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Männer und Arbeitslosigkeit:Mann am Herd

In der Krise werden immer mehr Frauen zu Alleinverdienern. Die plötzliche Umkehr der Geschlechterrollen birgt jedoch ein großes Problem.

Männer sind von Jobkrisen durch Konjunkturabschwünge stärker betroffen als Frauen. Dies geht aus statistischen Untersuchungen in den USA und in Deutschland hervor. Auch in der momentanen Rezession zeigt sich dieser Trend. In Deutschland hat sich die Arbeitslosigkeit von Männern von 9,8 Prozent im Januar auf 10,3 Prozent im März erhöht. Auch verglichen mit dem Vorjahr ist die Arbeitslosigkeit der Männer zuletzt im März um 0,9 Prozentpunkte gestiegen.

Mann am Herd: Männer sind überwiegend im verarbeitenden Gewerbe tätig. In diesen Branchen wird aber seit der Wirtschaftskrise kurzgearbeitet oder entlassen.

(Foto: Foto: ddp)

Bei den Frauen ergibt sich dagegen ein anderes Bild: Die Arbeitslosigkeit blieb von Januar bis März nahezu konstant, sie stieg nur ganz leicht von 8,8 auf 8,9 Prozent. Im Jahresvergleich ging sie jedoch sogar zurück, zuletzt im März um 0,4 Punkte.

Friseurin und Maler

Dies liegt sehr stark an der Berufswahl. "Männer arbeiten in konjunkturabhängigeren Branchen als Frauen", sagt eine Sprecherin der Bundesagentur für Arbeit in Nürnberg, die den Arbeitsmarkt für Männer und Frauen analysiert. Danach sind Männer überwiegend im verarbeitenden Gewerbe tätig. In diesen Branchen wird aber seit der Wirtschaftskrise kurzgearbeitet oder entlassen. Auch am Bau und in anderen Außenberufen sind vor allem Männer beschäftigt. Sie haben in diesem Jahr mitunter den langen Winter zu spüren bekommen, in dem draußen nicht gearbeitet werden konnte.

"Frauen suchen sich eher konjunkturunabhängige Berufe aus", erläutert die Sprecherin der Nürnberger Agentur weiter. Nach wie vor hänge die Berufswahl vom Geschlecht ab, zeigt eine hauseigene Analyse zur Situation von Frauen und Männern am Arbeits- und Ausbildungsmarkt zwischen den Jahren 2000 bis 2008. "Mädchen bevorzugen Berufe, bei denen der tägliche Umgang mit Menschen im Vordergrund steht", heißt es in dem Bericht. Sie lernten etwa Kauffrau im Einzelhandel, Friseurin oder medizinische Fachangestellte. Oder sie strebten kaufmännische Bürotätigkeiten an. Jungen zögen technische Berufe vor, wie etwa Kraftfahrzeug-Mechatroniker und Industriemechaniker, oder sie lernten ein Handwerk wie Tischler, Maler und Lackierer.

Zu Boomzeiten herrscht Gleichberechtigung

Neben der Abhängigkeit der "Männer-Berufe" von der Konjunktur wirkt sich auch aus, dass die Finanzkrise viele Banker arbeitslos gemacht hat - und damit überwiegend Männer. Die Folge: Fast 80 Prozent der 5,1 Millionen Amerikaner, die seit Beginn des Abschwungs ihren Job verloren haben, sind männlich. Die Arbeitslosenquote für Männer in den USA beträgt inzwischen 8,8 Prozent, bei Frauen sind es sieben Prozent. Eine solche Spreizung gab es seit Beginn der statistischen Datensammlung 1948 noch nie. Zu Boomzeiten herrschte sogar Gleichberechtigung. Die US-Arbeitslosenrate betrug in den vergangenen Jahren 5,5 Prozent - für Männer und Frauen gleichermaßen.

Nun drängen die amerikanischen Männer in traditionelle Frauenberufe. Bauarbeiter lassen sich zu Krankenpflegern umschulen, und Investmentbanker wollen sich als Lehrer versuchen. Doch es kann dauern, bis sie einen neuen Job gefunden haben. Von einer Entspannung auf dem Arbeitsmarkt ist Amerika ebenso wie Deutschland noch weit entfernt. Zwar rechnen Notenbank und Regierung mit einem Abklingen der Rezession im Herbst dieses Jahres. Doch selbst wenn die Wirtschaft wieder wächst, glauben die meisten Experten, dass die Erholung zu schwach sein wird, um die Misere der Arbeitslosigkeit zu beenden.

So sind in vielen US-Haushalten die Frauen auf absehbare Zeit die Alleinverdiener der Familie; eine plötzliche Umkehr der Geschlechterrollen. Ein Problem für die Familien ist aber, dass Frauen oft schlechter bezahlt werden als Männer. Meist haben sie nur Teilzeitstellen.