Vorstellungsgespräch:So setzen Sie sich gekonnt in Szene

Die wichtigste Hürde ist geschafft - die Einladung zum Bewerbungsgespräch liegt im Briefkasten. Doch die erste Begegnung mit dem vielleicht neuen Chef steckt voller Tücken, Fallen und Fettnäpfe. Die zehn besten Tipps für ein gelungenes Vorstellungsgespräch.

Sibylle Haas und Verena Wolff

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Vorstellungsgespräch:Gut vorbereiten

Teilzeit Vollzeit Frauen Arbeit Job Karriere Berufsleben

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Im Internet finden Bewerber viele Informationen über die Firma, bei der sie sich vorstellen. Über die Firmen-Homepage kann man schon eine Menge erfahren, aber auch über Suchmaschinen wie Google. "Inhaltlich muss sich ein Bewerber umfangreich über das Unternehmen informieren, um den Kontext der vakanten Position einschätzen zu können und Fragen zur Tätigkeit stellen zu können", sagt Sascha Armutat, Forschungsleiter bei der Deutschen Gesellschaft für Personalführung (DGFP).

Das sei eine erste Arbeitsprobe für das Einarbeiten in neue Themen. Bewerber sollten sich Argumente überlegen, warum gerade sie der richtige Kandidat für die ausgeschriebene Stelle sind.

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Vorstellungsgespräch:Richtig kleiden

Hemdknopf

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Der erste Eindruck zählt - das gilt auch beim Bewerbungsgespräch. Daher sind gepflegtes Aussehen und angemessene Kleidung immens wichtig, wie Stilberaterin Bettina Geissler sagt. "Lieber etwas konservativer als zu flott", so die Maxime. Und vor allem: Immer der Branche angemessen. "Ein Werbefachmann kann anders auftreten als ein Bankmanager."

Einen eigenen Stil dürfe man haben, "aber der sollte nicht zu abgehoben sein". Sauber, ordentlich, intakt und passend müsse die Kleidung sein, "niemand sollte sich verkleidet fühlen". Bei den Bewerberinnen gehöre zudem ein leichtes Make-up zum Business-Outfit, "dezent, keine Bauernmalerei", so die Beraterin.

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Vorstellungsgespräch:Pünktlich kommen

Stau in Peking

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Pünktlichkeit bedeutet in Deutschland Minutengenauigkeit. 16 Uhr ist 16 Uhr - und nicht 15.58 Uhr oder 16.01 Uhr. "In kleineren Firmen klingeln Sie deshalb am besten beim Glockenschlag", rät Agnes Anna Jarosch, Leiterin des Deutschen Knigge-Rates.

In größeren Firmen sei es sinnvoll, sich einige Minuten eher am Empfang zu melden, weil man Zeit brauche, um in die jeweilige Abteilung zu gelangen. Wenn man sich trotz aller Vorkehrungen verspätet, sollte man sofort den Gesprächspartner informieren. "Sind Sie Opfer höherer Gewalt, etwa durch eine Autobahnsperrung oder einen Zugausfall, dürfen Sie auf Verständnis und Wohlwollen hoffen", beruhigt Jarosch.

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Vorstellungsgespräch:Natürlich auftreten

Ganz oder gar nicht: Das Sommer-Make-up 2011

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Vorgesetzte wollen im Bewerbungsgespräch eine Persönlichkeit erleben, die einen guten ersten Eindruck macht. "Ein fester Händedruck und ein stimmiges Gesamtbild des Bewerbers gehören dazu", sagt Holger Bartlick, Berater bei der Personal Innovation GmbH.

Als "Fauxpas schlechthin" bezeichnet er mangelnde Vorbereitung auf das Gespräch. Verkaufen solle sich jeder Bewerber, aber nicht blind den bekannten Lebenslauf herunterplappern. "Man sollte vorher genau überlegen, welche Bereiche für den Gesprächspartner interessant sind." Leises, schnelles und undeutliches Sprechen mache ebenfalls keinen guten Eindruck. "Da muss man zwischendurch mal tief durchatmen."

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Vorstellungsgespräch:Höflich sein

Begrüßung Vorstellungsgespräch Büro

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Die Regie führt der potenzielle Vorgesetzte. "Er reicht als erster die Hand, bietet einen Sitzplatz und ein Getränk an. Letzteres sollte der Bewerber unbedingt annehmen", empfiehlt Benimm-Expertin Agnes Anna Jarosch. Das mache einen guten Eindruck.

Der Bewerber sollte die gesamte Gesprächsführung dem Gastgeber überlassen. "Er gibt dem Bewerber den Raum, sich zu präsentieren, sein Interesse zu zeigen und Fragen zu stellen", sagt Jarosch. Ist auf beiden Seiten die nötige Wertschätzung vorhanden, gestalte sich das Gespräch respektvoll und partnerschaftlich. Dazu gehöre es, dass der Bewerber aufmerksam und konzentriert sei. "Das Handy schalten Sie am besten ganz aus und lassen es in der Hand- beziehungsweise in der Aktentasche", rät Jarosch.

