Mint-Mentorin:Traut euch!

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Mint-Mentorin: Frauen unterschätzen sich oft, sagt Anna Singer.

Frauen unterschätzen sich oft, sagt Anna Singer.

(Foto: Goldbeck)

Anna Singer berichtet, wie Frauen im Mint-Studium von Mentoring profitieren können und wie es ihr als Bauleiterin in einer Männerdomäne erging.

Interview von Lara Voelter

Anna Singer engagierte sich während ihres Bauingenieurstudiums als Mentorin für das Programm "Mentoring Mint" der Hochschule Bremen, das sich an Studienanfängerinnen und Schülerinnen wendet. Nach dem Bachelor arbeitete die 27-Jährige als Bauleiterin. Der Beruf ist nach wie vor eine Männerdomäne.

SZ: Frau Singer, mit welchen Anliegen sind die Studentinnen und Schülerinnen zu Ihnen als Mentorin gekommen?

Anna Singer: Häufig ging es darum, sich etwas nicht zuzutrauen - sich also zu unterschätzen. Das kenne ich von mir selbst auch: In meinem Kopf war immer wieder das Bild des männlichen Bauingenieurs - das hat mich oft gehemmt. "Darf ich das fragen oder mache ich mich damit lächerlich?", habe ich mir oft gedacht. Intuitiv habe ich die männlichen Studierenden in meinem Studiengang überschätzt: Sie waren nicht weiter, besser oder baustellentauglicher - ich habe es nur angenommen. Vielleicht haben viele auch an sich gezweifelt, das aber nicht zugegeben.

Hatten Sie selbst es im Studium mit Vorurteilen von Männern zu tun?

Nein. Eher kommen klassische Stereotype zum Tragen. So bin ich selbst erst spät auf die Idee gekommen, dass ich Bauleiterin werden könnte. Mir war nicht richtig bewusst, dass man das als Frau auch werden kann. Die Bauleitung ist ein Berufsfeld, das von Männern geprägt ist. Wenn Professoren gefragt haben: "Wer von euch könnte sich vorstellen, Bauleiter zu werden?", dann haben sich in der Regel nur Männer gemeldet. Doch die meisten Frauen in unserem Studiengang - inklusive mir - haben die Module, die für diesen Beruf wichtig sind, immer mit Bestnoten bestanden.

Wie haben Sie den Dialog mit anderen Mint-Frauen im Studium erlebt?

Ich war es gewöhnt, über Technikthemen überwiegend mit Männern zu sprechen. Als ich in meinem letzten Semester anfing, als Mentorin zu arbeiten, waren da plötzlich viele spannende Studentinnen, die mit mir über Akkumulatoren, Luft- und Raumfahrttechnik oder über Schiffsantriebe gesprochen haben. Nach den Treffen habe ich mich immer topinspiriert und voller Elan gefühlt.

Bereuen Sie es, sich für den Beruf der Bauleiterin entschieden zu haben?

Gar nicht! Man muss im Bauingenieurstudium 16 Wochen Praktikum auf Baustellen machen und dort als Handwerkerin arbeiten. Die erste Aufgabe war, einen Stapel mit sechs Meter langen Trinkwasserleitungen quer über die Baustelle zu tragen. Ich musste genau das machen, was jeder männliche Praktikant tun muss, und das war gut so. Ich habe gemerkt, dass ich das auch kann. Klar ist der Ton auf der Baustelle anders als im Büro, aber die Stimmung war immer herzlich, und mir wurde viel zugetraut.

Heute sind Sie keine Bauleiterin mehr.

Nein, ich arbeite in der Innovationsabteilung des Bauunternehmens Goldbeck. Immer wieder muss ich noch auf eine Baustelle - um auszutesten, welche Software Bauleiterinnen und -leitern weiterhelfen könnte, etwa 360-Grad-Kameras, Virtual-Reality-Brillen oder Augmented-Reality-Apps. Ich gebe immer wieder Schulungen auf Baustellen und fühle mich dort nach wie vor zu Hause.

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