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Stellenanzeigen:Einheitsbrei

Eine Auswertung von Jobofferten zeigt sprachliche Monotonie und inhaltliche Leere. Warum umgarnen so viele Firmen Bewerber mit Floskeln?

Von Christine Demmer

Verlässt man sich auf die Schilderungen in Stellenanzeigen, muss Arbeit etwas ganz und gar Wunderbares sein. Künftigen Mitarbeitern winken spannende Aufgaben, sie können aktiv gestalten, Dinge bewegen und ihre Ideen verwirklichen. Über einfache Jobs trösten nette Kollegen hinweg. Schwierigere Aufgaben versprechen Verantwortung vom ersten Tag an, und alle bringen jede Menge Spaß.

Hochglanzformulierungen wie diese sind Standard. Stutzig wird man allenfalls, wenn sie einmal in einer Jobofferte fehlen. Volker Kitz, Anwalt und Autor, hat das ins Grübeln gebracht. "Wenn Arbeit so toll ist", fragt er in seinem neuen Buch (und man muss sich dabei den unschuldigen Augenaufschlag mitdenken), "warum werden wir dann dafür bezahlt?"

Bei guter Wirtschaftslage haben Arbeitgeber es schwer, alle Stellen mit passenden Mitarbeitern zu besetzen. In ihren Stellenanzeigen orientieren sie sich daher an den Wünschen von Bewerbern. Der Nachwuchs fordert mehr Selbstbestimmung? "Entscheiden Sie selbst, wann und wo Sie arbeiten." Die Arbeit soll der Gesellschaft nützen? "Bei uns finden Sie einen Arbeitsplatz mit Sinn und Zukunft." Anerkennung für Leistung? "Regelmäßiges Feedback zeugt von unserer Wertschätzung." Weil alle Personaler dieselben Absolventen-Umfragen lesen, klingen alle Stellenanzeigen ähnlich.

"Arbeitgeber bedienen sich aus einem Wortregal der Gleichförmigkeit", sagt der Kölner Kommunikationsberater Manfred Böcker, der im vergangenen Herbst rund 120 000 Online-Stellenanzeigen ausgewertet hat. Das vernichtende Ergebnis: Kommunikativer Einheitsbrei mit reichlich Eigenwerbung. Katharina Hain vom Personaldienstleister Hays findet eine Entschuldigung: "Konzerne sind davon überzeugt, dass sie bei den Bewerbern bestens bekannt sind", sagt sie. "Die meisten gehen wohl auch davon aus, dass junge Leute sie schon nicht auf ihre blumigen Aussagen festnageln werden."

© SZ vom 13.05.2017
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