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Jobs für Top-Juristen:Rucksack-Tour vor Ruhm und Reichtum

Karriere vor allem? Junge Juristen legen immer mehr Wert auf eine Work-Life-Balance.

(Foto: Minerva Studio/iStockphoto.com)

Bisher gab es für die besten Nachwuchs-Anwälte nur ein Karriereziel: den gut bezahlten Job in einer internationalen Sozietät. Doch jungen Top-Juristen wird Freizeit immer wichtiger. Deshalb lockt manche Kanzlei nun mit 50 Tagen Ferien im Jahr.

Achim Glade hängt die Latte hoch. "Wir haben in diesem Jahr vier junge Juristen eingestellt, alle mit Prädikatsexamen und Doktortitel. Darunter machen wir's nicht", sagt der Partner in einer mittelgroßen Anwaltssozietät in Düsseldorf. "Es gibt sicher auch gute Juristen ohne sehr gute Noten", räumt Glade ein. "Aber die statistische Wahrscheinlichkeit ist höher, dass aus exzellenten Studenten auch exzellente Anwälte werden."

Solche Ansprüche konnten sich bisher nur die zehn Großkanzleien in Deutschland leisten, die mit einer amerikanischen oder britischen Law Firm assoziiert sind. Jetzt aber ziehen mittelständische Anwaltsbüros ("Boutiquen") nach, die sich auf Branchen oder Rechtsgebiete spezialisiert haben. Auch sie bieten hohe Einstiegsgehälter und intensive Fortbildung, daneben frühe Verantwortung, Familienfreundlichkeit und engen Kontakt zu den Partnern.

Damit treffen sie den Nerv der Absolventen. "Die großen Kanzleien haben erkannt, dass sie den Bedürfnissen der jungen Anwälte entgegenkommen müssen", so Tim Proll-Gerwe von der Servicegesellschaft des Bundesverbands der Unternehmensjuristen. Viele haben keine Lust mehr auf den Marsch durch die Hierarchien, ständige Erreichbarkeit, Nachtschichten und Kofferträgerdienste. Selbst hochbezahlten Einserabsolventen ist dieser Preis für den Aufstieg in den Partner-Olymp zu hoch.

Work-Life-Balance wichtiger als Ruhm und Reichtum

"Die Studenten denken um", sagt Markus Schmitt, 30, zugelassener Anwalt und Unternehmensjurist in Frankfurt. "Wer sich auf Medizin-, IT- oder Presserecht spezialisiert, kommt nach ein paar Jahren auch so in Großkanzleien und hat dazu die Option auf den Einstieg in eine Boutique."

Die Work-Life-Balance heute sei wichtiger als Ruhm und Reichtum morgen. "Der Unterschied zwischen 70.000 und 100.000 Euro Jahresgehalt rechtfertigt es nicht, dass ich jeden Tag erst um 21 Uhr nach Hause komme", sagt Schmitt. In seinem Freundeskreis spüre er das deutlich. "Es gibt natürlich immer die Jäger. Aber es gibt auch schon viele, die das anders sehen."

Und wie denken diejenigen, die es nicht unter die jährlich 500 bis 700 Topabsolventen geschafft haben mit zwei Prädikatsexamina und Auslandsstudium?

Kanzleiberaterin Johanna Busmann hat täglich mit ihnen zu tun. "Sie sorgen sich um ihre Position am Arbeitsmarkt. Sie wissen sehr genau, dass sie sich für einen Beruf mit hoher Arbeitslosigkeit entschieden haben. Ihnen ist nicht klar, wie sie gegenüber bereits positionierten Konkurrenten bestehen können. Wie sollen sie Mandanten bekommen? Sie haben Angst um ihre ökonomische Existenz."

Markus Schmitt hält das für zu schwarz gemalt: "Ich kenne niemanden, der mit mir Jura studiert hat und Taxi fährt. Alle haben irgendwas gefunden, in Lobbyismus, Politik, Verlag oder in der Wirtschaft. Mal früher, mal später."

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