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MBA Health Care Management:Fit in Finanzen

Fachkräfte der Gesundheitsbranche entscheiden sich häufig für ein Studium an einer Business School. Drei Teilnehmer beschreiben ihre Beweggründe.

Von Rebekka Gottl

Im Gesundheitswesen muss man mit spitzem Stift rechnen können und als Führungskraft per se einiges von Finanzplanung verstehen. Deshalb machen viele Ärztinnen und Ärzte eine entsprechende Weiterbildung.

(Foto: Imago)

Das Gesundheitswesen ist geprägt vom medizintechnischen Fortschritt, der demografischen Entwicklung und der zunehmenden Globalisierung. Von Führungskräften im Gesundheitssektor werden neben fachlichem Wissen meist auch Kenntnisse in Personalmanagement und Finanzierung verlangt. Um eine leitende Position in diesem Bereich einnehmen zu können, greifen ein Abschluss in Wirtschaftswissenschaften wie auch das Medizinstudium allein zu kurz. Der MBA Health Care Management hingegen vereint Strategien der Unternehmensführung mit Kenntnissen über das Gesundheitswesen und bereitet sowohl Betriebswirtinnen und -wirte als auch Ärztinnen und Ärzte darauf vor, Führungsaufgaben in einem Unternehmen der Gesundheitsindustrie zu übernehmen.

In den vergangenen Jahren ist das Angebot an MBA-Programmen im Gesundheitsmanagement stetig gewachsen. Sie widmen sich jeweils unterschiedlichen fachlichen Schwerpunkten. Durch diese Differenzierung sind die Studiengänge für jene Fachkräfte interessant, die die Zukunft des Gesundheitssektors mitgestalten wollen: Ein Klinischer Psychologe, eine geschäftsführende Oberärztin und ein Sportökonom berichten von ihrem individuellen Karrierepfad, den Anforderungen im Studium und ihren persönlichen Zielen.

Diego Gallardo engagiert sich dafür, dass psychologische Fragen in der Therapie stärker berücksichtigt werden.

(Foto: privat)

Der nächste Karriereschritt ist schon geplant: die Promotion

Diego Gallardo: Die Debatten der vergangenen Monate über das europäischen Gesundheitssystem, zur Impfung und zur Auslastung der Krankenhäuser hat Diego Gallardo genau verfolgt, "um die getroffenen Entscheidungen zu verstehen und daraus lernen zu können", wie er sagt. Der 26-Jährige studiert International Healthcare Management in Vollzeit an der SRH Berlin University of Applied Sciences und wird künftig selbst Verantwortung im Gesundheitswesen übernehmen.

Seine Jugend verbrachte Gallardo in Mexiko-Stadt, wo er zunächst Psychologie studierte und nach dem Bachelorabschluss in der neurologischen Abteilung eines Krankenhauses tätig war. Durch den Umgang mit Patienten wurde ihm jedoch klar, dass es an Ressourcen fehlt - in allen möglichen Bereichen. "Besonders Psychologie wird im Gesundheitswesen oft vergessen", sagt Gallardo. Vor knapp zwei Jahren gab er seine Stelle in Mexikos Hauptstadt auf und zog nach Berlin. Eine besondere Rolle bei der Auswahl des MBA-Programms spielte die internationale Ausrichtung des Studiengangs. Für eine erfolgreiche Gesundheitsförderung reicht der Blick auf ein Land nicht aus, sagt der Psychologe. Vielmehr müsse man auch bereit sein, die Erkenntnisse und Abläufe anderer Staaten in die eigenen Überlegungen einzubeziehen.

"Antworten auf ethische Fragen, die die Gesundheit betreffen, kann man schwer auswendig lernen", merkt der 26-Jährige an. Welche Entscheidungen seine Kommilitonen in komplizierten Situationen treffen, verfolgt er daher genau. Zur Reflexion der Lösungsansätze zieht er sich dann gern zurück und geht den vorgeschlagenen Weg noch einmal Schritt für Schritt im Kopf durch. "Immerhin arbeiten wir nicht nur mit Nummern, sondern vordergründig mit Menschen."

