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Inverted Classroom:Vorlesung zum Zurückspulen

Wie das Konzept des Inverted Classrooms funktioniert

Mit wenigen Mausklicks in den Seminarraum und mit den Dozenten und den Kommilitonen diskutieren? Das ist nicht nur praktisch, sondern dient in der aktuellen Situation dem gesundheitlichen Schutz vieler, die sich fortbilden wollen. Die Professoren Jürgen Handke von der Philipps-Universität Marburg, Jörn Loviscach von der Fachhochschule Bielefeld und Christian Spannagel von der Pädagogischen Hochschule Heidelberg taten sich bereits im Jahr 2012 zusammen, um mit dem "Inverted Classroom" (ICM), eine alternative Form von Vorlesungen zu fördern, die sich auf Videos im Internet stützt.

Die Studierenden können sich die Vorlesung in Ruhe zu Hause ansehen und das Video anhalten oder zurückspulen, wenn sie etwas nicht mitbekommen haben oder wenn sie einen Aspekt nochmals durchdenken wollen. Im Online-Hörsaal ist dann Zeit, um auf die Fragen der Studierenden einzugehen oder gemeinsam Aufgaben zu lösen und zu besprechen.

Das Konzept des ICM, das als Leitidee für eine interaktive Hochschullehre zu verstehen ist, wird mittlerweile sogar in Fächern angewendet, in denen die Präsenzveranstaltungen einen hohen Stellenwert genießen, so etwa in den Natur-, Ingenieurs-, oder Wirtschaftswissenschaften. Ein wichtiger Bestandteil des Konzepts sind Massive Open Online Courses (MOOCs). Sie kombinieren traditionelle Formen der Wissensvermittlung wie Videos, Lesematerial und bestimmte Problemstellungen mit Foren, in denen Lehrende und Lernende interagieren und in virtuellen Lerngruppen zusammenarbeiten.

Das Potsdamer Hasso-Plattner-Institut bietet über die Plattform Open HPI viele Moocs im Bereich Informatik für Internet, Programmierung und Webdesign an (https://open.hpi.de). Mit ihrer Plattform iMooX gehören die auf Ingenieur- und Naturwissenschaften spezialisierte Technische Universität Graz und die Karl-Franzens-Universität Graz in Österreich ebenfalls zu den wichtigsten Anbietern von Moocs im deutschsprachigen Raum (https://imoox.at).

Das Portal Oncampus ist einer der bekanntesten Mooc-Anbieter in Deutschland. Es wird von einer Tochter der Technischen Hochschule Lübeck betrieben. Die Plattform ist mit aktuellen Interviews und Informationen über bestimmte Online-Formate, zum Beispiel Podcasts (www.oncampus.de), bestückt.

Im deutschsprachigen Raum bieten außerdem die Hochschule RWTH Aachen, die Technische Universität München oder die ETH Zürich einige Veranstaltungen mit Mooc-Plattformen an.

© SZ vom 05.06.2020 / hopa
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