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Nervige Meetings im Job:Ich hab' ja sonst nix zu tun

Kolumne #endlichfreitag

Im Meeting mitsprechen dürfen, schön und gut - aber montagmorgens will mancher Arbeitnehmer lieber in Ruhe schweigen.

(Foto: SZ.de/Katharina Bitzl)

So ein Meeting ist wie ein Stau: Keiner will drinsitzen, doch es erwischt einen immer im ungünstigsten Moment. Und gerade wenn die Qual überstanden scheint - Auftritt des "Aber"-Sagers.

Ja, es gibt sie: Meetings, in die man gerne geht. Sie finden bevorzugt an einem ruhigen Freitagfrühnachmittag statt (eine absolute Seltenheit, zugegeben) und schaffen den perfekten Übergang von der Arbeitswoche in die Freizeit. Reinsitzen, berieseln lassen, gedanklich herunterfahren. Oder schon einmal das Wochenende planen.

Beide Alternativen erfordern allerdings bestimmte Voraussetzungen, zum Beispiel eine Agenda, die nur einen einzigen Referenten vorsieht. Oder ein Thema, zu dem man im Schlaf einen Impulsvortrag halten könnte. Es gibt durchaus Chefs, die, wie damals der Lateinlehrer, Jagd auf jene machen, die mit offenen Augen selig schlummern. Wie sagte schon Caligula? Oderint, dum metuant - sollen sie mich doch hassen, solange sie mich nur fürchten.

Der Zorn des Vorgesetzten (und der Scham des Ertapptwerdens) lässt sich jedoch mit ein bisschen Übung vermeiden. Könner dösen nicht mit entgleisten Gesichtszügen und leerem Blick (Spiegel der Seele und so). Ihre Schlafmaske besteht aus einem interessierten Lächeln - und der Königsdisziplin: einem zustimmenden Nicken an passender Stelle. Wer der eigenen Mimik nicht traut, nimmt Notizbuch und Stift mit ins Meeting und macht sich Alibi-Notizen.

Was zum Teufel mache ich eigentlich hier?

Soweit zu den einschläfernden, aber durchaus erträglichen Zusammenkünften im Job. Nur sind die leider selten. Das gemeine Meeting ist wie ein Stau: Keiner will drinsitzen, und es findet immer ausgerechnet dann statt, wenn eigentlich anderes zu tun wäre. Im besten Fall herrscht im Meeting-durchsetzten Arbeitsalltag nur Stop-and-go. Im schlimmsten Fall geraten Arbeitnehmer in einen Sommerferienanfangssuperstau. Das nennt sich dann: Klausurtagung.

Dort werden die ganz großen Fragen diskutiert: Wo stehen wir? Wo wollen wir hin? Und mit welcher Strategie kommen wir dorthin? Die meisten Anwesenden beschäftigt allerdings eine ganze andere Frage: Was zum Teufel mache ich eigentlich hier? Denn je unkonkreter das Thema, desto größer die Gefahr, dass die Veranstaltung zu einem einzigen Laberexzess gerät. Genau deshalb bekommen Leiderprobte beim Stichwort "Brainstorming" auch keine leuchtenden Augen, sondern Kopfschmerzen.

Am Ende solcher krampfigen Kreativrunden steht dann ein Protokoll/Paper, verfasst von jenem bemitleidenswerten Kollegen, der aus diesem Wust an Wichtigtuereien das Relevante herausfiltern musste. Und das vergebens. Denn seinen Bemühungen ist dasselbe Schicksal beschieden, wie den zahllosen Handouts zu Schulzeiten, die nach all den endlos erscheinenden Referaten verteilt wurden: ab damit ins Nirwana eines Leitz-Ordners.

Kommunikation: wichtig, Teilhabe: tolle Sache. Manchmal

Aber wir schweifen ab: Meetings, Fluch der modernen Arbeitswelt. Selbst wenn das Thema konkret und der Moderator kompetent ist, scheitern viele Gesprächsrunden im Job. Klar, Kommunikation ist wichtig und Teilhabe an sich eine tolle Sache. Arbeitnehmer sollen ihre Expertise einbringen, um das Unternehmen voranzubringen. Aber montagmorgens liegen Redebereitschaft und geistige Agilität nun mal bei null. Und dann ist man wieder im Lateinunterricht: Alles stierte mit gesenktem Kopf auf den Tisch, bis das Schwert des Lehrers auf einen herniederging - "Generalwiederholung!"

Zu allen anderen Tageszeiten sind Meetings die Plattform für Karriereristen und Selbstverliebte.

Der Karrierist ist stets der Erste im Besprechungszimmer, sein Lieblingswort im Meeting ist "Agenda". Das setzt er als Waffe ein: Wann immer ihm ein Redebeitrag nicht passt, wird dieser mit einem "Ich finde, wir sollten an dieser Stelle unbedingt die Agenda im Auge behalten!" abgewürgt. So rüde wäre der Selbstverliebte nie. Das Meeting ist sein TV-Schirm, und er weiß, dass man sich sein Publikum gewogen halten muss. Bei jeder sich bietenden Gelegenheit streut er mit einem Beifall-heischenden Lächeln eine Anekdote ein. Die nachfolgenden Sendungen verzögern sich auf unbestimmte Zeit.

Typologie der Kollegen

"Wärst du so lieb?"

Und wenn das Ende endlich absehbar scheint - Auftritt der mit Abstand größten Plage: Der "Aber"-Sager ergreift das Wort und stellt alles bis dato Diskutierte infrage. "Aber sollten wir nicht noch über die Risiken sprechen?" Ironischerweise ist der chronische Bedenkenträger blind für die unmittelbarste Gefahr: Mit seinen Bremsmanövern sorgt er für kollektive Mordgedanken.

Jetzt könnte nur noch der Chef helfen. Doch halt, dieser glasige Blick - ja, klarer Fall, der Chef ist gedanklich ganz woanders. Vermutlich im Wochenende.