Bei den mathematischen Aspekten des Studiums kam ihm sein parallel zum Bachelorstudium erworbenes Diplom in Ökonomie zugute. "Fächer wie Accounting waren etwa für die Bioingenieure, die mit mir studiert haben, mit Sicherheit anspruchsvoller", sagt er. Gefehlt habe ihm im Stundenplan dennoch ein Thema: Digital Health - "das wird immer wichtiger." Im Februar hat Gallardo den MBA-Abschluss gemacht und plant nun, an der Medizinischen Hochschule Hannover im Bereich Öffentliche Gesundheitspflege zu promovieren. "Mein Traum ist es, irgendwann eine eigene Klinik zu leiten", verrät er. "Institutionen, die nicht nur Profit machen, sondern den Menschen tatsächlich helfen, müssen gefördert werden."

In ihrer Masterarbeit hat sich Verena Boßung mit IT-Anwendungen zur Versorgung von Schwangeren befasst.

(Foto: privat)

Parallel zum Fernstudium als Frauenärztin im Einsatz

Verena Boßung: Als Medizinerin hat Verena Boßung bereits einige Fortbildungen gemacht. Nach ihrer Ausbildung zur Fachärztin für Frauenheilkunde und der Geburt ihres zweiten Kindes ist sie "recht zügig Oberärztin geworden" und hat eine Weiterbildung für Geburtshilfe absolviert. Die Fortbildungen bauten stets auf ihrem Medizinstudium auf. Bis vor fünf Jahren, als die 40-Jährige zur Leiterin der Geburtshilfe des Universitätsklinikums Schleswig-Holstein in Lübeck ernannt wurde. Fortan hatte sie viel Kontakt zur Verwaltung und war verstärkt von Zahlen sowie ihr bis dahin unbekannten Begriffen wie "Kostenstellenrechnung" umgeben. Daher suchte sie einmal mehr nach einer Möglichkeit, sich weiterzubilden, um die eigene Abteilung angemessen vertreten zu können. Der entscheidende Tipp kam von Kollegen: Sie machten sie auf den Master of Health Business Administration, kurz MHBA, der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg aufmerksam.

"Viele Kolleginnen und Kollegen absolvieren mittlerweile ein wirtschaftswissenschaftliches Zusatzstudium", sagt Boßung. Der Fernstudiengang hat es ihr ermöglicht, in Vollzeit weiterzuarbeiten und auch die Wochenenden zu Hause zu verbringen. "Meine Kinder sind sechs und neun Jahre alt, da wäre es nicht machbar gewesen, für die Seminare regelmäßig nach Nürnberg zu fahren." Stattdessen hat Boßung jedes Semester zwei umfangreiche Ordner mit Lerntexten am heimischen Schreibtisch gewälzt und im Anschluss sowohl eine Hausarbeit geschrieben als auch ein Prüfungswochenende an der Uni verbracht. Ein Highlight dieser Tage war der Austausch mit Kollegen "aus Fächern, mit denen ich in der Praxis generell keine Berührungspunkte habe".

Inhaltlich kam viel Neues auf sie zu: Nach einem Einführungskurs in BWL beschäftigte sie sich direkt mit den Grundlagen des Gesundheitswesens: Inwiefern unterscheiden sich die klinischen Abläufe in der Schweiz von denen in Deutschland oder den USA? Wie finanziert sich ein Krankenhaus? Die meisten Texte wurden auch als Hörbücher eingesprochen, sodass die Ärztin die Autofahrten von ihrer Wohnung in Hamburg nach Lübeck zum Lernen nutzen konnte. Auch das half ihr, ihre wöchentliche Studienzeit und -dauer mit ihrem Tagesablauf in Einklang zu bringen.