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Vorstellungsgespräch:Locker bleiben

Bewerber

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Wer seinem zukünftigen Chef zum ersten Mal gegenübersteht, steigt nicht unvermittelt ins Gespräch ein: Zur Begrüßung muss ein bisschen Smalltalk sein. Positiv besetzte Themen sollten Inhalt dieses Geplänkels sein, Politik und Kirche sind tabu. "Der Chef ist auch nur ein Mensch, und er will einen Bewerber sehen, der motiviert ist und sich für die Firma einsetzt", sagt Psychologin Claudia Enkelmann.

Das müsse ein Bewerber auf den ersten Blick suggerieren. Derzeit werden händeringend Fachleute gesucht, "daher ist das Vorstellungsgespräch eine Verhandlung auf Augenhöhe, in der der Bewerber nicht als Bittsteller auftreten muss." Daher sei ein gutes Maß an Selbstbewusstsein legitim. Auch ein kurzer Blick ins Privatleben sei gestattet.

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Vorstellungsgespräch:Angemessen reden

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Ein Bewerbungsgespräch ist eine formelle Begegnung. Mit der Art und Weise, wie sich der Bewerber verhält, gibt er bereits eine Referenz für sein Auftreten bei Kunden. "Darum sollte die Sprache authentisch, dem Unternehmensumfeld angemessen und niveauvoll sein", sagt Personalexperte Sascha Armutat.

Er empfiehlt Bewerbern, sich in die Gesprächspartner, den Personalmanager oder den potenziellen Vorgesetzen hineinzuversetzen. "Wer von einem Bewerber erfährt, welches Laster der frühere Vorgesetzte hatte oder was den aktuellen Arbeitgeber disqualifiziert, der stellt sich die Frage, wie dieser Bewerber bei zukünftigen Arbeitgebern über die aktuell angebotene Aufgabe sprechen wird", sagt Armutat. Lästern über den früheren Arbeitgeber ist tabu.

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Vorstellungsgespräch:Öfter mal lächeln

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Nicht nur mit Worten kann man bei der Vorstellung punkten. Eine wichtige Rolle spielt die Körpersprache. Souverän wirkt, wer mit beiden Beinen fest auf dem Boden steht und den Körper so ruhig wie möglich hält, sagt Psychologin Claudia Enkelmann. "Nervöse Gesten wie an der Kleidung zupfen, mit den Haaren spielen oder allgemeines Herumhibbeln sollten Bewerber bewusst vermeiden."

Vor allem Frauen überkreuzen gern im Stehen die Beine oder drehen die Füße leicht nach innen. "Das wirkt zwar nett und sympathisch, aber nicht kompetent und sicher." Frauen sollten zudem Gesten vermeiden, die als Flirtversuche wahrgenommen werden. Ebenfalls störend: Allzu hektische Bewegungen, die dem Gegenüber Unsicherheit vermitteln.

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Vorstellungsgespräch:Fettnäpfe vermeiden

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Ein Bewerbungsgespräch bietet unendlichen Raum für Fettnäpfe. Wer sich an einige Grundsätze hält, begrenzt die Möglichkeiten, in ihnen auszurutschen, sagt Lothar Hoss, Vorsitzender des Bundesverbandes Selbständiger Personalleiter. Meckern und Lästern sind ebenso tabu wie arrogantes Auftreten und Phrasendreschen.

Hoss rät, die politische und gesellschaftliche Haltung im Gespräch außen vor zu lassen. "Das ist ein Killer." Einen schlechten Eindruck mache auch die Engstirnigkeit eines Bewerbers: "Wenn ich als Interviewer nicht an die Leute herankomme, weil sie unbeirrt an ihrer Meinung festhalten, will ich sie nicht einstellen." Wichtig hingegen: "Bewerber sollten ein authentisches Gesamtbild abgeben und immer den Blickkontakt halten."

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Vorstellungsgespräch:Diplomatie beim Gehalt

Geschäftsmann

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Der Gehaltsvorschlag von Bewerbern ist eine heikle Angelegenheit. "Zu niedrig angesetzt, verkauft sich ein Bewerber unter Wert, zu hoch zeigt er womöglich eine Selbstüberschätzung", erklärt Sascha Armutat von der Deutschen Gesellschaft für Personalführung. Darum sollte sich ein Bewerber darüber informieren, wie die Tätigkeit honoriert wird.

Dazu gibt es eine Vielzahl von Studien und Portalen. "Die Tätigkeit, nicht die Biografie, ist dabei die wichtige Orientierung", sagt Armutat. Es sei zudem völlig akzeptabel, wenn Bewerber nach materiellen und immateriellen Anreizen fragen, die über das Grundgehalt hinausgehen, rät Armutat. Dies zeige Informiertheit und Selbstbewusstsein, wenn die Frage nicht einen Forderungscharakter habe.

© SZ vom 31.5.2012/wolf
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