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40 Jahre Grüne:Eine Partei wie andere

Sie waren rebellisch, haben sich aber längst angepasst, so das Fazit einiger Leser zum Jubiläum. Aber ist die Partei nun regierungsfähig? Ein Leser widerspricht der These eines SZ-Autors. Ein anderer moniert den Umgang mit Populisten.

Joschka Fischer vorn Deutschland Die Grünen mit Turnschuhen und Topfpflanze im Deutschen Bundest

Joschka Fischer, später hessicher Umwelt- und dann Bundesaußenminister und Vizekanzler, bei einem seiner legendären Turnschuh-Auftritte für die Grünen im Bundestag. Anno 1983.

(Foto: imago images / Sommer)

"In hohem Maße zukunftsfähig", 11./12. Januar, und "Die Metamorphose", 10. Januar:

Populismus in grün

Beim Lesen fiel mir das Zitat der Grünen-Mitbegründerin Jutta Ditfurth ein: "Grüne von heute sind wie FDP mit Fahrrad." Es wurde 2009 geäußert, als die FDP, Partei der Mitte, die höchsten Zustimmungswerte hatte. Schon damals kritisierte also jemand den Profilverlust der Grünen und situierte sie in der politischen Mitte. Und heute? Plakativ fordern die Grünen soziale Gerechtigkeit und gesellschaftlichen Zusammenhalt. Und sie wettern wie alle anderen gegen Populismus - und betreiben ihn selbst. Zum Beispiel fand im November eine öffentliche Veranstaltung der Grünen mit Unterstützung des Vizepräsidenten des bayerischen Landtages Thomas Gehring statt, in der es um Populismus ging. Zu dieser Veranstaltung ließen sich die Grünen das Hausrecht geben und schlossen unwillkommene Teilnehmer aus. In den folgenden Vorträgen wurden steckbriefartig Bürger als Populisten angeprangert.

Als über den Auftritt berichtet wurde, musste ich lesen, welchen Vorschlag Gehring zum Umgang mit Populisten äußert: "Man muss sie in der direkten Diskussion stellen." Wie bitte soll das gehen, wenn besagte Populisten ausgesperrt werden?

Stefan Grözinger, Blaichach

Nur flüssiger Verkehr hilft

Der Aussage des Politologen Merkel, dass die Grünen regierungsfähig seien, muss ich energisch widersprechen. Die Energiepolitik ist extrem wirtschaftsschädlich. Man zerstört die sichere Grundversorgung durch Atomkraft, Gas und Kohle, die die Wirtschaft dringend benötigt, und baut auf wetterabhängige Versorgung, was ohne Importe aus ausländischen Kraftwerken nicht funktioniert. Selbst als Laie ist mir klar, dass ein so komplexes System wie das Weltklima nicht nur von einer einzigen Größe abhängen kann, nämlich dem CO₂- Gehalt. Die Verkehrspolitik, die angeblich die Umwelt schont, ist kontraproduktiv. So waren die Grünen erbitterte Gegner der Tunnel am Mittleren Ring München, weil diese angeblich zusätzlichen Verkehr anziehen. Sie sind aber umweltfreundlicher als eine Fahrt durch die Stadt. Nur flüssiger Verkehr ist umweltfreundlich. Die Grünen wollen stockenden Verkehr, in der Absicht, Leute zum ÖNPV oder Fahrrad zu zwingen.

Peter Fendt, Marktoberdorf

© SZ vom 21.01.2020
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