Vor ein paar Monaten hat sie den MHBA mit der Abgabe ihrer Masterthesis zum Thema "Smartsensorik in der Schwangerschaft" erfolgreich abgeschlossen. "Gerade in ländlichen Gebieten muss man sich künftig mit der Frage auseinandersetzen, wie Schwangere am besten in den eigenen vier Wänden versorgt werden können", erklärt die 40-Jährige dazu. Und fügt hinzu: "Das Gesundheitssystem verändert sich ständig, da möchte ich mich ebenfalls weiterentwickeln."

Sein Arbeitgeber gewährte Aaron Vallbracht für den MBA Geld wie zeitliche Flexibilität.

(Foto: privat)

Brücken bauen zwischen Sport, Gesundheit und Marketing

Aaron Vallbracht: Studieren und Arbeiten gehen bei dem MBA-Studenten Aaron Vallbracht seit jeher Hand in Hand. Nach dem Abitur konnte der passionierte Tischtennisspieler seine Leidenschaft für den Sport sowie sein Interesse an Wirtschaft im dualen Bachelorstudiengang Sportökonomie verbinden. Bei seinem Ausbildungsbetrieb, dem Landessportverband des Saarlandes, betreute er die Buchhaltung einzelner Verbände, erstellte die Jahresabschlüsse und war zuständig für den Haushalt. Verantwortung übernahm er auch als Referent für Sportentwicklung. "Dabei habe ich Konzepte verfasst, um bereits Kinder für den Breitensport im Verein zu begeistern", erzählt der 25-Jährige. "Gereizt haben mich speziell aber die Bereiche Marketing und Management." Themen, die der gebürtige Saarländer nach seinem Bachelorabschluss vertiefen wollte, weshalb er sich beruflich umorientiert hat.

Schon während des Vorstellungsgesprächs bei der Firma Prowin in seinem Heimatort Illingen brachte Vallbracht seine Karrierepläne auf den Tisch: Eine akademische Weiterbildung neben dem Beruf in Form des MBA Sport-/Gesundheitsmanagement an der Deutschen Hochschule für Prävention und Gesundheitsmanagement im Saarland sollte es sein. Noch am selben Tag sicherte ihm sein künftiger Arbeitgeber zu, die Kosten für den zweijährigen MBA zu übernehmen und ihn außerdem eine Woche im Monat für die Präsenzmodule freizustellen. "Damit ist mir der Arbeitgeber unglaublich entgegen gekommen", sagt der Sportökonom. Denn einige seiner Kommilitonen, die unter anderem im betrieblichen Gesundheitsmanagement tätig sind, im Fitnesssektor oder bei Krankenkassen arbeiten, mussten dafür Urlaub nehmen. "Stand eine wichtige Frist an, habe ich mich abends nach den MBA-Kursen natürlich noch mit der Arbeit beschäftigt", sagt der 25-Jährige.

Acht der zwölf MBA-Module vermittelten die Grundlagen in Rechnungswesen, Finanzen und Controlling. Mit seinen Schwerpunkten in Gesundheitsmanagement und Fitnessökonomie knüpfte er an sein vorheriges Studium an. "Durch Statistik musste ich nun mal durch", bemerkt Vallbracht, der beruflich Sponsoringverträge mit Sportlern aushandelt. Marketing dagegen war "praktisch umsetzbar und damit für mich am interessantesten".

Studium und Beruf bringt der 25-Jährige auch in seiner Masterthesis unter einen Hut, die er Ende Mai abgeben wird. Und danach? "Durch den MBA habe ich die Tür zu einer Karriere im Gesundheits- und Sportsektor der freien Wirtschaft aufgestoßen", sagt er. Zunächst aber hat er einen unbefristeten Arbeitsvertrag bei seinem jetzigen Arbeitgeber unterschrieben.

© SZ vom 26.03.2021
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