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Gehirn-Doping:"Jeder sollte mit Pillen seine Intelligenz steigern dürfen"

Jánszky: Ich glaube nicht. Aber da spielt die moralische Debatte eine große Rolle. Es gibt in der Regel zwei Sichtweisen:

Trendforscher Sven Gábor Jánszky sieht Hirndoping als kommenden großen Trend in Deutschland.

(Foto: Foto: www.forward2business.com)

Die "schöpfungsgeschichtlichen" Anhänger sagen, dass der Mensch geboren ist, wie er ist, und das darf man nicht verändern. Wenn diese Sichtweise in Deutschland gewinnt, dann muss man einen Dopingtest an Unis einführen.

Die zweite Sichtweise hingegen fragt: Ist es gerecht, dass ein Mensch, der mit weniger Intelligenz geboren ist, diese nicht korrigieren darf? Wenn das die vorherrschende Ansicht wird, wird sich die "Korrektur per Pille" etablieren.

sueddeutsche.de: Welche Meinung wird sich durchsetzen?

Jánszky: Ich denke, die zweite Ansicht wird gewinnen.

sueddeutsche.de: Heißen Sie das gut?

Jánszky: Ja, denn ich finde keine Antwort auf genau diese Gerechtigkeitsfrage: Wieso soll es fair sein, dass wir mit unterschiedlichen Hirnleistungen auf die Welt kommen und diese nicht korrigieren dürfen? Jeder sollte mit Pillen seine Intelligenz steigern dürfen.

sueddeutsche.de: Wird Leistung dann zukünftig noch mehr vom Geldbeutel abhängig sein? Die Pillen sind schließlich nicht billig.

Jánszky: Diese Ungerechtigkeit haben wir in allen Lebensbereichen. So funktioniert eben unsere Gesellschaft: Die einen können in Urlaub fahren, zur Uni gehen - die anderen nicht. Das ist ungerecht. Aber ich sehe keinen Grund, warum es gerade in diesem Spezialbereich des Hirndopings anders laufen sollte.

sueddeutsche.de: Können die Menschen im Berufsleben und an der Uni in Zukunft ohne Gehirndoping überhaupt noch mithalten? Oder wird es eine Zweiklassengesellschaft geben?

Jánszky: Nein, das glaube ich nicht. Gehirndoping wird sicher bald von vielen genutzt. Und im Spektrum der Intelligenz werden dann diejenigen, die keine Mittel nehmen, ein bisschen "runterrutschen". Das heißt aber nicht gleich, dass sie keine Chance mehr haben.

sueddeutsche.de: Wird sich der Arbeitsmarkt durch Gehirndoping verändern?

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