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Nebenjob:Die Feierabend-Chefs

Abgaben, Beiträge, Versicherungen: Was zu beachten ist, wenn man sich im Nebenjob selbstständig macht.

Wer den Sprung in die Selbstständigkeit wagt, muss nicht alles auf eine Karte setzen. Vom Online-Shop bis zur freiberuflichen Dienstleistung lassen sich viele Formen der Existenzgründung im Nebenjob ausprobieren. Je nach Branche und Einkommen muss man aber mit unterschiedlichen Aufwendungen kalkulieren.

Das nebenberufliche Unternehmertum kann so manchen Vorteil bringen: Das sichere Haupteinkommen als Angestellter mindert das finanzielle Risiko, oder der Start in die Selbstständigkeit kann flexibel und mit reduziertem Zeitaufwand während des Studiums oder der beruflichen Baby- und Erziehungspause erfolgen. "Über die Hälfte der Unternehmensgründungen erfolgt zunächst im Nebenerwerb", berichtet die staatliche Förderbank KfW in ihrem Gründungsmonitor. Existenzgründer sollten jedoch die Regeln bezüglich Steuern, Recht und Sozialabgaben kennen.

Zustimmung des Arbeitgebers: Wer einen Nebenjob beginnt, muss dies dem Arbeitgeber melden - das gilt auch für die nebenberufliche Selbstständigkeit. Allerdings darf dies der Arbeitgeber nur verbieten, wenn er einen triftigen Grund vorweisen kann. Das kann etwa dann der Fall sein, wenn der Angestellte seinem Chef nach Feierabend Konkurrenz macht oder wenn durch zu viele Wochenstunden die Leistungsfähigkeit stark beeinträchtigt wird.

Gewerbeanmeldung: Wer eine gewerbliche Tätigkeit aufnimmt, muss dies beim örtlichen Gewerbeamt anmelden. Das gilt auch dann, wenn die Selbstständigkeit nur nebenberuflich ausgeübt wird. Das kostet etwa 20 bis 50 Euro. Das Amt informiert dann weitere Behörden wie Finanzamt, Berufsgenossenschaft und IHK über die Gründung. Im Jahr der Existenzgründung und im Folgejahr muss generell kein IHK-Beitrag gezahlt werden. Dauerhaft vom IHK-Beitrag befreit sind Gewerbetreibende, die weder im Handels- noch im Genossenschaftsregister eingetragen sind und deren jährlicher Gewerbeertrag 5200 Euro nicht übersteigt.

Manche Berufe werden nicht als Gewerbe, sondern als freiberufliche Tätigkeit eingestuft. Dann besteht weder die Pflicht der gewerblichen Anmeldung noch die Zwangsmitgliedschaft in der IHK bei höheren Umsätzen. Allerdings werden nur solche Berufe als freie Berufe anerkannt, bei denen der Gewinn durch die persönliche Leistung und besondere Qualifikation erzielt wird. Dazu zählen die sogenannten "Katalogberufe" wie Heilberufe, Anwälte, Steuerberater, Ingenieure, Lehrberufe und Künstler sowie ähnliche Tätigkeiten.

Dabei ist jedoch nicht allein die Ausbildung, sondern vor allem die ausgeübte Tätigkeit entscheidend. Wenn beispielsweise ein Grafiker ausschließlich kreative Leistungen für Agenturen oder Unternehmen erbringt, ist er Freiberufler. Gründet er hingegen eine Ein-Mann-Werbeagentur und bietet seinen Kunden die komplette Produktion von Werbemitteln - vor allem auch außerhalb seines angestammten Metiers - an, handelt es sich um einen Gewerbebetrieb.

Besonderheiten gelten bei der Selbstständigkeit in Handwerksberufen. In der Regel zieht auch die nebenberufliche Existenzgründung die Mitgliedschaft in der Handwerkskammer mit sich. Außerdem müssen die Gründer einen Meisterbrief vorweisen, wenn sie sich nicht in einem der sogenannten "zulassungsfreien" Handwerksberufe selbstständig machen.