen belächelt werden.

An Aufgaben wie Selbstbegrenzung und Wachstumsverzicht werden sich die Regierenden so bald nicht herantrauen, auch wenn die intelligenteren unter ihnen allmählich ahnen dürften, dass wir darum längst nicht mehr herumkommen.

Hans-Georg Folz, Engelstadt

Wachstumswahn

Weder Klimawandel noch Artensterben werden sich aufhalten lassen, wenn sich die Menschheit nicht allerschleunigst von ihrem Wachstumswahn verabschiedet. Am wichtigsten wäre dabei, das demografische Wachstum zu stoppen. Denn wie soll es gehen, dass bald neun, zehn oder noch mehr Milliarden Menschen den Globus bevölkern, ohne dass auch alle Sparten der Wirtschaft ungebremst weiter wachsen? Das Bevölkerungswachstum aufzuhalten erscheint mir aber unmöglich - schließlich bilden wir Menschen uns ja ein, wir seien ein Riesengewinn für die Schöpfung. Dabei sind wir auch ihre größte Bedrohung.

Ute Heidbrink, Berlin

Es ist fünf nach zwölf

Der Mensch, der kann nur menschlich handeln, das heißt, der Mensch ist und bleibt in seiner Handlungsweise der "große Egoist". Der Mensch will alles, und am besten alles gleich; einfach rund um die Uhr (verfügbar), und dazu noch in reduziertem Sonderangebot.

Längst ist es fünf nach zwölf, aber der Mensch macht weiter, als sei es noch weit vor zwölf Uhr. Der Mensch betoniert die Welt dicht, holzt die (Ur-)Wälder ab, fliegt wie besessen rund um die Welt, bläst Unmengen von Kohlendioxid in die Atmosphäre - und jammert dann über den jämmerlichen Zustand der Erde. Der Mensch ist ein Weltmeister im Verdrängen und im ständigen Erfinden von Ausreden.

Klaus P. Jaworek, Büchenbach

Die Natur braucht uns nicht

Das Artensterben auf der Welt geht rasant weiter, und schuld ist der Mensch, aber die Spezies Mensch stirbt nicht aus, es werden täglich mehr. Wenn der Herrgott gewusst hätte, was der Mensch mit seiner schönen Welt alles anstellt, hätte er wahrscheinlich diesen Adam nicht erschaffen und aus der Rippe nicht die Eva.

Wir Menschen sind ja noch gar nicht so lange auf der Welt, haben aber schon viel kaputtgemacht und bisher noch nichts aus unseren Fehlern gelernt. Die Natur braucht uns Menschen nicht, aber wir brauchen die Natur, also versuchen wir doch das, was noch von ihr übrig geblieben ist, zu retten.

Georg Bankl, Trostberg

Der Mensch ist Egoist

Arten- und Klimaschutz-Konferenzen sind leider zum Scheitern verurteilt, weil das Interesse der Menschen dem kurzfristigen Egoismus und nicht der Nachhaltigkeit gilt. In der amerikanischen Verfassung ist das Recht, seine Mitmenschen und die Umwelt auszubeuten, sogar mit dem Euphemismus Pursuit of Happiness  verbrieft.

Michael Schnell, Krefeld

Club of Rome wusste es früh

Jetzt quellen die Medien wieder über, und in den Talkshows labern uns die Inkompetenten und die Feigen wieder die Ohren voll. Und keiner hat die Courage zu sagen, was Sache und seit 50 Jahren (Club of Rome) bekannt ist: nämlich, dass wir 7,63 Milliarden zu viele sind! Es tut mir leid, Greta.

Ferdinand Maier, Passau

Leugner halten Klimaschutz auf

Noch immer gibt es Personen, die den raschen Klimawandel und die Beteiligung des Menschen leugnen. Es ist zu erwarten, dass auch diese Personen es leugnen werden, wenn Millionen Tierarten (Insekten) vom Aussterben bedroht sind. Dass der Mensch daran mit Sicherheit nicht unschuldig ist, liegt auf der Hand. Die Ignoranz dieser Menschen, die die Zusammenhänge leugnen, und ihr engstirniges Verhalten tragen aber dazu bei, dass der Umwelt- und Klimaschutz nur schleppend oder überhaupt nicht vorankommt!

Es sei diesen Menschen zu sagen, wenn es die Insekten irgendwann nicht mehr gibt, dann ist auch das Ende des Menschen programmiert!

René Osselmann, Magdeburg

Hinweis

Leserbriefe sind in keinem Fall Meinungsäußerungen der Redaktion. Wir behalten uns vor, die Texte zu kürzen. Bei Veröffentlichung werden Vor- und Nachname sowie Wohnort benannt.

Außerdem behalten wir uns vor, Leserbriefe auch hier in der Digitalen Ausgabe der Süddeutschen Zeitung und bei Süddeutsche.dezu veröffentlichen.

forum@sueddeutsche.de

Debatte online

Liebe Leserinnen und Leser, diskutieren Sie auch heute mit uns über aktuelle Entwicklungen:

Sollten wir alle fürs Klima streiken? sz.de/streikklima Darf man noch fragen: Woher kommst du? sz.de/herkunft In welchen Fällen sollten Eigenbedarfsklagen erschwert werden? sz.de/eigenbedarf

Eine Übersicht unseres Diskussionsangebots im Netz finden Sie unter: sz.de/leserdiskussion.