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Mein Kollege sagt ...:"Peach Frappuccino Double Choco Chip, bitte"

Der Kollege "latteisiert" das Büro: Ein riesiger Pappbecher als Accessoire soll ihn zum hippen Großstädter machen - und die gute, alte Kaffeepause stirbt aus.

Über die erschreckenden Folgen der Globalisierung für unsere Innenstädte ist schon viel geschrieben worden: Überall, so die übereinstimmende Klage, sehe es gleich aus. H&M neben Zara neben Mango neben Esprit neben McDonald's. Wer soll denn da noch erkennen, ob er grade in München, Moskau oder Manila shoppen geht?

iStock, Frapuccino

Eine Dosis Koffein im Vorbeigehen: Der Pomegranate Peach Frappuccino Double Chocolate Chip - oder so ähnlich.

(Foto: Foto: iStock)

Zumal die internationalisierten Mega-Malls und Einkaufspassagen trotz der Sprachunterschiede überall die gleichen Namen tragen. Entweder der Kunde kauft in der Arkade, im Plaza, Forum oder in der Piazza. Mit diesen vier Begriffen war die Kreativität der Architekten und Stadtplaner offensichtlich schon erschöpft. Nur in Ländern, in denen es keine Coca Cola gibt, heißen Ansammlung von Geschäften noch anders. Markt zum Beispiel.

"Latteisierung des Arbeitsplatzes"

Ein Phänomen, dass von Soziologen und kritischen älteren Herren im Feuilleton noch unbeleuchtet blieb, ist jedoch der mit der Globalisierung einhergehende Wandel der Büros. Die sehen nämlich inzwischen auch alle gleich aus. Man könnte die Entwicklung unter dem Stichwort "Latteisierung des Arbeitsplatzes" zusammenfassen: Die gute, alte Kaffeetasse stirbt aus und wird ersetzt durch die grau-braunen Papphumpen der großen Kaffeeketten.

Nach und nach verstauben all die Becher mit rosa Diddl-Mäusen, "Papi, ich hab dich lieb"-Aufschriften und Sternzeichen-Emblemen. Sogar Tassen mit Firmenlogos verschwinden - so dass Geschäftspartner und gestresste Kollegen gar nicht mehr wissen, wo sie sich überhaupt befinden.

Von Mönchengladbach nach Manhattan

Das sorgt nicht nur für desorientierte Mitarbeiter, sondern hat noch einen weiteren, unangenehmen Nebeneffekt: Wenn sich das ganze Team bei Starbucks, der San Francisco Coffee Company oder dem McCafé eindeckt, stirbt die Bürokaffeepause, das beste Zeitfenster für Intrigen, Mobbing und Verschwörungen, einen einsamen Tod. Wann sonst können Kollegen sich gegenseitig erzählen, was im "Radio Flurfunk" wieder Neues gespielt wird?

Trotzdem glaubt der gewöhnliche Angestellte, der billige Pappbecher katapultiere ihn in eine Liga mit durchgestylten Vogue-Journalistinnen, die sich in Manhattan jeden Morgen ihre Dosis Koffein im Vorbeigehen abholen. Dort gibt es im übrigen fünf Starbucks-Filialen pro Quadratkilometer, ein regelrechter Kaffee-Strich.

Hierzulande muss der Kollege etwas länger laufen. Das hält ihn aber nicht davon ab, spätestens um 11 Uhr in die Runde zu fragen: "Ich geh 'nen Kaffee holen. Wer will noch was?" "Oh, super", heißt es dann. "Bringst du mir einen Pomegranate Peach Frappuccino Double Chocolate Chip mit?"

Kenner fragen zurück: "Tall, large oder grande?" Wer sich fragt, wo da überhaupt der Unterschied ist, hat sich als absoluter Null-Checker geoutet.

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