Kreationismus im Schulunterricht Pädagogischer Sündenfall

Was sagt Gott zum menschlichen Zusammenleben?

Hieße das, all das gibt es an staatlichen Schulen? "An vielen staatlichen Schulen wird unter den gegebenen Bedingungen eine sehr gute Arbeit geleistet. Gleichzeitig machen wir die Erfahrung, dass viele Anmeldungen an christlichen Schulen aufgrund des guten Schul- und Unterrichtsklimas erfolgen. Das ist die Rückmeldung der Eltern."

Will man mit Meier die Unterrichtsinhalte diskutieren, verweist er zunächst auf die staatlichen Vorgaben, gibt aber im Laufe des Gesprächs offen zu, dass an den Schulen des VEBS Kreationismus gelehrt werde. Das will er später allerdings so deutlich nicht mehr stehen lassen. Denn den Richtlinien zufolge müssen sich auch Privatschulen an den Bildungsplänen der öffentlichen Schulen orientieren. Daneben bleibe aber immer Spielraum für Zusätzliches, so Meier. "Wir thematisieren etwa im Sozialkundeunterricht, was die Bibel zum menschlichen Zusammenleben sagt. Die Genesis behandeln wir im Fach Religion. Im Biologieunterricht kann der vorhandene Spielraum zur fachlichen Auseinandersetzung mit dem Schöpfungsmodell genutzt werden."

Person und Geist

"Die Schüler sollen sich mit den unterschiedlichen Ansätzen auseinandersetzen", erklärt Meier. "Dazu gehört auch das, was die Evolutionstheorie nicht erklären kann: die Entstehung des Lebens aus Materie, genauso wie die Entstehung von Person und Geist und die Entstehung der Grundtypen. Die Entwicklung im Bereich der Mikroevolution, so wie die Menschen sie beobachten können, ist für uns unstrittig und widerspricht auch nicht der Bibel. Gleichzeitig müssen die Schüler aber auch wissen, was das Schöpfungsmodell nicht erklären kann."

Die Evolutionstheorie bezeichnet Meier als nur eine von vielen Theorien, die nicht bewiesen sei. Dennoch möchte er die VEBS-Schulen in der Öffentlichkeit nicht nur auf diesen Aspekt reduziert sehen. Dass es in der Vergangenheit schon Ärger mit empörten Eltern gab, wie etwa in Gießen, kann er nicht nachvollziehen. Im Vorfeld jeder Anmeldung würden die Familien der Schüler umfassend über den VEBS, seine Ziele und die Unterrichtsinhalte informiert.

Wissenschaftlicher Kronzeuge der Kreationisten

Davon ist Dittmar Graf, der Dortmunder Biologiedidaktiker, nicht überzeugt. Er macht darauf aufmerksam, dass nicht nur Bekenntnisschulen solch wissenschaftlichen Unsinn verbreiten, sondern auch Schüler staatlicher Schulen kreationistische Ideen zu hören bekommen können. So werden etwa im Biologiebuch "Vita Nova", das in der Oberstufe staatlicher Schulen zum Einsatz kommt, die umstrittenen Ideen des amerikanischen Biochemikers Christian Schwabe vorgestellt. Schwabe firmiert häufig als wissenschaftlicher Kronzeuge der Kreationisten. "Entsprechend seiner Vorstellung könnten die genetischen Programme für jedes Lebewesen so alt wie das Leben selbst sein", heißt es im Lehrbuch. Und weiter: "Diese Theorie Schwabes ist noch lange keine allgemein anerkannte Lehrmeinung, sie bietet aber Möglichkeiten, die (...) aufgeworfenen Fragen elegant zu lösen."

Dabei sollte elegante Problemlösung nicht im Zentrum der Wissenschaft stehen - sondern vielmehr gut begründete.