Studium So können Sie auch ohne Abitur studieren

Der Weg an eine Hochschule ist auch ohne Abitur möglich.

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Immer mehr Menschen ohne Abitur zieht es in die Hörsäle. Die Zulassungs­voraussetzungen hängen dabei vom jeweiligen Bundesland ab.

Von Christine Demmer

Nicht jede Medizinerin kann von ihrer Abiturfahrt erzählen. Und nicht alle Ingenieure haben bereits in der Schule komplexe mathematische Fragen diskutiert. In Deutschland gibt es Tausende von Naturwissenschaftlern, Betriebswirten und Medizinern, die nie die allgemeine Hochschulreife erworben und trotzdem studiert haben.

Noch viel mehr stehen in den Startlöchern. Nach Angaben des Centrums für Hochschulentwicklung (CHE) gab es 2015 circa 12 540 beruflich qualifizierte Studienanfänger. Das waren 2,5 Prozent aller Hochschulneulinge. Im selben Jahr erhielten circa 6240 Frauen und Männer ihr Hochschulzeugnis, ohne dass sie dafür ein Abiturzeugnis hatten vorweisen müssen. Das waren zwölf Prozent mehr als im Vorjahr. Aber es war kein Rekord. Der wurde im Jahr zuvor gefeiert - mit einer Zuwachsrate von 22 Prozent.

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Aktuell kann man ungefähr 8000 von insgesamt 18 000 Studiengängen bundesweit ohne Abitur studieren. Die meisten der mehr als 51 000 Studierenden ohne allgemeine Hochschulreife streben nach dem Bachelorabschluss. "Insbesondere an Fachhochschulen, denn die haben sich für berufliche Qualifizierte besonders stark geöffnet", erklärt CHE-Expertin Sigrun Nickel. Mit 16,5 Prozent den größten Anteil der Studienanfänger ohne das Abitur hat die Fernuniversität Hagen.

Zunehmend auf sich aufmerksam machen die privaten Hochschulen, die zum Teil internationalen Bildungskonzernen gehören. Wie an einigen wenigen staatlichen Hochschulen auch kann man hier mitunter ohne Abitur und ohne Erststudium zu einem weiterbildenden Masterprogramm zugelassen werden. Selbst berufsbegleitende Bachelor- und Masterstudienprogramme sind längst nicht immer an das Abitur geknüpft. Mit den Hochschulen lässt sich reden. Der von der Forderung nach lebenslangem Lernen und von intrinsischen Motiven genährte Aufstiegswille der Arbeitnehmer hat für das Entstehen kreativer Geschäftsmodelle gesorgt.

Seit 2009 dürfen auch Nicht-Abiturienten studieren

Die Hürde Abitur, einst nahezu unüberwindbar zwischen Studienwunsch und Studienzulassung gelegen, ist 2009 gefallen. Damals öffneten die Kultusminister den Weg zur Universität oder Fachhochschule auch für Nicht-Abiturienten. Angesichts der Fahrtrichtung waren sich die 16 grundsätzlich einig, nicht aber im Hinblick auf die Streckenführung. Denn Bildungspolitik ist Ländersache. Deshalb unterscheiden sich die Zugangsvoraussetzungen und Bewerbungsmodi von Bundesland zu Bundesland, manchmal sogar innerhalb eines Landes von Hochschule zu Hochschule. Auf der Suche nach einer "offenen" Hochschule mit zum Beruf passenden Studienfach ist akribische Wühlarbeit angesagt. Auf der Webseite des CHE Studieren-ohne-Abitur.de sind die landespezifischen Regelungen aufgeführt; zudem hat es in diesem Jahr ein Arbeitspapier zu den aktuellen Entwicklungen beim Studium ohne Abitur veröffentlicht.

Nur künstlerische Ausnahmetalente müssen nicht lang recherchieren. Wenn die Film-, Kunst-, Theater- und Musikhochschule ihrer Wahl zustimmt, dürfen sie studieren - egal, wo und wie lange sie vorher zur Schule gegangen sind.

Welchen landesrechtlichen Vorgaben eine private Hochschule unterliegt, hängt von deren Firmensitz ab. Der wird meistens dort liegen, wo sich die Bildungspolitik für studierfreundliche Bedingungen einsetzt, und die dortigen Bestimmungen gelten dann auch für die Niederlassungen in anderen Bundesländern. Vorreiter der "offenen Hochschule" war das Bundesland Rheinland-Pfalz. Doch den höchsten Anteil an Studienanfängern ohne Abitur haben heute Hamburg, Nordrhein-Westfalen und Berlin. Sachsen sowie das Saarland bilden die Schlusslichter.