Knigge-Tipps fürs Kennenlernen im Büro:"Immer auf die Leute zugehen"

Lesezeit: 6 min

Wie ist es in der Mittagspause: Warte ich, bis ich von meinen neuen Kollegen gefragt werde, ob ich mich zum Essen anschließen möchte? Oder darf ich die Initiative ergreifen?

Im Job sind heute starke, extrovertierte Typen gefragt. Mein Rat deshalb: Immer auf die Leute zugehen. Wenn ich zum Beispiel am ersten Tag in der Kantine jemanden treffe, den ich aus meiner Abteilung kenne, kann ich ohne Probleme fragen: "Ist es in Ordnung, wenn ich mich Ihnen anschließe?" Oder wenn ich sehe, dass am Tisch meiner neuen Kollegen noch Platz ist, erkundige ich mich freundlich: "Ich darf mich dazusetzen?" Das ist eine sehr elegante Formulierung: Eigentlich ist sie mehr Ankündigung als Frage, doch theoretisch könnten die Angesprochenen immer noch "nein" sagen - was sie der Höflichkeit halber wahrscheinlich nicht tun werden.

Sollte ich versuchen, mit jedem meiner neuen Kollegen einmal essen zu gehen?

Das ist empfehlenswert, ja. Wenn der Eindruck entsteht, dass Sie immer mit denselben Personen essen gehen, verbaut Ihnen das womöglich den Zugang zu anderen Kollegen. Versuchen Sie Anschluss zu finden, aber legen Sie sich nicht zu früh auf einzelne Personen oder Lager fest. Denn am Anfang können Sie noch nicht absehen, ob diese Allianz vorteilhaft für Sie ist. Je breiter Sie sich vernetzen, desto besser für Sie - im Idealfall buhlen irgendwann Ihre Kollegen um Ihre Gesellschaft.

Wie privat darf ich am Tisch werden?

In Deutschland sollte ich mich mit Persönlichem zunächst zurückhalten. Beziehung und Familie sind in den ersten Tagen tabu. Es ist aber auch nicht ratsam, ins andere Extrem zu fallen und beim Mittagessen nur über Geschäftliches zu sprechen. Nutzen Sie Pausen nicht, um zu fragen, wie das mit der Spesenabrechnung läuft oder wo der Schlüssel zum Papierraum liegt. Schließlich haben Ihre Kollegen gerade eine Auszeit vom Job. Am besten, Sie hören den anderen zu und klinken sich bei Gelegenheit ins Gespräch ein. Oder Sie sprechen unverfängliche Themen an: das Parkplatzproblem in der Innenstadt, den Ärger mit der Steuer, die sportliche Form des örtlichen Fußballvereins.

Gerade in kleineren Büros mit wenigen Mitarbeitern besteht der Büro-Smalltalk doch aber hauptsächlich aus Privatem. Grenze ich mich nicht selbst aus, wenn ich mich raushalte?

Nehmen wir an, Sie sitzen mit zwei Kollegen gemeinsam in einem Büro und die anderen beiden unterhalten sich über das Thema Urlaub. Vermutlich werden Sie dann irgendwann ins Gespräch mit einbezogen und gefragt, wo Sie Ihre letzte Reise hingeführt hat. Selbstverständlich dürfen Sie dann antworten - alles andere würde Ihnen vermutlich als Arroganz ausgelegt werden. Ich würde aber nach Möglichkeit vermeiden, in der ersten Zeit von mir aus private Themen anzusprechen. Lassen Sie Ihre Kollegen das Tempo des persönlichen Kennenlernens bestimmen. Indem Sie Rückfragen stellen, zeigen Sie, dass Sie sich für Ihr Gegenüber interessieren und Ihnen an einem freundschaftlichen Verhältnis gelegen ist.

Gehen wir einige Wochen in die Zukunft: Wie finde ich Zugang zu den wichtigen Klüngeln?

Indem Sie aufmerksam beobachten und vor allem gut zuhören. Versuchen Sie die Klüngel zu identifizieren, mit denen Sie Gemeinsamkeiten haben, zu denen Sie vermutlich relativ einfach Zugang bekommen. Nehmen wir an, Sie sind ballsportbegeistert und kriegen mit, dass sich Ihre Kollegen einmal die Woche zum Fußballspielen verabreden. Dann können Sie Interesse bekunden, indem Sie beispielsweise sagen: "Das ist ja toll, dass ihr euch regelmäßig zum Kicken trefft. Wo spielt ihr denn?" Vermutlich wird dann automatisch eine Einladung zur wöchentlichen Kicker-Runde erfolgen. Wenn nicht, ist es durchaus legitim, nachzufragen: "Habt ihr Bedarf für einen zusätzlichen Spieler?"

Allzu extrovertierte Typen können neue Kollegen auch vor den Kopf stoßen. Wie sollte ich mich in den ersten Wochen präsentieren?

Das Schlüsselwort ist hier: Authentizität. Präsentieren Sie sich so, wie Sie sind. Tragen Sie keine Maske außer der, die Sie im Berufsleben sowieso tragen müssen. Bringen Sie sich von Beginn an ein, zeigen Sie, dass Sie neue Ideen haben und motiviert sind. Aber vermitteln Sie Ihren neuen Kollegen nicht den Eindruck, Sie wüssten und könnten alles besser, nach dem Motto: Bisher lief hier alles falsch, aber ihr habt Glück - jetzt bin ja ich da, um's zu richten. Seien Sie ruhig selbstbewusst, aber niemals überheblich.

Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema