Afghanistan II:Unwürdiger Umgang mit den Helfern

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Einige SZ-Leser wünschen sich, dass Afghanen, die ob ihrer Mitarbeit bei der Bundeswehr von Taliban bedroht sind, zügig nach Deutschland reisen dürfen.

Zu "Deutschland lässt seine Helfer im Stich" vom 5. Juli sowie zu "Ich habe Angst", Gastbeitrag von Ahmad Jawil Sultani vom 2. Juli:

Der Artikel von Herrn Sultani über den Abzug der Deutschen aus Afghanistan unter Zurücklassung ihrer gefährdeten afghanischen Mitarbeiter erinnert fatal an den Abzug der Amerikaner aus Vietnam. Die afghanischen Mitarbeiter nun ihrem Schicksal zu überlassen, ist beschämend für die Bundeswehr und eine Schande für Deutschland.

Regine Beyer, Kl. Nordende

Für die Taliban sind die Leute in Afghanistan, welche mit den Armeen der "Interventionstruppen" zusammenarbeiteten, Kollaborateure! Wer erinnert sich noch an die Rache der Franzosen an ihren Kollaborateuren mit der deutschen Wehrmacht? Nicht nur der Regierungspräsident, Tausende von Zivilisten wurden "hingerichtet". Oder das Urteil gegen Marschall Philippe Pétain: Vor 60 Jahren wurde der ehemalige Kriegsheld wegen seiner Kollaboration mit den Nazis verurteilt. Auch die Engländer lieferten russische Kollaborateure mit Weib und Kind an Russland aus. Keiner überlebte! Fazit: Kollaborateure sind die Folgelasten des Militärs, deshalb ist das Verteidigungsministerium zuständig. Das gilt auch für den Einsatz in Mali. Wo ist die Vorsorge? Das Im-Stich-Lassen ist eines der fiesesten Kriegsverbrechen!

Ludwig Stemmer, München

Jahrelang hat da ein junger Mann den deutschen Soldaten in Afghanistan geholfen, sich in dem Land zurechtzufinden - und dann lässt man ihn fallen wie einen Niemand, dessen Schicksal Deutschland nicht mehr interessiert. Einen Mann, der zu Beginn seiner Übersetzertätigkeit für die Deutschen sich auf deren Zusage verlassen hat, man werde "überall zusammen hingehen - was uns passiert, passiert auch dir". Der stattdessen zurückgelassen wurde, der mit Folter und Tod rechnen muss, sobald die Taliban den Rest des Landes einnehmen. Als Deutscher ist man zutiefst beschämt über ein derart skandalöses Vorgehen. Deutschland will ein Rechtsstaat sein, ein christlicher obendrein. Das, was die Regierung hier tut, spricht allen Vorstellungen von Rechtsstaatlichkeit, Christlichkeit und ethischen Grundsätzen Hohn!

Dr. Roderich Zauscher, Odelzhausen

Bei 20 Mandatsentscheidungen bis 2009 habe ich den Einsatz in Afghanistan mitverantwortet. Viele afghanische Menschen, Bundeswehrsoldaten, Polizisten und Zivilexperten habe ich dabei hoch schätzen gelernt. Bei Trauerfeiern für Gefallene und bei Begegnungen mit körperlich und seelisch Verwundeten sind mir die Risiken und Opfer des Einsatzes sehr nahegekommen. Vor diesem Hintergrund empfinde ich den - politisch nach der Biden-Entscheidung unumgänglichen - Einsatzabbruch ohne Rücksicht auf Begleitschäden für Land, Menschen und die regionale Sicherheit als Tiefpunkt der viel beschworenen internationalen "Verantwortung".

Wie bisher die afghanischen Ortskräfte seitens des Regierungsapparates im Stich gelassen werden, ist ein Dementi von Verlässlichkeit und Loyalität gegenüber den Verbündeten am Boden und konterkariert den hohen Anspruch einer auch wertegebundenen deutschen Außen- und Sicherheitspolitik.

Winfried Nachtwei, Münster

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