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Studium in der Schweiz:Das Beste in den Bergen

Schweizer Hochschulen genießen einen guten Ruf. Das Studium bei den Eidgenossen ist allerdings teuer. Circa 1500 Euro im Monat muss man für das tägliche Leben, Wohnen und Lehrmittel einplanen.

Von Annika Brohm

Nachdem Foelke Redlich den Entschluss gefasst hatte, einige Semester ihres Jurastudiums im Ausland zu verbringen, zählte die Schweiz zunächst nicht zu ihren Favoriten. "Ich habe an all die gängigen Klischees gedacht - Berge, Käsefondue und Gemütlichkeit", sagt die 21-jährige Studentin. Letztlich war es ein zweisprachiges Programm, das sie doch vom Nachbarland überzeugt hat: Internationales Recht an der Universität Genf, ein breit gefächertes Kursangebot auf Englisch und Französisch. Wenn Redlich nun von ihren Erfahrungen in der Schweiz erzählt, schwingt in jedem Satz Begeisterung mit. Das Niveau der Lehrveranstaltungen sei hoch, die Professoren renommiert und die Betreuung weitaus intensiver als in Deutschland. "Es ist familiär, gleichzeitig aber auch sehr anspruchsvoll", sagt sie.

Die Schweiz gehört seit Jahren zu den beliebtesten Zielländern deutscher Studenten. Im Jahr 2016 haben nach Angaben des Statistischen Bundesamts mehr als 14 500 Deutsche eine Schweizer Hochschule besucht. Das entspricht etwa zehn Prozent aller Auslandsstudierenden. Besonders beliebt ist demnach die Fächergruppe Wirtschaft, Verwaltung und Recht, zu der auch Redlichs Programm zählt. Insgesamt können Studenten zwischen zwölf anerkannten Universitäten wählen, dazu kommen acht Fachhochschulen und 20 pädagogische Hochschulen für angehende Lehrkräfte. "Die Schweizer Universitäten haben einen hervorragenden Ruf und sind deshalb sehr attraktiv", sagt Heike Schreitz vom Deutschen Akademischen Austauschdienst (DAAD). Das zeigt auch das internationale "World University Ranking" des britischen Magazins Times Higher Education. Die Eidgenössische Technische Hochschule (ETH) in Zürich belegt darin aktuell den elften Rang. Damit spielt sie in einer Liga mit Eliteuniversitäten wie Yale (Platz acht) und Berkeley (Platz 15). Als zweitbeste Einrichtung des Landes folgt die Universität Lausanne auf Platz 35 von mehr als 1250 bewerteten Hochschulen weltweit.

Ungefähr 1500 Euro pro Monat benötigen die Studierenden für Leben, Wohnen und Lehrmittel

Wer ein Semester oder ein gesamtes Studium in der Schweiz plant, muss indes mit hohen Kosten rechnen. Das Migrationsamt des Landes rät dazu, umgerechnet mindestens 1500 Euro im Monat für Lebensmittel, Lernmaterialien und Miete zu veranschlagen. Kosten für Kleidung und Ausflüge sowie die Studiengebühren von durchschnittlich 615 Euro pro Semester sind dabei noch nicht einkalkuliert. Besonders groß ist die finanzielle Belastung in Metropolen wie Zürich. Allein für ihre Unterkunft in der größten Stadt der Schweiz sollten Studierende laut ETH mindestens 800 Euro im Monat einplanen. Die Suche danach ist nicht selten eine weitere Hürde. "Das war eine regelrechte Bewerbungsprozedur, in der man schon wegen Kleinigkeiten aussortiert wird", sagt Juliana Troch, die in Zürich Geowissenschaften studierte und im Anschluss auch an der ETH promovierte. Die hohen Mietkosten erschweren es auch den jungen Schweizern, eine Wohnung zu finden, erzählt Troch: "Viele Studenten wohnen noch bei ihren Eltern im Umland und pendeln für die Vorlesungen in die Stadt." Eine ähnliche Erfahrung hat VWL-Studentin Julia Baumann in St. Gallen gemacht. "Am Wochenende sind die Stadt und die Uni wie ausgestorben", sagt sie.

Bei der Finanzierung haben deutsche Studierende in der Schweiz einen großen Vorteil: Für sie gibt es einige Fördermöglichkeiten. Der DAAD zahlt Stipendiaten ein Jahr lang eine monatliche Pauschale von 975 Euro. Master-Studenten können sich im Anschluss um eine Verlängerung bewerben. Auch Jura-Studentin Redlich erhält den Zuschuss des Austauschdienstes. Dazu kommen ungefähr 400 Euro monatlich durch die Teilnahme am Swiss-European Mobility Programme, der Schweizer Alternative zu Erasmus. "Ich musste gezielt nach mehreren Quellen suchen, um mir das Leben in Genf leisten zu können", sagt Redlich. Trotz der doppelten Förderung müsse sie im Alltag immer wieder nach Wegen suchen, um Geld zu sparen.

Doktoranden bekommen für die Dauer der Promotion ausreichend Gehalt

Sogenannte Freemover -Studenten, die auf eigene Faust und ohne Förderung in die Schweiz kommen, haben es noch schwerer. "Ich hatte das Glück, dass meine Eltern mir finanziell unter die Arme gegriffen haben", erzählt Geowissenschaftlerin Troch, "dazu habe ich als studentische Hilfskraft gejobbt". Mehr als 15 Stunden in der Woche durfte sie als Studentin jedoch nicht arbeiten, der Lohn blieb überschaubar. Während ihrer Promotion konnte sie sich das Leben in Zürich deutlich besser leisten. Das Gehalt für Doktoranden in der Schweiz liegt bei gut 3000 Euro im Monat, zudem muss die Förderung für den gesamten Zeitraum sichergestellt sein. "Man muss sich keine Sorgen machen, dass nach der Hälfte das Funding ausläuft, und man neue Anträge schreiben muss", sagt Troch.

Die Finanzierungsfrage beschäftigt Studenten in allen Teilen der Schweiz. Abgesehen davon unterscheiden sich die Eindrücke jedoch stark. VWL-Studentin Baumann erzählt, sie habe sich in St. Gallen nur selten wie im Ausland gefühlt. "Dafür liegt die Stadt dann doch zu nah an der deutschen Grenze", sagt sie. Der Anteil deutscher Studenten sei hoch, andere Sprachen höre man nur selten. Wer den Reiz des Fremden sucht, dürfte außerhalb der Deutschschweiz besser aufgehoben sein. Redlich berichtet von der multikulturellen Atmosphäre Genfs, den vielen Veranstaltungen am Sitz der Vereinten Nationen und der "entspannten französischen Lebensart". In Mendrisio im Tessin hat Architekturstudent Leon Dirksen Kommilitonen aus allen Teilen der Welt kennengelernt. "Das Leistungspotenzial ist durch den internationalen Austausch wesentlich höher als an provinziellen Unis", erzählt er. Dort sei alles etwas langsamer und habe weniger "Drive", wie er es nennt.

Viel Freizeit bleibt den Studierenden neben der anspruchsvollen Lehre allerdings nicht. "Gerade wenn man mehrsprachig studiert, hat man eigentlich immer etwas zu tun", sagt Foelke Redlich. Die wenigen Pausen verbringt sie am liebsten in der umliegenden Natur. "Es ist grün, sauber und wunderschön", erzählt sie, "und der Genfer See ist natürlich unschlagbar."

© SZ vom 05.04.2019
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